Digitalisierung

Mit dieser App lassen sich Identitäten prüfen

   Artikel anhören
Karim Nemr zeigt, wie man die Identität via Smartphone überprüft.
© (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich)
Karim Nemr zeigt, wie man die Identität via Smartphone überprüft.
Das ETH-Spin-off «PXL Vision» hat eine Applikation entwickelt, welche es Unternehmen erlaubt, die Identiät ihrer Kunden schnell zu überprüfen. Damit sollen Prozesse optimiert werden - zum Beispiel das Eröffnen eines Bankkontos.
«Wir bringen Vertrauen in die digitale Welt, indem wir sichere, verifizierte digitale Identitäten ermöglichen», erklärt Karim Nemr die Beweggründe von PXL Vision. Der 34-​Jährige ist einer der Gründer des ETH-​Spin-offs und überzeugt, dass solche Prozesse in Zukunft so zu unserem Alltag gehören könnten wie der Gang zur Kaffeemaschine.


Der Prozess ist simpel, wie Nemr gegenüber der ETH zeigt: Zuerst scannt er Vorder-​ und Rückseite seines Ausweises, dann macht er ein kurzes Selfievideo. Via App lädt er die Dokumente in eine Cloud auf einem zertifizierten Schweizer Server hoch, und das System prüft innert Sekunden, ob das gescannte Dokument und das Video echt sind, ob tatsächlich ein Mensch vor der Kamera steht und ob dieser mit dem Dokument übereinstimmt. Kundinnen und Kunden kommen so sofort und automatisiert zu ihrem Mobil-​Abo oder zu einem Bankkonto. An einen Kundenberater oder an Ladenöffnungszeiten sind sie nicht mehr gebunden. Die Technologie namens «Daego» (von: digitales Alter Ego) unterstützt alle internationalen Reisedokumente, aber auch andere Ausweispapiere wie etwa eine mexikanische Abstimmungskarte, welche im Land als Hauptidentifikationsmittel dient. Denkbar sind auch Anwendungen im privaten Bereich, etwa um einen Babysitter oder eine Nachhilfelehrerin anzustellen. Mit der App von PXL Vision lässt sich rasch überprüfen, ob die Person, die vor der Tür steht, mit derjenigen identisch ist, die sich beworben hat.

Neuer Prozess ist sicherer

Heutige Lösungen zur Identifikation von Personen sehen mindestens eine Interaktion mit einem Menschen vor. «Bei anderen kommerziell erhältlichen Lösungen wird die Verifikation oft über einen Video-​Anruf mit einem Mitarbeiter oder sogar offline in Indien durchgeführt, und zwar von Menschen», sagt Nemr. «Dies ist nicht nur mühselig und teuer, sondern ein grosses Risiko für die Privatsphäre der Nutzer.» Die maschinelle Lösung von PXL Vision sei schneller, genauer, günstiger und sicherer als eine Verifikation durch Menschen.

Das sehen auch die Kunden so: Der Telekommunikationsanbieter Sunrise ist ein Partner der ersten Stunde – trotz anfänglicher Skepsis. «Die Firma hatte erst grosse Bedenken, ob ihre Kunden die neue Technologie akzeptieren», sagt Nemr. «Doch diese Bedenken waren unbegründet. Die Leute haben unabhängig von Alter oder Geschlecht kein Problem damit, sich digital auszuweisen.»


Mit Swiss Sign, Anbieterin der digitalen Identität SwissID, hat PXL Vision einen weiteren wichtigen Partner gewonnen. Und auch die weitere Kundenliste – darunter auch UPC und weitere Mobilfunkanbieter sowie Banken – liest sich wie ein Who-​is-Who der digitalen Vorreiter der Schweiz. «Seit Beginn sind wir selbsttragend und konnten ohne Fremdfinanzierung wachsen», sagt PXL-​Vision-Mitgründer Nemr denn auch stolz.
stats