Die Meinung der Manager

"Noch ist es zu früh, das Jahr komplett abzuschreiben"

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Roman Hirsbrunner führt Jung von Matt/Limmat
© Esther Michel
Roman Hirsbrunner führt Jung von Matt/Limmat
Trotz der Lockerungen hat Covid-19 die Branche fest im Griff. Doch wie geht es weiter? HORIZONT Swiss hat verschiedene Topentscheider um ihre Einschätzungen gebeten. Die Meinung der Managerinnen und Manager veröffentlichen wir diese Woche mit den kompletten Aussagen in einer Serie. Heute gibt Roman Hirsbrunner, CEO der Agentur Jung von Matt/Limmat, Auskunft.

Corona hat die Schweizer Wirtschaft schwer gebeutelt. Wie werden sich Ihrer Meinung nach Ihre Umsätze für 2020 entwickeln?
Über den gesamten Werbemarkt betrachtet gibt es hier natürlich grosse Unterschiede. Einzelne Kanäle und Themen brechen fast ganz weg. Andere profitieren vom veränderten Nutzungsverhalten und Interesse. Agenturen wie Jung von Matt arbeiten für verschiedene Branchen, Themen und Kanäle, entsprechend widerspiegelt sich diese Heterogenität auch in unserer eigenen Situation. Noch ist es zu früh, das Jahr komplett abzuschreiben. Immerhin besteht die Möglichkeit auf einen starken Nachholbedarf an Kommunikation im Herbst. Wenn ich eine Prognose für uns wagen müsste: 2020 wird sicherlich nicht unser Rekord-Jahr.



Welche Themen sind jetzt und in den kommenden Monaten für Sie wichtig?
Unsere Gesellschaft als Ganzes begibt sich auf die Suche nach dem "Next Normal". Dabei ist es wichtig, möglichst rasch Erfahrungen zu sammeln und eine zielführende Balance zwischen "Bisher" und "Neu" zu finden. Wir versuchen, unsere Kunden dabei möglichst direkt zu unterstützen und mit ihnen zusammen zu lernen. Für uns selber gilt das natürlich auch: Wir möchten Erkenntnisse aus den letzten drei Monaten nutzen für die Diskussion um neue Arbeitsmodelle, neue Prozesse und Strategien.

Gibt es eine positive Erfahrung, die Sie aus dem Lockdown mitnehmen?
Achtung, Plattitüden-Alarm: Vieles, was vor dem Lockdown oft unvorstellbar schien, ist heute völlig normal. Generalversammlungen per Zoom oder Kreativworkshops mit der gesamten Konzernleitung auf Miro zum Beispiel. Im Ernst: Ich mochte diese Offenheit, dieses "Change-Mindset", zu Beginn des Lockdowns. Eine Krise bringt Menschen näher und lässt sie auf das Wesentliche – auf das Resultat – fokussieren. All die Hürden, die wir uns oft selbst gegenseitig stellen, waren plötzlich nicht mehr da. Diese Situation erinnerte mich stark an die "Wild-West-Zeiten" zu Beginn des Internets Ende der 90er Jahre. Ich wünsche mich sehr, dass diese Can-do-Attitude anhält. Natürlich einfach ohne die Krise.

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