Farner

Von Big Ideas für Big Mac zu Big Ideas für Farner? Bruce Roberts im Gespräch.

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© Bruce Roberts
Mit der Verpflichtung von Bruce Roberts, einem der erfolgreichsten Kreativen der Schweiz, untermauert Creative Director Philipp Skrabal seine Ambitionen, Farner als eine führende Kreativagentur zu positionieren. Wer ist der Schweizer Werber mit Südafrikanischen Wurzeln? 

Wie fühlen Sie sich? Es ist schön, umworben zu sein aber ich muss eines klarstellen. Ich hatte das Glück, im Verlaufe meiner Karriere mit den talentiersten Menschen arbeiten zu dürfen. Egal, ob Texter, Fotograf, Regisseur, Strategist, Berater, Data Specialist, Technology Guru und vorallem - KUNDEN. Ohne all sie wäre mein Weg nicht möglich gewesen.



Bruce Roberts, wir kennen uns aus gemeinsamen Zeiten bei Publicis. Es waren sehr erfolgreiche Zeiten. Wie sehr hat sich die Branche seither, also in den letzten zehn Jahren, verändert? In meinen Augen hat sich aus kreativer Sicht nicht viel verändert. Dem Prozess wurden neue Disziplinen hinzugefügt. Ich denke an das Storytelling und die Datenanalysen. Aber es gibt auch mehr Touchpoints und engere Deadlines, die bezeichnend sind. Aber wenn man eine gute kreative Idee hat, funktioiert sie übrerall.

Wieviel kostest ein Big Mac in Südafrika? Umgerechnet 2 Franken.


Wann waren Sie zuletzt da? Vor etwa einem Jahr. Und ich gehe im Februar zurück meine Familie besuchen.

Hat man in Ihrem Heimatland Notiz von Ihrer auch international ausgezeichneten „50 Years of Big Mac“-Kampagne genommen? Da die Kampagne mit Illustratoren und Designern aus der ganzen Welt produziert wurde, arbeitete ich mit einigen sehr talentierten Südafrikanern an der Kampagne.

Was davon, also vom Südafrikanischen, steckt in Ihnen, was Ihnen als Werber zugute kommt? Südafrika war schon immer ein Land hart arbeitender Menschen, die offen für Neues sind. Sie haben keine Angst, Dinge voranzutreiben, und das Erstaunliche ist, dass die Menschen um dich herum wirklich hilfsbereit sind, auch wenn das Leben nicht immer einfach ist. Das ist wahrscheinlich etwas, das bei mir geblieben ist. Offen bleiben und den Menschen nach Möglichkeit helfen, das zu erreichen, was sie erreichen wollen. Und immer positiv bleiben.

Welches ist die Kampagne, auf die Sie am meisten Stolz sind und weshalb? Ich bin stolz auf eine Menge Arbeiten, an denen ich beteiligt war. Aber McDonald's war schon besonders. Und wissen Sie wieso? Weil der Kunde und die Konsumenten ebenso begeistert waren von der Arbeit, wie wir von der Agentur. Was will man mehr?

McDonald's: Jubiläumskampagne 50 Jahre Big Mac


Was sind nun Ihre ersten Eindrücke, jetzt bei Farner, einer Agentur, deren Kreativsparte noch relativ jung ist?

Ich sehe hier eine grosse Chance für meine persönliche Entwicklung. Farner ist historisch enorm stark in Public Realations und seit Philipp Skrabal hier ist, hat auch die Qualität der kreativen Arbeit stark zugenommen. Mein Background, kombiniert mit Philipps Ambitionen und all dem, was Farner zu bieten hat, ist es nun der perfekte Ort für mich. Erlauben Sie mir es so zu sagen: Ich bin wie ein Kind, das das erstaunlichste Spielzimmer aller Zeiten betreten hat. Es hat alles, was dein Herz begehrt. Alles, was du tun musst, ist, mit all den anderen tollen Kindern in diesem tollen Spielzimmer zu spielen, und gemeinsam ganz grossen Spass haben. Spass an der Arbeit ist der wichtigste.

Gemäss Philipp Skrabal, Ihrem neuen Chief Creative Officer (CD), sind Sie besonders stark darin, disziplinenübergeifende Kreativkonzepte zu entwickeln. Was zeichnet solche Konzepte aus? Gemeint sind Kreativkonzepte, auch Big-Ideas genannt, die breit orchestriert über alle Kanäle gedacht sind. Vom Agendasetting über die klassischen Medien, bis hin zur Frage, wie mit Social Media Leads generieren.

Können Sie uns ein Beispiel nennen dafür? Da fallen mir jetzt spontan zwei aktuelle Kampagnen von Farner ein. Für Julius Bär "How we invest today is how we live tomorrow". Die Kampagne verbindet das Formel E Engagement mit dem Markenkern. Oder "Made Visible", eine von Farner für den TCS kreierte Lifestyle-Marke für Unfallprävention im Langsamverkehr.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten an die Werbeauftraggeber, welchen? Ich wünschen mir, dass die Unternehmen mutiger und neugieriger werden. Neue Ansätze und Kanäle ausprobieren und aus den Resultaten lernen. So kommen wir alle weiter - die Brands, die Agenturen und vor allem auch die Konsumenten.

Sie sind Mitglied des Art Directors Club Schweiz. Wo sehen Sie seine Verdienste? Der ADC ist ein wichtiger Bestandteil im Leben aller Kreativen. Natürlich gilt das für diejenigen, die sich an den Besten messen wollen. Er ist ein Massstab für uns alle. Der grösste Nutzen, den ich sehe, ist, wie der Club versucht, die jungen Leute für Werbung zu begeistern. Unsere Branche bietet ein so spannendes Berufsumfeld, obwohl sich ja viele Werber Sorgen um die Zukunft machen. Wir durchlaufen akutell einen Zyklus aber wir müssen nur offen sein für die Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Welchen Wunsch haben Sie an den Nachwuchs? Haben es die jungen drauf? Ja. Sehr sogar. Sie sind es, die herausfinden werden, wie wir in Zukunft Werbung machen müssen. Ich muss mir nur meine Kinder ansehen und wie sie heute Medien konsumieren. Wenn du es jeden Tag lebst, werden die Lösungen kommen. Und ich weiss, dass sie fantastisch sein werden, und wir werden sie ansehen und sagen: „Warum habe ich nicht daran gedacht?“

Worin sehen Sie die grösste Herausforderung für die Werbeagenturbranche? Wir leben jetzt in einer sehr integrierten Welt. Wir müssen akzeptieren, dass sich die Dinge ändern. Je früher wir das tun, desto besser wird es für uns alle sein. Wir müssen auch herausfinden, wie wir mit all den neuen Herausforderungen umgehen wollen, mit denen wir konfrontiert werden. In der Zeit von Data, Fakenews und Privatsphäre müssen wir sicherstellen, dass wir den richtigen Weg finden, um uns mit den Menschen zu verbinden. Ist das nicht ein Wahnsinnsbriefing? 

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