Digitec Galaxus-CEO im Interview

„Der Platz für ein Premium-Online-Warenhaus ist da“

Florian Teuteberg, CEO Digitec Galaxus
Digitec Galaxus, © Digitec Galaxus
Florian Teuteberg, CEO Digitec Galaxus
Bereits Anfang Oktober vergangenen Jahres kündigte Florian Teuteberg an, die E-Commerce-Plattform Galaxus 2018 nach Deutschland bringen zu wollen. Der „Handelszeitung“ sagte er kürzlich, dass sein Unternehmen in diesem Jahr die Umsatzmarke von einer Milliarde CHF überspringen werde. Nun steht der Angriff auf Amazon, Otto & Co zwischen Flensburg und Lörrach bevor.
Herr Teuteberg, ist der Schweizer Markt ausgeschöpft und sind die Marktanteile verteilt? Oder ist Ihr Deutschland-Abenteuer die Flucht nach vorn angesichts der Amazon-Expansionsstrategie in der Schweiz?
Die Schweiz birgt noch riesiges Potenzial für uns; der Markt ist längst nicht ausgeschöpft. Wir sind aber der Meinung, dass wir ein Angebot haben, mit dem wir uns international messen können. Dass wir dieses Jahr mit Galaxus erstmals über die Schweizer Grenzen hinauswachsen wollen, hat übrigens auch ganz praktische Gründe: Wenn wir mit der Weltspitze mithalten wollen, wird die Entwicklung unserer Online-Plattformen immer aufwendiger. Diese Investitionen nur für den Schweizer Markt zu tätigen, ist wenig sinnvoll. Wenn wir in Deutschland erfolgreich sind, werden wir mit Galaxus in weitere Länder expandieren.


Wie weit sind die Vorbereitungen
Unser Ziel ist es, dieses Jahr live zu gehen. Wir werden Galaxus.de allerdings mit einem Teilbereich unseres in der Schweiz gewohnten Sortiments lancieren. Bezüglich der Produktezahl kommt es vor allem darauf an, wie schnell wir die Angebote der deutschen Lieferanten auf die Plattform bringen können. Einen Einfluss auf den Deutschland-Start hat die Grösse des Angebots nicht. Sobald der Warenfluss funktioniert, gehen wir live.

Der CEO

Florian Teuteberg hat den Elektronikshop Digitec 2001 gemeinsam mit Oliver Herren (CIO von Digitec Galaxus) und Marcel Dobler (für die FDP im Nationalrat) aus der Taufe gehoben. Heute fungiert der 39-Jährige, der an der Technischen Hochschule Rapperswil Maschinenbau studiert hat, als CEO des E-Commerce-Unternehmens.

Gibt es schon einen Geschäftsführer für Galaxus.de?
Der Vertrag mit unserem neuen Deutschland-Geschäftsführer ist unterschrieben, ja. Den Namen geben wir noch bekannt.


Wie viele Mitarbeiter werden Sie in Deutschland beschäftigen?
Wir bauen in Deutschland bis auf weiteres keine grosse Belegschaft auf: Bis Ende Jahr werden dort etwa zwei Handvoll Leute für uns arbeiten. In der Schweiz dürften es bis dahin rund 1300 sein.

Warum ist Hamburg Firmensitz Ihres deutschen Ablegers?
Wir haben uns Berlin und Hamburg angeschaut. Durch unseren COO Johannes Cramer haben wir ein gutes Netzwerk in Hamburg. Ausserdem haben wir in Norddeutschland einen grossen Pool an potenziellen Mitarbeitern geortet. Und nicht zuletzt finden wir in Hamburg viele mögliche Partner für unser Händlerprogramm.

Werden Sie wie in der Schweiz auch stationäre Shops betreiben?
Sicher nicht zum Start. Aber möglich ist grundsätzlich alles.

In der Schweiz rangiert Galaxus mit rund 102 Millionen Euro Umsatz nicht unter den Top Ten der umsatzstärksten Online-Shops. Welche quantitativen Ziele haben Sie sich auf dem deutschen Markt gesetzt?
Bei der Zahl handelt es sich um eine falsche Schätzung eines E-Commerce-Beratungsunternehmens. Wir geben bisher nur unseren Gesamtumsatz als Digitec Galaxus bekannt. Dieser betrug im vergangenen Jahr insgesamt 861 Millionen Franken. Damit sind wir der grösste Onlinehändler der Schweiz – vor Zalando und Amazon. Klar: Digitec ist nach wie vor unsere stärkere Marke, Galaxus holt aber mit grossen Schritten auf.

Okay. Aber können Sie eine Größenordnung nennen?
In den nächsten zwei Jahren geht es uns in Deutschland weniger um fixe Umsatzziele, sondern darum, unser Konzept zu testen und zu schauen, wie gut es in Deutschland ankommt.

Warum sollte ein potenzieller Kunde Galaxus anklicken statt Amazon & Co?
Es gibt in Deutschland eine Lücke für ein Premium-Online-Warenhaus. Also eine Shopping-Plattform mit aufgeräumtem Sortiment und hochwertigem Look and Feel, die dem Kunden besser hilft, den gewünschten Artikel zu finden. Dabei helfen nebst unseren ausgefeilten Filtermöglichkeiten insbesondere auch unsere Kunden selber – und natürlich unsere Redaktion, die mit Artikeln und Videos inspiriert und Produktwissen vermittelt. Und bevor die Frage aufkommt: Wir werden in Deutschland gleich günstig sein wie unsere Konkurrenz – wir werden mit unserem hochwertigen Auftritt aber eben besser rüberkommen.

Digitec Galaxus

Galaxus trat 2012 als Betreiber der Online-Shops Galaxus.ch und Digitec.ch auf den Plan. Im selben Jahr kaufte sich die Migros mit 30 Prozent bei der Galaxus AG ein. Drei Jahre später erhöhte sich der Anteil des Detailhändlers auf 70 Prozent und Galaxus firmierte in Digitec Galaxus um mit dem studierten Maschinenbauer Florian Teuteberg an der Spitze. Der CEO lässt sich die Werbung für die Marke Galaxus durchaus etwas kosten: Allein im März investierte er laut Mediafocus knapp 12 Millionen CHF brutto. Das neue Deutschland-Team für Galaxus.de wächst. Digitec Galaxus hat unter anderem Tobias Quelle-Korting eingestellt. Der neue Head of Product war zuletzt Head of Product für Otto.de. Auf Galaxus.ch findet sich so ziemlich alles von Sportartikeln bis Spielwaren.

Apropos redaktionelle Inhalte: Wer erstellt die Ratgeber- und Erfahrungsberichte und woran messen Sie den Erfolg?
Wir leisten uns ein eigenes, nun 16-köpfiges Editorial Department. Die Redaktoren schreiben ihre Beiträge nah an unserem Sortiment, allerdings nach journalistischen Kriterien. Das heisst: Der unmittelbare Verkauf ist nebensächlich. Unterstützt werden die Redaktoren in-house durch zwei Video-Spezialisten sowie durch externe Blogger. Den Erfolg unserer redaktionellen Inhalte messen wir an der Lesedauer, der Klickrate, der Anzahl Kommentare und den Likes.

Welche Rolle spielt der Community-Gedanke für Ihre Plattform? Wird es ein Community-Management für Deutschland geben?
Wir setzen stark auf die soziale Komponente beim Einkauf: Digitec und Galaxus sind nicht einfach Onlineshops, sondern Informations-, Unterhaltungs- und Interaktionsplattformen, die den Austausch unter den Kunden fördern und unterstützen. Wir gehen da völlig andere Wege als unsere Mitbewerber. Gemessen an der Anzahl Diskussionsbeiträge und Produktbewertungen vereinen wir auf Digitec und Galaxus übrigens die mit Abstand grösste und aktivste Shopping-Community der Schweiz. Das Involvement der Kunden und Besucher werden wir auch bei Galaxus.de ins Zentrum unserer Bemühungen stellen.

Um Ihre Plattform bekannt zu machen, bedarf es erheblicher Investitionen. Was haben Sie kommunikativ geplant und wie viel Geld geben Sie dafür aus?
Wir setzten anfangs auf einen Word-of-Mouth-Effekt. Darüber hinaus können wir noch keine Infos geben.

Inwiefern wird sich die Kommunikationsstrategie an das Schweizer Vorbild – „Wir haben die Produkte, Du das Leben“ – halten?
Die Details sind noch offen. Unsere Markenidentitäten werden in Deutschland aber dieselben sein wie in der Schweiz.

Sie sagen, die Schweizer würden von günstigeren Preisen profitieren. Welche Rolle spielt dabei das neue Logistikzentrum in Weil am Rhein?
Den EU-Hub haben wir in erster Linie für unsere Schweizer Kunden entwickelt. Sie wollen im Ausland einkaufen, wir bauen die bestehenden Hürden für sie ab. Ab EU-Hub landet das Paket innert 24 Stunden in den Briefkästen unserer Kunden. Und sie müssen sich nicht mehr mit der Verzollung und Mehrwertsteuer herumschlagen. Dank unserem EU-Hub können wir Händler aus Deutschland und anderen EU-Ländern anbinden, auch wenn diese in der Schweiz keine Logistik-Infrastruktur haben. Unsere Ambition ist es, die Preise im Schweizer Onlinehandel an das deutsche Niveau anzugleichen: Online-Shopper sollen in der Schweiz nicht mehr bezahlen als in Deutschland. Im Elektronikhandel ist uns dies bereits gelungen. Und mit unserem EU-Hub und der Expansion nach Deutschland machen wir weitere Schritte in diese Richtung.

Profitieren auch die deutschen Kunden?
Natürlich gilt dieses Versprechen auch für unsere deutschen Kunden: Falls wir in der Schweiz tiefere Einkaufspreise haben, profitieren auch unsere Kunden im Ausland davon.

Wie aufgeschlossen sind deutsche Händler für den Verkaufskanal Galaxus.de? Mit welchen Werten punkten Sie – Kunden, Traffic, Provision ...?
Wir spüren ein grosses Interesse im deutschen Handel. Der EU-Hub ist dabei eine unserer Trumpfkarten: Durch die Zusammenarbeit mit uns erhalten die Händlerpartner nicht nur eine Schaufensterfläche auf Galaxus.de, sondern auch auf unseren Schweizer Shops. Damit eröffnen wir ihnen auf einen Schlag einen neuen Ländermarkt. Interview: Uwe Förster
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