Grüner Knopf

Schweizer NGO kritisiert deutsches Textillabel

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Mehr als 50 Unternehmen führen Produkte mit dem "Grünen Knopf"
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Mehr als 50 Unternehmen führen Produkte mit dem "Grünen Knopf"
Die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye und die deutsche Frauenrechtsorganisation Femnet haben die Kommunikation von Firmen unter die Lupe genommen, deren Produkte mit dem "Grünen Knopf" des deutschen Entwicklungsministeriums ausgezeichnet sind. Ergebnis: Das Siegel hält nicht, was es verspricht.
Beim "Grünen Knopf" des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den es seit September 2019 gibt, handelt es sich um ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien. Unternehmen, die ihre Produkte damit versehen, sollen insgesamt 46 Unternehmens- und Produktstandards einhalten, darunter Abwassergrenzwerte, Mindestlöhne und Arbeitsschutz. Was die 20 Unternehmenskriterien betrifft, haben die NGO Public Eye, die sich für faire Wirtschaftsbeziehungen einsetzt, und Femnet die Berichterstattung von 31 "Grüner-Knopf"-Firmen analysiert. Viele dieser Unternehmen vertreiben ihre zertifizierten Produkte auch in der Schweiz, darunter Vaude, Lidl und Hess Natur.

Herausgekommen ist laut Public Eye, dass der "Grüne Knopf" wegen Mängeln beim Standard und Prüfprozess auch in der Schweiz nicht garantieren kann, dass die Produktion der Textilien ohne Ausbeutung und Umweltverschmutzung erfolgt. Beispiele: Nur acht der 31 Anbieter würden auf Menschenrechtsrisiken in ihren jeweiligen Produktionsländern eingehen. Über das Ausmass und die Schwere des Risikos nicht existenzsichernder Löhne für ihre Näherinnen berichteten lediglich zwei Unternehmen. Informationsbedarf gebe es etwa auch bezüglich der in den Produktionsländern häufig nicht gewährleisteten Gewerkschaftsfreiheit. Lediglich Hess Natur und Vaude statteten über das Ausmaß und die Schwere des Risikos fehlender Vereinigungsfreiheit Bericht.

Public Eye und Femnet fordern daher Siegelgeber und -nehmer auf nachzubessern und sprechen Empfehlungen aus. Unternehmen, die zentrale Menschenrechtskriterien nur teilweise erfüllen, dürften keinen "Grünen Knopf" führen.
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