Die Meinung der Manager

"Die Umsätze werden sich in der Branche negativ entwickeln"

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Roman Geiser, CEO & Managing Partner bei Farner
© Christian Grund
Roman Geiser, CEO & Managing Partner bei Farner
Trotz der Lockerungen hat Covid-19 die Branche fest im Griff. Doch wie geht es weiter? HORIZONT Swiss hat verschiedene Topentscheider um ihre Einschätzungen gebeten. Die Meinung der Managerinnen und Manager veröffentlichen wir mit den kompletten Aussagen in einer Serie. Heute nimmt Roman Geiser, CEO & Managing Partner bei Farner Stellung.
Corona hat die Schweizer Wirtschaft schwer gebeutelt. Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Honorarumsätze für 2020 entwickeln?
Wenn bei Kunden Umsätze wegbrechen, ein Drittel der Arbeitnehmenden in Kurzarbeit ist, sich der internationale Warenaustausch massiv reduziert und das gesellschaftliche Leben landauf und landab tiefgefroren ist, leidet auch die Kommunikationsbranche. So bleibt auch in der Agenturwelt niemand unbetroffen von der Corona-Zäsur, und die Umsätze werden sich in der Branche negativ entwickeln. Wie sich das auf einzelne Agenturen niederschlägt, hängt stark ab vom Kundenportfolio, dem Grad der Diversifikation und der Resilienz des Geschäftsmodells. Kleinere oder mittelgrosse Agenturen mit einer monolithischen Kundenbasis sind in diesem Umfeld wohl stärker gefordert als inhaltlich diversifizierte Anbieter.


 
Farner selbst hat das Glück, sehr breit aufgestellt zu sein und über eine ordentlich resiliente Kundenbasis zu verfügen. Dann haben Dienstleistungen wie Issue Management oder Krisenkommunikation deutlich zugenommen. Dank Corona-bedingter Kampagnen für die öffentliche Hand sieht die Bilanz sogar erfreulich aus. Sorgen machen mir aber die mittel- bis langfristigen Auswirkungen des rezessiven Umfelds.
Der HORIZONT Report Schweiz
Sie wollen schon alle Statements der befragten Topentscheider in Auszügen lesen? Sie finden diese im neuen HORIZONT Report Schweiz. Er bietet auf 20 Seiten Informationen, Interviews und Hintergründe zu spannenden Themen in Medien, Marketing und Agenturen. Für die Abonnenten unserer täglichen HORIZONT-Swiss-Newsletter steht die Ausgabe hier zum Download bereit.

Welche Themen sind jetzt und in den kommenden Monaten für Sie wichtig?
Wie Unternehmen und Marken während der Corona-Pandemie kommunizieren, wirkt sich unmittelbar auf die Zeit danach aus. Gerade jetzt entscheiden Glaubwürdigkeit und die Fähigkeit, Sicherheit zu schaffen und Orientierung zu bieten, darüber, wie hoch das Vertrauen der Konsumenten, Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit sein werden. Die Krise ist deshalb für Marken auch eine Chance, diese Beziehungen zu pflegen und sich näher zu kommen: als Helfer in der Krise, als Impulsgeber und als Ermöglicher von positiven Alltagsmomenten.
In der Agentur beschäftigen wir uns mit der Frage, wie das New Normal der Corona-Krise auf unsere Geschäftsprozesse wirkt und wo Vorgehensweisen im Neugeschäft, in der Agenturkommunikation oder der internen Ko-Kreation angepasst werden müssen. Unser Agenturteam hat sich in der Corona-Phase bewiesen und Stärke gezeigt, darauf bauen wir auch in der nächsten Phase.


Gibt es eine positive Erfahrung, die Sie aus dem Lockdown mitnehmen?
In der Corona-Kommunikation des Bundes darf die Farner-Gruppe inklusive Rod und DU DA über die Mandate für BAG und SECO eine gesellschaftlich relevante Rolle spielen. Das erfüllt uns mit Stolz. Es zeigt uns auch, wie wichtig Vertrauensaufbau in der Kommunikation ist.


Mich freut zudem der starke Zusammenhalt im Team und wie schnell wir uns auf die neuen Umstände einstellen konnten. Und wir haben es trotz der aussergewöhnlichen Situation geschafft, die Nähe zu unseren Kunden beizubehalten. Da die Situation uns alle betrifft, entsteht auch in der Kundenbeziehung eine neue Form der Solidarität und des gegenseitigen Verstehens. Dies stimmt mich für die Zukunft zuversichtlich.
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