Die Meinung der Manager

"Der Werbemarkt wird das Vorjahr sicher nicht übertreffen"

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Guido Trevisan, CMO Goldbach Group AG
© Goldbach
Guido Trevisan, CMO Goldbach Group AG
Trotz der Lockerungen hat Covid-19 die Branche fest im Griff. Doch wie geht es weiter? HORIZONT Swiss hat verschiedene Topentscheider um ihre Einschätzungen gebeten. Die Meinung der Managerinnen und Manager veröffentlichen wir mit den kompletten Aussagen in einer Serie. Heute beantwortet Guido Trevisan, Chief Marketing Officer und Mitglied der Geschäftsleitung Goldbach Media (Switzerland) AG die Fragen.
Corona hat die Schweizer Wirtschaft schwer gebeutelt. Wie wird sich der Werbemarkt und ihre Werbeerlöse für 2020 entwickeln?
In den vergangenen drei Monaten gab es einige Unternehmen, die es sehr gut verstanden haben sich kommunikativ so zu positionieren, dass sie das Beste aus den verbleibenden sieben Monaten rausholen können. Wo es die vorgegebenen Rahmenbedingungen erlauben, geht es aktuell darum, schnell aus den Startblöcken zu kommen. Der Werbemarkt wird das Vorjahr sicher nicht übertreffen. Es wird aber sehr spannend zu sehen sein wer nun den Kopf einfach in den Sand steckt und wer die Chance der veränderten Marktgegebenheiten optimal nutzt, um sich auch über 2020 hinaus einen Vorteil zu verschaffen.
Der HORIZONT Report Schweiz
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Welche Themen sind jetzt und den kommenden Monaten für Sie wichtig?
Da stehen ganz viele Themen an. Seit Beginn der Krise haben fast alle Produkte, die wir vermarkten dürfen, an Relevanz gewonnen. Mehr und längere Mediennutzung auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein starker Nachfragerückgang bei den Werbeauftraggebern. Von Beginn weg waren die von uns vermarkteten Medien kulant was kurzfristige Kampagnenanpassungen anging. Unterdessen haben wir einige Produkte im Angebot, die wir auf das veränderte Nutzungsverhalten angepasst haben. Wir möchten unsere Kunden aber auch regelmässig über die neusten Erkenntnisse der Lese-, Hör- und Seh-Gewohnheiten und den Impact auf die kommerzielle Kommunikation informieren. So wurde z.B. von Screenforce das neue Format What’s on lanciert. Wir veröffentlichen zudem Werbewirkungsstudien, welche vor und während der Krise durchgeführt wurden oder führen anstelle von Seminaren und Grossveranstaltungen neu Webinare durch. Produkteseitig sind wir Anfang Juni in die Export Vermarktung eingestiegen. D.h. wir bieten Schweizer Kunden Werbemöglichkeiten in renommierten ausländischen Medientiteln an und im Inland sind wir ebenfalls im Printbereich in die regionale Drittvermarktung eingestiegen. Im Online-Bereich können wir dank Integral Ad Science nun noch gezielter und effektivere Anzeigeplatzierungen garantieren. Ebenso sind wir neu mit einem visible CPM-Angebot am Markt und im Digital-Audio-Bereich werden wir noch in den Sommermonaten erste programmatische Kampagnen ausliefern. Abgesehen von den mittelfristigen Projekten hat bei uns die Nutzer- und Nutzungsforschung eine hohe Priorität. Es geht dabei um die Bewegtbild-, aber auch um die Online-Forschung und natürlich darum dem Markt langfristig medienübergreifende Zahlen zur Verfügung stellen zu können.



Gibt es eine positive Erfahrung, die Sie aus dem Lockdown mitnehmen?
Eine? Viele! Etwas möchte ich aber hervorheben: «Social Distancing» wähle ich in diesem Zusammenhang zum Unwort des Jahres 2020. Wir waren zwar physisch über längere Zeit getrennt, sind aber – nach der ersten Phase der Verunsicherung – nicht nur als Mitarbeitende, sondern auch als Branche und vor allem als Menschen näher zusammengerückt. Das freut mich sehr.
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