Digitale Transformation

Wandel braucht Führung

Florian Wassel ist Managing Partner und CEO von Towa
© Towa
Florian Wassel ist Managing Partner und CEO von Towa
Transformation ist im DACH-Raum eines der großen Themen im Marketing. Warum trotzdem jedes Land hier seine Eigenheiten hat und warum Transformation Chefsache sein muss, verrät Florian Wassel, Managing Partner und CEO der Digitalagentur Towa, im exklusiven Gespräch mit HORIZONT SWISS.
Über Transformation wird derzeit viel in der Marketingbranche gesprochen. Das wird auch auf dem Digital Leadership Day von Towa im kommenden Monat (26. September) so sein. Die Digitalagentur mit Standorten in Bregenz, St. Gallen und Wien arbeitet für zahlreiche Kunden in der Schweiz, Österreich und Deutschland. HORIZONT SWISS hat mit Florian Wassel, Managing Partner und CEO, über Veränderungen und Führung in der Transformation gesprochen und darüber, welche Nation Changeprojekte beherzter angeht.



Herr Wassel, die ganze Marketingbranche spricht schon länger über die digitale Transformation, aber trotzdem passieren viele Veränderungen in Unternehmen und Branchen nur zögerlich. Warum eigentlich? In Zeiten der vielzitierten VUCA-Welt* wird alles eben unbeständiger, komplexer und damit letztlich auch weniger planbar. Unternehmen sind umgekehrt aber besonders dann erfolgreich gewesen, wenn sie Risiken gut gemanaged haben. Diese beiden Dynamiken führen nun vielerorts zu einer Art Schockstarre, bei der man Angst hat, Fehler zu machen und lieber redet, als umsetzt.
Gut zu wissen*
VUCA steht für die Begriffe volatility ‚Volatilität‘, uncertainty ‚Unsicherheit‘, complexity ‚Komplexität‘ und ambiguity ‚Mehrdeutigkeit‘ und beschreibt schwierige Rahmenbedingungen für die Unternehmensführung.
Sie haben das Glück sowohl in Österreich, Schweiz und Deutschland aktiv zu sein. Wer transformiert beherzter? Ob man den Willen zur Transformation an der Nationalität ablesen kann, wage ich zu bezweifeln.

Sie dürfen sich ruhig trauen. Wir sind unter uns. Das muss man differenzierter beantworten. Der deutsche Markt ist – auf nationaler Ebene betrachtet - natürlich aufgrund des Wettbewerbs tendenziell fortgeschrittener und größer. Vor diesem Hintergrund tun sich die Unternehmen hier tendenziell leichter. Schweizer und österreichische Unternehmen sind hingegen aufgrund des kleinen Heimatmarktes früh gezwungen, zu internationalisieren und wendiger als große Konzerne. Alle drei haben Vor- und Nachteile. Am Ende müssen alle dieses Thema einfach ernsthaft angehen.
„In Zeiten des Wandels ist diese Transformation per Definition Chefsache. Wer dem nicht nachkommt, macht seinen Job nicht richtig. “
Florian Wassel, Towa
Die Transformation wird auch Ihren Digital Leadership Day kommende Woche bestimmten. Was hat Transformation mit Führung zu tun? Das eigene Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, ist der generische Auftrag von Führung – dafür werden Topmanager/innen letztlich bezahlt. In Zeiten des Wandels ist eben genau diese Transformation deshalb per Definition Chefsache. Wer dem nicht nachkommt, macht seinen Job nicht richtig. Niemand würde die Unternehmensstrategie ernsthaft an die 3. Ebene delegieren in der Hoffnung, ein Uniabsolvent führt das Unternehmen sicher in die Zukunft.
„Ich denke, dass die Zeiten der Inspiration vorbei sind. Jetzt geht es ums Tun.“
Florian Wassel, Towa
Trotzdem hört man immer wieder, dass Topmanager nur zögerlich, wenn überhaupt, Entscheidungen. Warum ist das so? Ein Teil ist einfach sehr gut darin, Risiken zu managen. Diese Charaktere werden sich schwer tun. Dann gibt es jene, die gestalten und treiben. Allerdings fehlt hier Vielen die inhaltliche Tiefe in den Themen. Sie sind schlichtweg zu nah am operativen Tagesgeschäft und zu wenig an den neuen Themen dran. Jede/r Topentscheider/in sollte sich kritisch fragen, wie viel Zeit er oder sie sich mit der Zukunft beschäftigt, um in der Lage zu sein, gute und zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.


Was passiert, wenn in der Transformation ein Sowohl-als-auch-Kurs gefahren wird? Ich glaube ganz stark an das Konzept der "ambidextrous organization" – sprich die Beidhändigkeit von Organisationen. Denn wir Digitalen sollten mal nicht vergessen, wo die ganzen Budgets herkommen, die wir in Innovationen stecken. Das bewährte Kerngeschäft ist vielerorts noch immer Ertragsbringer. Und dennoch müssen sich Unternehmen stets neu erfinden und weiterentwickeln. Und hier steht eben derzeit die Digitalisierung im Vordergrund.

Das ins Bewusstsein zu rücken, ist auch Ziel der Veranstaltung? Genau. Wir möchten sensibilisieren und provozieren. Vor allem aber in die Tiefe gehen. Ich denke, dass die Zeiten der Inspiration vorbei sind. Jetzt geht es ums Tun, denn nur so kommen Unternehmen zum wirklichen Erkenntnisgewinn. Da werden Powerpoint Schlachten nicht reichen.
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