Channel

Das Motto von Farmy - derzeit so passend wie nie
Farmy / Screenshot
E-Commerce

Warum bei Farmy die Bestellungen rasant wachsen

Das Motto von Farmy - derzeit so passend wie nie
Home Office, ein veränderter Marketingmix und mehr Bestellungen. Das Coronavirus verändert auch das Arbeiten und die Prozesse bei Farmy.ch. Ein exklusives Gespräch mit CMO Florian Laudahn über Veränderungen in der Kommunikation bei dem E-Food-Anbieter, den Schutz von Mitarbeitern und Kunden, die nicht nur Toilettenpapier kaufen wollen.
von Michael Reidel Donnerstag, 19. März 2020
Alle Artikel
X
Hallo Herr Laudahn, wo erreiche ich Sie denn gerade – im Büro oder im Homeoffice?
Florian Laudahn: Ich bin im Home Office.


Da dürften Se nicht der Einzige sein. Wie viele Farmy-Kollegen arbeiten so?
Wir haben bei Farmy rund 90 Mitarbeitende und haben alle nach Hause geschickt, die nicht unmittelbar in unseren beiden Hubs in Zürich und Lausanne für den Betrieb gebraucht werden. Beispielsweise die Kollegen aus Operations sind natürlich weiter vor Ort in den Hubs tätig.


Wie läuft die Zusammenarbeit in einem virtuellen Marketingteam?
Gut. Wir sind acht Leute, die quer durch alle Kanäle alles im Marketing stemmen. Wir machen jeden morgen unsere Telefon- oder Videokonferenz, in der wir uns abstimmen und die Aufgaben besprechen, der Rest läuft über Slack und Jira. Bei uns sind, ausser drei Freelancern, keine Dienstleister wie Agenturen etc. an Bord, dadurch sind die Abstimmungswege auch sehr kurz und agil. Und bei Bedarf helfen wir auch in anderen Abteilungen wie etwa bei der Kundenbetreuungaus, wenn Not am Mann oder der Frau ist.
Florian Laudahn, CMO von Farmy
© Farmy
Florian Laudahn, CMO von Farmy

Hat Farmy den Schutz für die Mitarbeitenden, die nicht daheim arbeiten, erhöht?
Wir verkaufen Lebensmittel. Daher haben wir auch ohne Corona sehr strenge Regeln zu Hygiene und Schutz der Kollegen. Trotzdem haben wir die Anforderungen nochmals erhöht. Es gilt beispielsweise die Abstandsregel. Wenn sich ein Mitarbeitender morgens nicht gut fühlt, ist er verpflichtet, daheim zu bleiben und  seinen Teammanager zu informieren. Darauf machen wir alle Kollegen jeden Tag aufs Neue aufmerksam. Wenn unsere Kuriere die bestellte Ware ausliefern, klingeln sie an der Türe und treten sofort zurück. Wir halten also auch hier den geforderten Mindestabstand ein. Unter Umständen muss der Kollege aber auch gar nicht warten, bis der Kunde die Türe öffnet – auf Wunsch liefern wir auch völlig kontaktlos.



Warum? Bei der Bestellung können Kunden angeben, dass der Kurier nur klingeln und die Ware vor der Tür deponieren soll. Dann gibt es zwischen den beiden Personen keinen Kontakt.
„In Zeiten, in denen die Menschen verstärkt daheim sind und wir eine verstärkte Nachfrage haben, wollen wir weg von einer Angebotskommunikation hin zu viel mehr Aufklärung und Storytelling.“
Florian Laudahn, Farmy

Wie läuft das dann mit der Bezahlung?
Bei der Bezahlung sind wir seit Beginn an grundlegend digital. Der Kunde zahlt beispielsweise per Paypal, mit der Kreditkarte oder per Rechnung. Unsere Kuriere nehmen also kein Geld und keine Karte oder Lesegerät in die Hand – auch hier wird also der direkte zwischenmenschliche Kontakt vermieden.


Bei Farmy nimmt der Kurier bisher aber im direkten Kontakt zum Kunden eine wichtige Rolle als Markenbotschafter an. Ist das auf Dauer ein Risiko, wenn der Kollege nur anliefert und dann verschwindet?
Das stimmt: Bei uns ist der Kurier Teil des Markenauftritts und der Kontakt zum Kunden ist unser stärkster USP. Unsere Wettbewerber liefern teilweise noch mit der Post aus. Wenn aber jetzt eine steigende Zahl von Kunden sagt  „bitte nur klingeln“, dann verändern wir unsere Strategie. Wir gleichen den fehlenden Kontakt aus, indem an anderer Stelle die Kontaktchancen erhöhen. Beispielsweise schreiben wir jetzt mehr Mails und versorgen die Kunden so mit Inhalten. Viele Kunden schreiben uns auch teils lange E-Mails zurück oder rufen an. Der Austausch wird insgesamt intensiver.


Verschieben Sie auch Budgets?
Wir haben unser Performance Marketing komplett eingestellt, und verzichten auf Promotions sowie Events. Dafür bauen wir unser digitales, personalisiertes Informationsmarketing noch weiter aus. Wir tauschen gerade komplett unsere bereits geplanten Newsletter aus. In Zeiten, in denen die Menschen verstärkt daheim sind und wir eine verstärkte Nachfrage haben, wollen wir weg von einer Angebotskommunikation hin zu viel mehr Aufklärung und Storytelling. Wir erzählen jetzt noch mehr Geschichten über unsere Produzenten, die zu knapp 70 Prozent in der Schweiz beheimatet sind. Die Gesichter unserer Produkte und Partnern waren schon immer elementar für unsere Marke, in der aktuellen Situation Punkten wir damit umso mehr. Die lokale wirtschaftliche Förderung von kleinen und mittleren Betrieben war uns ja schon immer ein wichtiges Anliegen, das zahlt sich jetzt aus.
„Wir bestehen den Stresstest jeden Tag “
Florian Laudahn, Farmy

Wirkt sich das aus?
Wir haben eine durchschnittliche Verweildauer auf unseren Seiten von drei bis vier Minuten. Das steigert sich sogar jeden Tag ein bisschen, weil die Menschen jetzt Zeit haben. Unsere Bouncerate liegt – bereits seit vor der Pandemie-Situation - unter 7 Prozent. Davon träumen andere nur. Die Menschen beschäftigen sich mit unseren Angeboten, Inhalten und Informationen.


Sie sprachen eben von einer erhöhten Nachfrage ...
... ja, die Bestellungen bei uns nehmen zu. Das liegt daran, dass die Lieferslots der Wettbewerber dicht sind. Die Schweizerinnen und Schweizer sehen sich nach Alternativen um und landen bei uns. Wir gewinnen daher massiv neue Kunden und auch die Wiederbestellrate zieht seit Februar stark an.


Können Sie das etwas konkretisieren?
Wir haben vorgestern in Lausanne den Umsatz von zwei Wochen an einem einzigen Tag gemacht. Und was uns dabei ganz besonders stolz macht: Unsere Produzenten liefern täglich und dies bei enorm gestiegener Frequenz und Menge.  Sie ziehen problemlos weiter mit, in einigen Bereichen auch, weil sie Kapazitäten umschichten, die vorher für die Gastronomie geblockt waren, die jetzt geschlossen sind.

Was kaufen die Schweizer aktuell am meisten ein?
Bei uns verteilt sich das Wachstum erfreulicher Weise und entgegen der aktuellen Berichterstattung aus dem Detailhandel gleichmäßig durch alle Kategorien.  Wir haben im Bereich Bäckerei ein Plus von 306 Prozent, bei  Fleisch & Fisch 343 Prozent, bei Früchte & Gemüse 320 Prozent, bei Milch & Eier haben wir eine Steigerung von313 Prozent, bei der Vorratskammer 430 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf den Vergleichszeitraum von Mitte Februar zu letzter Woche. Die Leute kaufen also nicht nur Toilettenpapier, sondern nutzen die Breite des Sortiments.


Und es gibt keine Probleme mit dem Nachschub?
Nein. Die Versorgung der Menschen ist gewährleistet. Wir haben hierzu kürzlich auch einen Video-Stellungnahme unseres Einkaufs-Leiters Thomas Zimmermann veröffentlicht. Natürlich ist die Gesamtsituation herausfordernd, das bestreitet niemand. Aber wir bestehen den Stresstest jeden Tag und werden so auch weiterhin für unsere Kunden da sein.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats