"FUTURE OF WORK"

Keine Zukunft ohne "Shared Economy"

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Guenther Dobrauz ist Partner & Leader bei PwC Legal Switzerland
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Guenther Dobrauz ist Partner & Leader bei PwC Legal Switzerland
"Shared Economy" ist eine der ganz grossen Bewegungen unserer Zeit, die jetzt in der Realwirtschaft richtig Fuss fasst und dabei die Wirtschaftszusammenhänge verändern wird. Guenther Dobrauz, Partner & Leader bei PwC Legal, äussert sich im HORIZONT-Gespräch folgendermassen: "Wir kommen aus zentralisierten, lokalen Geschäftsmodellen. Lokale Arbeitskräfte leisten für lokale Firmen und lokale Zielgruppen. Heute aber sind die Zielgruppen meistens global und vor allem der Einfluss auf die Zielgruppen ist global. Es ist sehr schwierig, die Inputs, die man dafür braucht, alleine mit lokalen Arbeitskräften aufzubringen."
Wer wie bisher versucht, die globalen Herausforderungen unsere Zeit mit lokalen Ressourcen zu bewältigen, wird auf der Strecke bleiben - davon jedenfalls ist Guenther Dobrauz überzeugt. Im Gespräch mit HORIZONT Swiss geht es zudem um die Bedeutung von grossen Werbeideen und Kampagnen, wie die von Oliver Toscani für Benetton.
Herr Dobrauz, warum haben Sie über Shared Economy gesprochen? "Shared Economy" ist eine der ganz grossen Bewegungen unserer Zeit, die jetzt in der Realwirtschaft Fuss fasst und die die Wirtschaftszusammenhänge verändert. Ich habe die Treiber vorgestellt und sensibilisiert.


Wo sehen Sie hier das Potential oder vielmehr die Notwendigkeit, mehr Shared-Economy zu betreiben? Wir kommen aus zentralisierten, lokalen Geschäftsmodellen. Lokale Arbeitskräfte leisten für lokale Firmen und lokale Zielgruppen. Heute aber sind die Zielgruppen meistens global und vor allem der Einfluss auf die Zielgruppen ist global. Es ist sehr schwierig, die Inputs, die man dafür braucht, alleine mit lokalen Arbeitskräften aufzubringen. Was müssen insbesondere Agenturen tun? Es ist wichtig, dass man die Talente und Quellen globalisieren kann. Vereinfacht gesagt: Agenturen müssen mit Mitarbeitenden aus der ganzen Welt betrieben werden, die alle zu den Lösungen beitragen. Es muss gelingen, die lokalen Ressourcen mit den globalen Ressourcen zusammenzubringen und so Einzigartigkeit zu liefern. Als Mentor von Startups habe ich Konzepte im Social-Media-Bereich begleitet, die überraschenden Impact hatten.

Wie geht man vor, wenn man eine Agentur ist oder ein Medienhaus und in ein solches Modell oder auch in eine dafür erforderliche Kultur von "Shared Economy" reinkommen möchte? Das Schöne an der heutigen Zeit ist, dass praktisch alle Informationen zugänglich sind. Das Tor in die "Shared Economy" aber führt, wenn ich das so sagen kann, übers Verständnis für die Millennial- und Z-Generationen. Man muss sich mit diesen intensiv auseinandersetzen und verstehen, wie sie ticken und das ist schwierig. Ich halte mich schon für einen coolen Typen, weil ich auf Instagram und LinkedIn bin. Aber das sind heute auch nicht mehr die "Medias of Choice". Ich habe kürzlich TikTok heruntergeladen, weil es mein kleiner Sohn hat. Ich habe weder die Sprache, noch die Kadenz, noch irgend etwas verstanden. Es ging drei Tage, bis ich die Systematik verinnerlicht hatte. Dann muss ich nach draussen gehen. Einmal im Jahr bereise ich andere Länder, besuche Kurse und tausche mich mit anderen Menschen aus und dabei insbesondre mit Jugendlichen. Wir binden sie auch in Projekte ein.


Jetzt haben Sie einen Wunsch an die Kreativindustrie offen. Welchen? Ich bin ein passionierter Konsument von Werbungen und spreche an auf tolle Kreationen, die ich auch immer wieder sehe. Ideen, wo ich mich nicht abgehängt fühle, sondern die mir die Türe in ein anderes Denken öffnen.
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Können Sie uns ein Konzept nennen, das Ihnen jemals eine solche Türe aufgestossen hat? Erst kürzlich traf ich Oliver Toscani, der bis vor ganz kurzem noch für Benetton tätig war. Er hat in einer legendären Werbung für Benetton das Foto mit der Kleidung eines Jungen Mannes verwendet, der im Jugoslawienkrieg getötet wurde. Es handelte sich dabei um ein Pressefoto. Wäre es auf der dritten Seite einer Zeitung erschienen, hätte kein Mensch grossartig was gesagt. Aber dadurch, dass es in einem anderen Kontext, jenem der Werbung, stattfand, hat es unglaublich viele Fragen ausgelöst, auch bei mir. Ich begann mich mit diesem Krieg auseinanderzusetzen. Ein anderes Bild war jenes mit dem sterbenden Aidskranken. Ich habe aufgrund des Bildes meine Eltern das erste Mal gefragt, was Aids ist. Es ist nicht nur darum gegangen, mir einen Pullover zu verkaufe, was sie ja auch erfolgreich gemacht haben, sondern Benetton stellte Fragen. Solche Kampagnen vermisse ich heute. Alles ist sehr an der Oberfläche, auf ein Produkt und eine Botschaft fokussiert. Kampagnen aber, die Dinge hinterfragen, sie fehlen.

Diese Werbung war vor mehr als zwanzig Jahren. Ist sowas heute überhaupt noch gefragt? Und wie. Gerade die nächste Generation fragt nach den Werten, nach dem "Purpose", nach dem Sinn einer Sache. Wenn es uns gelingt, die Sinnfrage zurück in die Konzepte zu bringen, haben wir auch wieder Werbungen, die Türen in anderes Denken aufstossen. Das Talent dafür ist zweifelsohne vorhanden und am Ende des Tags ist es ein Handwerk. Gerade in der Schweiz haben wir eine tolle Landschaft dafür.

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Über Dr. Guenther Dobrauz
Guenther Dobrauz ist Partner & Leader bei PwC Legal Switzerland. Dobrauz ist überdies Autor von drei Büchern über Innovation und Disruption und von fünf Büchern über europäische, schweizerische und liechtensteinische Regulierung. Er ist außerdem Autor und Co-Autor von über 100 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und hat bisher auf mehr als 200 Konferenzen weltweit gesprochen.


Neben seiner Tätigkeit als Jurist ist Guenther ein Unternehmer und Innovator im Rechtsbereich, der die Technologie voll und ganz einschließt. Er ist der Ansicht, dass seine Aufgabe in erster Linie darin besteht, ein inspirierendes und lohnendes Umfeld zu schaffen, in dem Talente auf der Grundlage dessen wachsen können, was er als die Zukunft der Rechtsberatung ansieht: interdisziplinäre und vielfältige Teams von leidenschaftlichen Spezialisten, die auf der Grundlage von Vertrauen und Respekt und als Teil eines wirklich globalen Rechtsnetzwerks zusammenarbeiten, aber auch eng mit allen anderen Fachgebieten innerhalb von PwC verbunden sind. Er ist grundsätzlich davon überzeugt, dass die Regulierung zu einer strategischen Dimension geworden ist, und er setzt sich mit seinem Team von grossartigen Schweizer und EU-Anwälten und Juristen leidenschaftlich dafür ein, Recht in Wirtschaft umzusetzen.

Seine Leidenschaft gilt auch der Rockmusik (eigentlich seine zweitgrößte Liebe nach seiner wunderbaren Familie), Vinyl-Schallplatten und kundenspezifischen Motorrädern. Er ist immer an innovativen Ideen, dem Austausch über Innovationen, rechtlichen und regulatorischen Themen sowie an juristischem Talent interessiert, um seinem Team beizustehen.

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