Der SEO Sprachreport

Jan aus Deutschland bei den Schweizern

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Jan Kustos ist Senior SEO bei der Berner Digtialagentur ads&figures.
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Jan Kustos ist Senior SEO bei der Berner Digtialagentur ads&figures.
Jan Kustos ist Senior SEO Manager bei ads&figures. Seit Jahren erstellt er aus Keyword-Recherchen Content-Marketing-Strategien und SEO-Audits, optimiert Texte und Seiten und verbessert so das Google-Ranking bei Suchanfragen. Und doch: Ausgelernt hat selbst ein Profi wie er nie. Mit seinem Umzug von Deutschland in die Schweiz wurde sein Fachwissen auf ganz besondere Weise auf den Prüfstand gestellt.
"Wir wollten Mittagessen gehen und das ganze Team sprach vom `Beck`. Dass damit die Bäckerei gemeint ist, musste man mir erstmal erklären", lacht Jan Kustos. Schweizerdeutsch war zu Beginn eine gewisse Hürde, "aber glücklicherweise fällt es mir leicht neue Sprachen zu lernen." Dabei war die Mittagsdiskussion nicht mal die grösste Herausforderung. Als erfahrener SEO kennt Jan alle Tricks, mit denen man bei Google auf Seite 1 landet. Und doch musste er für die Digitalagentur aus Bern gewisse Strategien aus Deutschland über den Haufen werfen und erstmal die Eigenheiten seiner neuen Wahlheimat verstehen lernen.


Mit gutem SEO kann man aus der Masse hervorstechen und – wenn vielleicht auch nur in einer Nische – zum grossen Abräumer von Extra-Website-Traffic werden. Auf der Gegenseite kann man aber eben auch ganz schnell in Stolperfallen tappen, wenn man sich nicht explizit mit den hiesigen Sprach-Gepflogenheiten auseinandersetzt. Jan Kustos hat seine Zauberformel für eine erfolgreiche «Schwiizer» Suchmaschinenoptimierung folgendermassen zusammengefasst:

Im Umgang mit Helvetismen

Helvetismen sind Wörter, die nur in der Schweiz oder nur in gewissen Landesteilen verwendet werden. Sie können einen entscheidenden Vorteil für den SEO-Traffic bedeuten. Sucht deine Zielgruppe tatsächlich nach Kartoffelpüree oder dann doch eher nach dem schweizerischen Kartoffelstock? Will der Göttibueb ein Taschenmesser zu Weihnachten oder würde seine Gotte nach dem Begriff Sackmesser suchen? Kartoffelstock wird in der Schweiz laut Google- und Searchmetrics-Daten ca. 10 Mal häufiger gesucht als das Kartoffelpüree; das Sackmesser hingegen «nur» doppelt so häufig wie das Taschenmesser. Es gibt noch viele weitere Helvetismen, die ein grosses Suchvolumen mit sich bringen und nur Schweizerinnen und Schweizern bekannt sind. Daher ist es wichtig – nicht nur bei der Übersetzung ins Schweizerdeutsch, sondern auch in allen weiteren Sprachen – jemanden mit der entsprechenden Muttersprache ins Boot zu holen.

Im Umgang mit Dialekten

Die 26 Schweizer Kantone bringen eine Vielzahl an Dialekten mit sich. Auch hier sieht Jan viel Potenzial, sich als Unternehmen in der Google-Suche nach vorne zu bringen. Falls die Schweizer Zielgruppe also nach Rezepten für Rösti sucht, tippt der eine oder andere wohl «Röschti» ins Suchfeld. Wieso nicht einfach diese Suchvolumen mit entsprechenden Inhalten abfangen?

Im Umgang mit Umgangssprache

Korrekt ist richtig – doch nicht alles muss immer korrekt sein. Wenn wir einen Inhalt oder eine Seite optimieren, stellen wir immer die Kundin oder den Kunden in den Fokus, sagt Jan. Zwar spreche man in der Regel von SEO, was für Search Engine Optimization steht, verstehe es aber aufgrund der heutigen Funktionsweise eher als «Search Experience Optimization». Das bedeutet, dass die Suchenden verstanden und "abgeholt" werden müssen. Dabei sei es besonders wichtig, die Sprache der Suchenden zu kennen und im besten Fall auch zu nutzen. Häufig würde jedoch aus Unternehmensperspektive kommuniziert, was zur Folge habe, dass die Nachricht die Empfänger nicht erreichen würden. Interessante Beispiele für solche Potenziale finden sich in der Elektronikabteilung: So sollte ein Onlineshop nicht nur eine Seite auf das Keyword «Beamer» optimieren, sondern auch für «Biemer». Dies hat zum Beispiel eBay-Kleinanzeigen in Deutschland für sich erkannt und diese Seite erstellt. Oder gegebenenfalls könnte man einen Abschnitt zu «Tatsch Handy» schreiben, auch wenn es sich eigentlich um ein Smartphone mit Touchscreen handelt. Nach einer «Kautsch» – also Couch – wird in Deutschland laut dem Google Keyword-Planner monatlich immerhin 4'400 Mal gesucht.

Fazit: Ein vertieftes Verständnis für die Zielgruppe und ihre Spracheigenheiten sowie eine entsprechende Keyword-Recherche ist essentiell. Denn sie ist die Basis, um die diversen schlummernden Potenziale aufzudecken und für sich zu nutzen.


Über ads&figures
ads&figures ist eine unabhängige Digitalagentur in der Schweiz. Das 2016 gegründete Unternehmen mit Standort in Bern bietet nebst strategischer und konzeptioneller Beratung auch sämtliche Online Marketing Disziplinen wie Suchmaschinenwerbung, Feedoptimierung, Suchmaschinenoptimierung, Programmatic Advertising sowie Social Media Advertising an. ads&figures ist Google Premier Partner und beschäftigt 23 Mitarbeitende.



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