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Deutscher Fußball-Bund prüft den Ausstieg aus Infront-Verträgen

Der DFB prüft den Ausstieg aus allen Verträgen mit Infront
© DFB
Der DFB prüft den Ausstieg aus allen Verträgen mit Infront
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) prüft aus allen Verträgen mit der Schweizer Vermarktungsfirma Infront Sports & Media auszusteigen. Hintergrund sind millionenschwere Betrügereien unter anderem mit der Länge der Werbeeinblendungen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe.

Für Infront wäre es ein herber Schlag, wenn der DFB aus allen Verträgen mit dem Zuger Sportvermarkter aussteigen würde. Das Unternehmen vermarktet seit vielen Jahren die Bandenwerbung der Spiele der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft und ist noch bis 2022 für den DFB-Pokal verantwortlich.



Offenbar wusste laut Spiegel Infront schon seit Anfang 2018 von Manipulationen zulasten des DFB und deutscher Konzerne, die im Stadion Werbung geschaltet hatten. Dazu zählen beispielsweise die Commerzbank, Rewe, Deutsche Telekom und Mercedes-Benz damals noch DFB-Partner (Volkswagen hat die Stuttgarter im Januar 2019 als Autopartner bei der Nationalmannschaft abgelöst.) "Gleichwohl liefen die Praktiken noch bis September 2018 weiter", schreibt das Nachrichtenmagazin. Erst im Mai 2019 habe Infront die Kunden und den Verband über den Betrug informiert. Damals hat unter anderem die FAZ über den Betrugsverdacht geschrieben. Laut Spiegel habe eine DFB-Taskforce mittlerweile bei einer Stichprobe von mehr als 30 Länderspielen festgestellt, dass die Einblendungen der Firmen auf der Bande jeweils nur 29 Sekunden dauerten und damit eine Sekunde weniger als vertraglich vereinbart.

Infront sieht sich allerdings selbst als Geschädigte eines ehemaligen Mitarbeiters, der als Alleintäter die gekürzten Sekunden weiterverkauft und sich damit bereichert habe. So schreibt das Unternehmen in einer Medienmitteilung Ende Mai als die Vorwürfe erstmals publik wurden: "Den Kunden wurde weniger Werbezeit als vertraglich vereinbart zur Verfügung gestellt. Dadurch entstand ein Überschuss an verfügbarer Werbezeit, für die zusätzlichen Einnahmen generiert wurden." Die Staatsanwaltschaft Thurgau bestätigt auf Nachfrage, dass "eine Strafuntersuchung wegen verschiedenen Vermögensdelikten und Urkundenfälschung läuft. Die Strafuntersuchung richtet sich derzeit gegen einen Tatverdächtigen."


Inzwischen habe, so schreibt der Spiegel, Infront den betroffenen Sponsoren Entschädigungszahlungen angeboten. Die Höhe der Entschädigungszahlungen soll sich nach Informationen des Tagesanzeigers, der an den Recherchen beteiligt war, auf mindestens sechs Millionen Euro belaufen. Diese Summe hat das Unternehmen jedenfalls zurückgestellt. Ob das reichen wird? mir

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