Fall Spiess-Hegglin

Presserat bedauert Löschen von "Blick"-Artikeln - Ringier schießt zurück

Stellungnahme des Schweizer Presserats
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Stellungnahme des Schweizer Presserats
Das Präsidium des Schweizer Presserats bedauert die Löschung von über 200 "Blick"-Artikeln aus der Schweizer Mediendatenbank (SMD) durch den Ringier-Konzern. Dieser "willkürliche Eingriff in die Archivfreiheit" verfälsche das Bild dessen, was Schweizer Medien zum Fall Spiess-Hegglin/Hürlimann publizierten, heisst es in einer Mitteilung vom Montagnachmittag. Damit auch spätere Generationen ein getreues Bild erhalten, müsse ein Archiv möglichst vollständig sein. "Die SMD hat daher die zentrale Aufgabe, die Gesamtheit der zu ihrem Sammelfeld gehörenden Objekte aufzubewahren. Nur so wird ein Archiv zum wahrhaften historischen Gedächtnis", so das Presseratspräsidium.


Institutionell müsse daher sichergestellt sein, dass die SMD Dokumente nur im absoluten Ausnahmefall löscht, etwa auf Gerichtsbeschluss. Der Presserat rügt: "Dass Drittelseigner Ringier (neben Tamedia und SRG) eigenmächtig einen ganzen Themenkomplex entfernen lässt, geht nicht an". Denn die Mediendatenbank sei kein beliebiges Firmen- oder Privatarchiv. Selbst in einem Firmenarchiv wäre ein solches Unterdrücken von Artikeln fragwürdig.

Der Stein des Anstosses: Eine Klage der ehemaligen Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin wegen Persönlichkeitsverletzung. Ringier soll vor der Gerichtsverhandlung fast alle "Blick"-Beiträge über Spiess-Hegglin aus der Schweizer Mediendatenbank entfernt haben.


Ringier hat nun die Veröffentlichung des Presserats scharf kritisiert: „Der Presserat mischt sich in die Angelegenheiten der SMD ein. Er erklärt das SMD-Archiv zur historischen Quelle und will den Eigentümern der Artikel vorschreiben, wie sie mit ihrem Eigentum umzugehen haben", erkärt Ringier-Sprecher René Beutner. "Es ist für uns nicht verständlich, dass der Presserat meint, er könne geschäftlich begründete Entscheidungen von Urheberrechtsinhabern kritisieren." Die SMD sei eine private Aktiengesellschaft, weswegen weder sie noch deren Aktionäre dem Presserat Rechenschaft schuldig seien. Auch für eine wie auch immer geartete Wahrung einer „historischen Wahrheit“ sei der Presserat nach Ansicht Ringiers nicht zuständig. Auch liege er falsch, wenn er meint, nur gerichtliche Entscheidungen dürften für eine Löschung ausreichen. Beutner erklärt: "Für uns als Unternehmen ist die Löschung die logische Reaktion auf die angedrohte Gewinnherausforderung in einem Gerichtsfall. Durch die Löschung ist sichergestellt, dass sich die allfällige Gewinndiskussion auf einen genau begrenzten Zeitraum beschränken würde.“
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