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Bücher lesen macht Kinder schlauer

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Die Fähigkeit zu lesen ist eine Schlüsselkompetenz, die in der Kindheit entwickelt wird. Ein kompetenter, flüssiger Leser zu sein, ist sowohl für die Teilnahme an der modernen Gesellschaft (OECD, 2010) als auch für den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt (Chiswick, Lee, & Miller, 2003; Quintini, 2014) von entscheidender Bedeutung. Die Forscher der spanischen Studie, der dieser Beitrag zugrundeliegt, kommen aber zum Schluss, dass sich die empfohlene Lesezeit für Kinder auf die Zeit konzentrieren sollte, die sie mit dem Lesen von Büchern verbringen, und nicht auf anderes Material.

Ausgangslage

Eltern, Lehrer und Erzieher versuchen unter anderem, die Lesefähigkeit junger Menschen zu fördern, indem sie sie dazu bringen, ihre Fähigkeiten zu üben. Aber spielt es eine Rolle, was junge Menschen für ihre kognitive Entwicklung zum Lesen wählen? Bringt das Lesen von Comics, Zeitungen und Zeitschriften den gleichen Nutzen wie das Lesen von Büchern? Oder spielt es keine Rolle, was die Jugendlichen lesen - solange sie etwas lesen? Leider gab es bisher relativ wenige groß angelegte quantitative Untersuchungen zu diesem Thema. Daher wissen wir derzeit wenig darüber, ob das häufige Lesen einer Textart (z.B. Bücher) vorteilhafter ist als das häufige Lesen einer anderen (z.B. Zeitungen).

Ziel der Studie

Das Ziel dieser Arbeit war es, neue Erkenntnisse zu diesem Thema beizutragen, indem einzigartige Daten aus der größten Region Spaniens aus der Längsschnittzählung verwendet werden. Während frühere Forschungen in diesem Bereich meist auf Querschnittsdaten basierten (z.B. Jerrim & Moss, 2018), verfolgen diese Daten eine große Anzahl von Kindern über einen Zeitraum von drei Jahren (zwischen 10-11 und 13-14 Jahren) und umfassen umfangreiche Kontrollen für frühere Leistungen, elterliche Leseeinstellungen und -aktivitäten, das elterliche Engagement für die Bildung ihres Kindes sowie die Einstellung und das Engagement der Kinder in der Schule.
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Das Lesen von Zeitungen, Comics und Zeitschriften hat keine positiven Auswirkung auf akademischen Erfolg

Folglich konnten die Studienleiter eine Reihe umfangreicher "Mehrwert"-Regressionsmodelle schätzen, was in dieser Literatur relativ selten vorkommt. Dies ist daher eine der ersten Studien, die untersucht, wie das Lesen verschiedener Textarten mit dem akademischen Fortschritt junger Menschen zusammenhängt. Die Ergebnisse liefern weitere Belege dafür, dass es nicht nur darauf ankommt, ob junge Menschen lesen oder nicht - sondern auch darauf, was sie lesen. Wie einige frühere Untersuchungen zeigen, finden wir nur wenige Hinweise darauf, dass das Lesen von Zeitungen, Comics und Zeitschriften positive Auswirkungen auf die akademischen Leistungen junger Menschen hat. Der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der Kinder diese Art von Texten lesen, und ihren Ergebnissen in einem Test zur spanischen Sprache ist schwach und oft statistisch unbedeutend, wenn die wichtigsten potenziellen Störfaktoren erst einmal kontrolliert wurden.

Das Lesen von Büchern korreliert stark mit akademischem Erfolg

Im Gegensatz dazu ist der Zusammenhang zwischen dem Lesen von Büchern/Romanen und dem akademischen Fortschritt junger Menschen in der Schule ziemlich stark. Selbst nach der Kontrolle einer großen Bandbreite potenzieller Störfaktoren (einschliesslich umfangreicher Messungen früherer Leistungen, des familiären Hintergrunds, der elterlichen Lesehaltung und -aktivitäten, des elterlichen Engagements für die Bildung ihres Kindes und der Einstellung und des Engagements der Kinder gegenüber der Schule und den schulischen Fix-Effekten) erzielen Teenager, die jeden oder fast jeden Tag Bücher lesen, weiterhin etwa 0,22 Standardabweichungen in Spanisch-Sprachtests als diejenigen, die nie oder fast nie Bücher lesen.

Bücherlesen beeinflusst auch Leistungen in Mathematik positiv

Die Analyse liefert auch einige Hinweise auf Spillover-Effekte, wobei das häufige Lesen von Büchern (aber nicht anderer Textarten) auch mit akademischen Fortschritten in der Mathematik in Verbindung gebracht wird. Natürlich sollten diese Ergebnisse im Zusammenhang mit den Einschränkungen dieser Studie und der Notwendigkeit weiterer Forschung interpretiert werden.

Vier Einschränkungen, was die Verbindlichkeit der Studie anbelangt

Erstens: Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, ob die Ergebnisse, die gefunden wurden, auch für Kinder in jüngeren Jahren Gültigkeit haben - etwa wenn die Kinder zum ersten Mal selbständig lesen. Es ist plausibel, dass verschiedene Textarten (z.B. Comics und Zeitschriften) zu diesem Zeitpunkt im Leben der Kinder mehr positive (oder negative) Vorteile haben. Die Feststellung, ob dies der Fall ist, ist daher eine Schlüsselrichtung für die zukünftige Forschung. Zweitens: Obwohl eine Vielzahl potenzieller Störfaktoren kontrolliert wurden, bleibt das Forschungsdesign entwicklungsfähig. Der nächste Schritt, der erforderlich ist, ist daher der Übergang von Beobachtungen zu gross angelegten experimentellen Forschungsdesigns. Dies würde es ermöglichen, die Kausalität besser zu etablieren. Drittens: Dieser Report versucht, den allgemeinen Zusammenhang zwischen dem Lesen verschiedener Textarten und dem Bildungsniveau der Kinder abzuschätzen. Mit den derzeit verfügbaren Daten war es nicht möglich, die potenziellen Mechanismen zu untersuchen, durch die eine solche Assoziation auftritt. Künftige Arbeiten in diesem Bereich sollten versuchen, die Mechanismen, durch die ein offensichtlicher "Fiktionseffekt" entsteht, zu untersuchen und zu identifizieren. Viertens: Schliesslich wurde die Analyse innerhalb einer bestimmten Region in Spanien durchgeführt. Obwohl die Forscher argumentieren, dass die Fülle der von ihnen analysierten Daten wahrscheinlich bedeutet, dass die Studie eine größere interne Validität hat als ein Grossteil der früheren Studien, ist sie in Bezug auf die externe Validität schwächer - da sie nur in einer bestimmten Region Spaniens durchgeführt wurde. Die Forscher sind daher der Meinung, dass es für andere Forscher, die die Ergebnisse unter Verwendung ähnlich reichhaltiger Daten in anderen nationalen Kontexten replizieren, von erheblichem Nutzen wäre.

Junge Menschen ermutigen, sich hinzusetzen und ein gutes Buch zu lesen

Die Studie hat trotz der genannten Einschränkungen neue Beweise dafür geliefert, dass das, was Kinder lesen, für ihre kognitive Entwicklung von Bedeutung ist. Dies hat potenziell wichtige Auswirkungen auf Eltern, Lehrer und die Bildungsgemeinschaft im Allgemeinen. Die Ergebnisse haben deutlich gemacht, wie wichtig es in einer zunehmend digitalen Welt ist, dass junge Menschen ermutigt werden, Zeit zu finden, sich einfach hinzusetzen und ein gutes Buch zu lesen. Andere, weniger komplexe und weniger ansprechende Formen des Lesens werden wahrscheinlich nicht den gleichen Nutzen für ihre kognitive Entwicklung bringen und sollten nicht als Teil ihrer "Lesezeit" angerechnet werden. Dies ist wahrscheinlich besonders wichtig für Personen mit geringen Leistungen, bei denen die Assoziation wahrscheinlich am stärksten ist.


Ein Abstract zur Studie erschien im Journal Oxford Review of Education.
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