"Future of Work"

Denkweisen der Zukunft von Google's Chief Innovation Evangelist Dr. Frederik G. Pferdt

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Dr. Frederik G. Pferdt ist Google's Chief Innovation Evangelist. HORIZONT Swiss Redaktor Beat Hürlimann traf ihn im Rahmen der Medienveranstaltung #MeetaGoogler zum Gespräch und Sprach mit ihm zum Thema "Future of Work"
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Dr. Frederik G. Pferdt ist Google's Chief Innovation Evangelist. HORIZONT Swiss Redaktor Beat Hürlimann traf ihn im Rahmen der Medienveranstaltung #MeetaGoogler zum Gespräch und Sprach mit ihm zum Thema "Future of Work"
Ein Gespräch mit Dr. Frederik G. Pferdt über Innovationskultur, Kreativität, Leadership und darüber, was effektive Teams ausmacht. Dr. Pferdt ist Googles Chief Innovation Evangelist. Das Treffen fand im Rahmen des Formats #MeetAGoogler statt. Veranstalter war Google Schweiz. Es ist der fünfte und letzte Beitrag unserer "Future of Work"-Serie
Sie können das Gespräch als Video anschauen oder gemäss Transkript lesen.
Herr Dr. Pferdt, Sie sind Adjunct Professor an der Stanford University im Silicon Valley und Google's Chief Innovation Evangelist. Können Sie uns etwas über Ihre Tätigkeit bei Google erzählen, die ja, passend zu unserem Thema «Future of Work», viel mit Zukunft und Menschen zu tun hat? Menschen such ja immer nach der nächsten, besten Idee. Ich helfe Menschen sozusagen, wieder Selbstvertrauen in ihre eigene Kreativität zu finden, um hoffentlich auf bessere Fragen und gleichzeitig auch bessere Ideen zu kommen, um damit die Zukunft ein Stückweit mit zu erfinden.


Kürzlich wurden Sie in einem deutschen Magazin als «Kreativ-Papst» betitelt. Wieso? Meine Botschaft ist die, dass jeder kreativ ist, Kreativität also in uns allen existiert. Genauso wie Innovationsfähigkeit. Und es ist für mich immer wieder faszinierend zu sehen, wie Menschen neue Ideen denken, Probleme erkennen und ihre Innovationsfähigkeit dazu nutzen, tatsächlich Zukunft neu zu erfinden, mit dem Ziel, die Welt ein Stückweit besser zu machen. Das Interessante dabei ist, dass wir alle innovativer sein wollen aber nicht alle Menschen innovativ sein können. Und an dem arbeite ich beispielsweise hier mit unseren Googlern aber auch mit Menschen aus der ganzen Welt, mit dem Ziel, ihnen beizubringen, wie sie innovativer sein können.

 Sie sind der Überzeugung, dass Kreativität in uns allen existiert. Was zeichnet Menschen aus, in denen das Kreative erwacht ist? Wie erkennt man diese? Für mich sind die kreativsten Menschen auf der Welt Kinder. Denn Kinder besitzen eine unglaubliche Fähigkeit darin, Fragen zu stellen, Probleme zu erkennen und diese Probleme auch zu benennen. Sie haben auch eine Fähigkeit, Dinge in Frag zu stellen. Beispielsweise stellen Kinder pro Tag bis zu über 140 Fragen. Wir als Erwachsene stellen bis zu vier.


Mit welchen Folgen? Die NASA wollte genau diesen Aspekt mit ihren "Rocket Engineers" untersuchen und hat dafür einen interessanten Test durchgeführt. Sie wollte herausfinden, wer in die Kategorie «Genius» fällt und hat festgestellt, dass dies nur bei zwei Prozent der Erwachsenen der Fall ist. Sie hat denselben Test dann mit Kindern durchgeführt und festgestellt, dass Kinder zwischen sechs und acht Jahren zu 98 Prozent in diese Kategorie «Genius» fallen. Wir besitzen als Kinder offensichtlich einen Genialitäts- und Kreativitätsfaktor, den wir im Laufe des Erwachsenwerden verlieren.
„Für mich sind die kreativsten Menschen auf der Welt Kinder. Denn Kinder besitzen eine unglaubliche Fähigkeit darin, Fragen zu stellen, Probleme zu erkennen und diese Probleme auch zu benennen.“
Dr. Frederik G. Pferdt, Professor an der Stanford University und Googles Chief Innovation Evangelist
Wieso das? Weil wir mit vorlaufendem Erwachsenwerden immer weniger Selbstvertrauen in unsere Kreativität haben. Wir verlieren also nicht unsere Kreativität, sondern das Selbstvertrauen in unsere Kreativität. Und dieses Selbstvertrauen ist etwas, was ich den Menschen ein Stückweit zurückgeben möchte. Ihnen Mut machen, nicht nur die richtigen Probleme zu erkennen und Fragen zu stellen, sondern auch gleich erste Experimente zu wagen. Das ist der zweite Faktor, den kreative Menschen ausmacht. Sie bauen erste Prototypen, um zu lernen, was funktioniert und was nicht. Dritter Faktor ist expansives Denken, über den Tellerrand hinaus, radikal neue Ideen zu denken. Das zeichnet kreative Menschen aus. Vierter und letzter Faktor ist Empathie. Sie ist zentral, weil sie kreative Menschen immer wieder zeigen, wenn sie sich in andere Menschen hineinversetzen können. Wenn sie verstehen, wie ein anderer Mensch denkt und fühlt, um so auch bessere Lösungen für diese Menschen herzustellen. Das heisst, Empathie, expansives Denken und Experimentierfähigkeit sind zentral für kreative Menschen, die sozusagen Innovationen von Morgen erfinden und entwickeln möchten.
Im News Room Content am laufenden Band produzieren
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Was zeichnet innovative Teams aus im Vergleich zu weniger innovativen Teams? Das ist eine sehr spannende Frage, die sich viele Organisationen und vor allem viele Führungspersonen stellen: Wie funktionieren effektive Teams? Was zeichnet ein innovatives, produktives Team aus, im Vergleich zu einem nicht innovativen, nicht produktiven und nicht effektiven Team? Dieser Frage haben wir uns bei Google gestellt und in den letzten zwei Jahren 280 Teams befragt und beobachtet. Wir haben festgestellt, dass es nicht darauf ankommt, wer die Führung hat. Es kommt auch nicht drauf an, ob die Teams räumlich und zeitlich zusammen oder getrennt sind. Es spielt auch keine Rolle, ob nur die Superstars in diesem Team vereint sind.

Sie machen es spannend. Was gibt den Ausschlag?
Wir haben festgestellt, dass es tatsächlich ein Faktor ist, der signifikant ausschlaggebend ist und der den Unterschied zwischen einem innovativen und einem nicht innovativen Team zeigt. Wir nennen diesen Faktor Psychological Safety, übersetzt – Psychologische Sicherheit. Diese psychisch-emotionale Sicherheit zu verspüren, dass man ein Risiko eingehen kann, sich offen mit anderen austauschen kann und diese Offenheit auch in gewisser Weise Leben kann im Team. Mit der Gewissheit, nicht gleich bei einem Fehler den Bonus, das Gehalt, das Ansehen oder die Verantwortung im Team zu verlieren. Psychological Safety ist etwas, worin alle investieren können, spezifisch Führungskräfte, um sozusagen auch die innovativsten Teams in den Organisationen zu fördern.
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«Ja, aber» oder «Ja, und» - erklären sie uns den Unterschied? Wir signalisieren bereits über unsere Sprache, wie wir neuen Ideen gegenüberstehen. Das häufig verwendete „Ja, aber“ signalisiert, dass wir erstmals Bedenken haben, wenn wir neuen Ideen gegenüberstehen. Wir legen uns Argumente bereit, warum diese Idee nicht funktionieren kann. Warum wir es schon in der Vergangenheit erfolglos probiert haben, warum es zu teuer ist, warum es den Umsatz nicht steigert und warum es keine neue Technologie sein kann. Diese Argumente helfen uns natürlich nicht, Ideen wachsen zu lassen. Im Gegenteil. Sie ersticken die Idee in ihrem Keim. Wenn wir nun nur ein Wort in unserer Antwort austauschen, aus einem «Ja, aber» ein «Ja, und» machen, und hier kommt es auf die Betonung an. Also ein «Ja, und», das positiv die neue Idee akzeptiert und gleich nachfragt. Sie wachsen lässt, sie besser, schneller und stärker macht. Das hilft zu signalisieren, dass wir nun eine Plattform geschaffen haben, wo wir diese Idee tatsächlich wachsen lassen können. Wo wir sie grösser, schneller und besser denken. Und wenn wir genau signalisieren über diese Wortwahl, dass neue Ideen willkommen sind, helfen wir auch, Optimismus zu leben in einer Organisation. Das heisst, sie entscheiden das nächste Mal, ob sie die Person sind, die eine Idee im Keim ersticken lässt oder die sie wachsen lässt.

Sie haben noch einen Wunsch für die Zukunft frei. Welchen? Mein Wunsch für die Zukunft ist der, dass wir alle gemeinsam an unseren Zukunftsentwürfen arbeiten. Dass wir erkennen, dass wir die grossen Ideen nur gemeinsam realisieren können, in dem wir unterschiedliche Perspektiven, mit Menschen aus unterschiedlichen Herkünften mit unterschiedlichen Bildungshintergründen an einen Tisch bringen und dabei mit Empathie, expansivem Denken und Experimentierfähigkeit Zukunftsentwürfe nicht nur denken, sondern tatsächlich auch in die Realität umzusetzen. Dann sehe ich schon, dass wir rasch in eine Zukunft gelangen können, die besser und hoffentlich fairer ist und die allen Menschen mehr Möglichkeiten bietet, auch schneller in diese Zukunft zu schreiten.
 
 
 
 












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