Die Meinung der Manager

"Wichtig ist, dass wir sehr schnell auf das ,New Normal' reagieren"

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Thomas Städeli (Jahrgang 1969) hat Neue Medien in Vancouver studiert und ist Chef von Wirz Brand Relations
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Thomas Städeli (Jahrgang 1969) hat Neue Medien in Vancouver studiert und ist Chef von Wirz Brand Relations
Trotz der Lockerungen hat Covid-19 die Branche fest im Griff. Doch wie geht es weiter? HORIZONT Swiss hat verschiedene Topentscheider um ihre Einschätzungen gebeten. Die Meinung der Managerinnen und Manager veröffentlichen wir mit den kompletten Aussagen in einer Serie. Heute bezieht Thomas Städeli, CEO der Wirz-Gruppe, Position.
Corona hat die Schweizer Wirtschaft schwer gebeutelt. Wie werden sich Ihrer Meinung nach Ihre Honorarumsätze für 2020 entwickeln?
Im Bereich Branding ist zeitlich befristetes Projektgeschäft die Regel, langjährige Mandatsbetreuung eher die Ausnahme. Entsprechend hoch ist jeweils der Neugeschäftsanteil in unserer Jahresplanung. Sie können sich vorstellen, wie herausfordernd für uns die momentane Situation ist, in der neue Projekte tendenziell zögerlich vergeben oder gleich ganz auf später verschoben werden. In den ersten Wochen des Lockdowns hatte das für uns zwar kaum spürbare Auswirkungen, aber das zweite Halbjahr dürfte mit deutlich mehr Unsicherheit verbunden sein. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass sich viele Markenverantwortliche genau in solchen Situationen die Zeit nehmen, ihre Marke, wie sie positioniert und aufgestellt ist, zu hinterfragen und den neuen Gegebenheiten anzupassen. Dabei stehen wir ihnen als Partner gerne zur Verfügung.


Welche Themen sind jetzt und in den kommenden Monaten für Sie wichtig?
Wir glauben fest daran, dass diese Krise – wie auch andere Krisen zuvor – als Auslöser und Beschleuniger der Transformation wirkt. Wichtig ist für uns darum, dass wir sehr schnell auf das "New Normal" reagieren, uns selber weiterbewegen, geplante Projekte und Entwicklungen noch schneller realisieren und dass wir das alles mit einer extragrossen Portion Mut und Freude an unserem Job tun. Was uns der Ausnahmezustand der vergangenen Wochen zudem verdeutlicht hat, ist, dass die Reaktionsfähigkeit von Marken matchentscheidend für ihren Erfolg ist. Agile Branding-Systeme, die auf starken Prinzipien statt hoher Regeldichte aufbauen, Markenkompetenz in der Organisation und intelligente Tools für ein zeitgemässes Markenmanagement sind dabei zentrale Faktoren.

Gibt es eine positive Erfahrung, die Sie aus dem Lockdown mitnehmen?
Selbstverständlich, da gibt es gleich mehrere. Es war toll mitzuerleben, wie schnell unsere Agentur, unsere ganze Organisation auf die Situation reagieren konnte und innerhalb von wenigen Stunden aus dem Homeoffice gemeinsam mit und für Kunden funktioniert hat. Der räumlichen Trennung zum Trotz hat unser ganzes Team an Eingespieltheit und Flexibilität noch weiter gewonnen. Dann konnte ich dank meiner persönlichen Situation mit Homeoffice und Homeschooling und der damit verbundenen, ständigen Nähe zu den Kids (in meinem Fall 15-, zwölf- und neunjährig) unglaublich viel über aktuelle Social-Media-Trends lernen. Und zu guter Letzt macht man sich in und nach so einer Phase auch vertieft Gedanken darüber, was einem wirklich wichtig ist und auf was man in Zukunft nun noch mehr achten wird. Ich arbeite fest daran, dass das nicht nur Gedanken bleiben.
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