Eventmarketing

"Digitalisierung schadet der Branche nicht, sie fördert sie"

Nadja Kahn, Inhaberin von KahnEvents, über Trends in der Eventbranche
© KahnEvents
Nadja Kahn, Inhaberin von KahnEvents, über Trends in der Eventbranche
Die Vermittlung von Inhalten und Mehrwerten prägt zunehmend das Eventmarketing. Das ist eine Botschaft von Nadja Kahn. Die Unternehmerin veranstaltet seit über 15 Jahren Events in der Schweiz und in Deutschland. HORIZONT SWISS hat mit ihr über die großen Veränderungen in der Branche, die Trends und die Unterschiede zwischen den Ländern gesprochen.
Daheim ist Nadja Kahn in Hamburg. Beruflich unterwegs ist sie in Deutschland und in der Schweiz. Mit ihrer Firma KahnEvents und ihrem Team entwickelt und betreut sie seit über 15 Jahren als Unternehmerin Veranstaltungen unterschiedlichster Art. HORIZONT SWISS hat mit ihr darüber gesprochen, wie die Digitalisierung die Eventbranche verändert, welche Trends kommen und welche Unterschiede es zwischen Schweizern und Deutschen gibt.



Frau Kahn, Sie arbeiten seit 1995 in der Eventbranche, haben seit 2003 ihr eigenes Unternehmen und arbeiten unter anderem für Kunden aus der Schweiz und Deutschland. Wie hat sich die Branche grundsätzlich verändert? Die Event-Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die größte Zäsur stellt sicherlich das Thema Compliance dar. Seit den großen Skandalen rund um extrem luxuriöse Events Anfang der 2000er Jahre stehen Incentives unter einem Generalverdacht. Heutzutage muss man viel genauer begründen, was man genau veranstaltet, mit welchem Ziel, was bei dem Event passiert und wen man einlädt.
„Events haben heute noch den gleichen Stellenwert wie vor 15 Jahren. Die Begegnung zwischen Menschen, das vielzitierte Netzwerk entscheidet immer noch über den Business-Erfolg.“
Nadja Kahn, KahnEvents

Bremst Sie das in den eigenen Aktivitäten? Ich sehe es positiv, dass es inzwischen Regularien gibt, an die sich Unternehmen und Agenturen halten können. Beispielsweise dass Einladungen nicht im direkten Zusammenhang mit Kaufabschlüssen stattfinden dürfen. So besteht keine Unsicherheit darüber, was vielleicht bestimmte Grenzen des Anstands oder guten Geschmacks überschreiten könnte. Auch für die Gäste ist es so einfacher geworden, guten Gewissens einer Einladung zuzusagen. Ein weiterer positiver Aspekt dieser Entwicklung: Es geht zunehmend um die Vermittlung von Inhalten. Die Veranstaltungen wandeln sich vom Entertainment zum Infotainment. Es geht mehr und mehr darum, dem Gast einen Mehrwert zu bieten – und zwar inhaltlich, nicht in Form von Give-away-Tütchen am Ausgang.

Also haben Events im Marketingmix immer noch ihren Stellenwert? Events haben heute noch den gleichen Stellenwert wie vor 15 Jahren – nur die Budgets pro Event sind geringer und dafür die Komplexität höher. Die Begegnung zwischen Menschen, das vielzitierte Netzwerk entscheidet immer noch über den Business-Erfolg. Aber ein Faktor der viel stärker unser Geschäft stark beeinflusst, ist die Konjunktur. Wenn die Wirtschaft einen Schnupfen hat, hat die Eventbranche eine Grippe. In schwierigen Zeiten sparen Unternehmen leider zu allererst an Veranstaltungen.
„Je digitaler unsere Arbeitswelt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach persönlichen Begegnungen. Die Digitalisierung schadet der Branche nicht, sie fördert sie. “
Nadja Kahn, KahnEvents
In der Marketingszene wird auch deshalb viel über Transformation gesprochen. Wie wirkt sich die Digitalisierung und die neuen Interaktionsmöglichkeiten auf die Eventbranche aus? Durch den digitalen Wandel haben sich unsere Möglichkeiten für Veranstaltungen immens erweitert. Streaming bedeutet eine höhere Reichweite, Virtual und Augmented Reality schaffen Welten in ungeahnter Plastizität. Vor zehn Jahren haben viele geglaubt, die digitale Konferenztechnik würde Events überflüssig machen. Das Gegenteil ist der Fall. Je digitaler unsere Arbeitswelt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach persönlichen Begegnungen. Die Digitalisierung schadet der Branche nicht, sie fördert sie. Emoticons sind am Ende eben doch nicht emotional. High Tech erfordert High Touch. Menschen wollen sich in die Augen schauen, Hände schütteln und vielleicht sogar umarmen.



Bei aller Emotionalität: Wie wichtig ist es eine möglichst große Reichweite über Social-Media zu erreichen – die berühmte Verlängerung eines Events? Natürlich spielt heutzutage auch eine Berichterstattung in den sozialen Medien eine wichtige Rolle für Events, um auch Menschen zu erreichen, die nicht persönlich vor Ort waren. Aber das hat es auch früher schon gegeben, wenn die Veranstalter mit ihren Events eine Berichterstattung in den klassischen Medien erzielen wollten. Die Emotionen stehen bei Veranstaltungen nach wie vor im Vordergrund. Keine andere Form der Kommunikation kann meines Erachtens diese Intensität an Gefühlen erzeugen. Tränen der Rührung, herzhaftes Lachen, kindliches Staunen und grenzenlose Begeisterung – ein guter Event-Planer kann diese Emotionen alle hervorzaubern, selbst bei vermeintlich ganz abgebrühten Menschen. Am Ende bleibt das nachhaltige Gefühl, bei etwas ganz Besonderem dabei gewesen zu sein. Aber eben erlebt zu haben, und nicht darüber gelesen zu haben.
„Ausgefallene Locations, gute Speisen und Getränke sowie vor allem der Austausch miteinander stehen in beiden Ländern gleichermaßen im Vordergrund“
Nadja Kahn, KahnEvents

Welche Veränderungen erwarten Sie in den kommenden fünf Jahren? Ein Trend ist immer mehr spürbar – dieser lautet "Back to the roots". Das betrifft regionale Produkte, Nachhaltigkeit ebenso wie die Auswahl von Destinationen. In Zeiten der Digitalisierung spüren immer mehr Menschen den Bedarf nach echtem Kontakt mit Menschen und auch der Natur. "Waldduschen", rustikale Picknicks, Family Style – all das zeigt einen Schritt in Richtung retro.

Gibt es Unterschiede zwischen Auftraggebern aus der Schweiz und Deutschland? Nein, beide sind gleichermaßen anspruchsvoll und erwarten kreative Lösungen mit perfekter Umsetzung ...


.... und den Gästen auf den Events? Auch hier können wir keine Unterschiede feststellen, eher Gemeinsamkeiten. Ausgefallene Locations, gute Speisen und Getränke sowie vor allem der Austausch miteinander stehen in beiden Ländern gleichermaßen im Vordergrund. mir
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