Frank Bodin

Ein Plädoyer für Glaubwürdigkeit, Eier und Frauen

Frank Bodin bei der ADC-Preisverleihung am vergangenen Samstag
© Frank Bodin Facebook
Frank Bodin bei der ADC-Preisverleihung am vergangenen Samstag
Bei der Preisverleihung der ADC Awards fordert Club-Präsident Frank Bodin Haltung von den Werbern: Während seines Jobs als Präsident der diesjährigen Jurierung sei es auch seine Aufgabe gewesen, Kacke aus der Manege zu kehren - eine Bemerkung, die im Publikum, des "Circo Loco" für hörbares Raunen sorgte. Sein folgender Appel belohnten die Werber anschliessend aber mit grossem Applaus.

Sein Outfit hatte ADC-Präsident Frank Bodin dem Motto angepasst und die Manege in der Kluft einer Zirkus-Hilfskraft betreten. Seine Rede, die fünfte seiner Amtszeit, nutze Bodin, um nochmals zu zeigen, warum er seit Jahren im als führender Kopf des Verbands bestätigt wird, und plädierte vehement für Haltung: Haltung bei ihrem kreativen Schaffen, Haltung gegenüber Werbeauftraggebern und  Haltung bei der Förderung von Talenten, speziell Frauen in Agenturen.



Korrekt zu arbeiten, auch wenn es um Kreativpreise gehe, sein grundlegend, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren, mahnt Bodin mit Blick auf die zurückliegende Jury-Arbeit bei den ADC Awards. Der Schlichtungsrat hätte in diesem Jahr zwei Fälle zu klären gehabt, die beide zu Ungunsten der Einreicher entschieden worden seien. So viel zur Kacke, die aus der Manege zu kehren sei.

Zur Haltung zähle eben, Eier zu besitzen, also den Mut, der von Werbern immer wieder gefordert werde, beispielsweise bei Ausschreibungen wirklich zu zeigen. Als Beispiel führte Bodin die vieldiskutierte Ausschreibung der Stadt Schaffhausen an: 200 Agenturen habe die Stadt angefragt, 57 Dienstleister hätten eingereicht, 3 hätten präsentieren dürfen und eine tatsächlich ein Konzept formuliert. Den Etat hat am Ende niemand erhalten. "Warum nimmt man an einer solchen Ausschreibung teil?", fragte Bodin ins Publikum. Eier sollten die Agenturen haben, denn wie sollten sie sonst Kunden und ihre Marken lenken können.


Auch intern sei dies angesagt: Nur mit der Richtigen Haltung sei es möglich, die vielen talentierten Frauen nicht zu verlieren. Bislang würde dies offensichtlich nicht passieren, das zeige die geringe Zahl von ihnen an der Spitze von Agenturen. Nur wenn sich die Dienstleister selbst transformieren würden, wofür sie aktuell wohl noch nicht ausreichend in der Lage seien, könnten sie die richtigen Partner für Auftraggeber sein, die sich selbst mitten im Transformationsprozess befinden. ems

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