Cover Ad Line

Der Vermarktungsbetrieb ist eingestellt, die Firma in Konkurs

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Die Basler Werbevermarktungsfirma Cover Ad Line hat am Dienstag ihren Betrieb eingestellt. Zu den Gründen gab es keine Informationen. Bei Cover Ad Line ist derzeit niemand erreichbar. Den Schaden haben die Medien. Und die Werbekunden müssen umdisponieren.
Wer auf die diversen Nummern von Cover Ad Line anruft, wird entweder auf eine Combox weitergeleitet – oder man hört auf einem Telefonbeantworter folgende Nachricht: "Grüezi. Sie sind verbunden mit der Cover Ad Line. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Betrieb per sofort eingestellt ist. Besten Dank." Mehr ist nicht zu erfahren.


Auch auf der Website sind keine weiteren Informationen erhältlich. Zwar steht dort: "Wir warten nicht auf die Zukunft, wir gestalten sie. Kontaktieren Sie uns." Aber ein Kontakt kommt nicht zustande. Und unter der Rubrik "Anzeigenfactoring" steht zwar: "Wir übernehmen für Ihren Verlag das Anzeigenmarketing. Alles aus einer Hand." Klickt man jedoch weiter unter "Verlagsmarketing", dann ist die Seite tot. Und bei den einzigen aufgeführten Printprodukten, für die Cover Ad Line offenbar Anzeigen vermittelte - "Auto-Illustrierte" und "BaslerIn" – sind die Links zu den Mediadaten 2018 (!) ebenfalls tot.
Die Home-Seite von Cover Ad Line informiert noch über die ehemaligen Dienstleistungen.
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Die Home-Seite von Cover Ad Line informiert noch über die ehemaligen Dienstleistungen.
Zu den grösseren Kunden von Cover Ad Line gehört die Migros Basel. Marketingchef Andy Lehr erklärt auf Anfrage, dass er am Dienstag direkt von der Vermittlungsfirma gehört habe, dass sie ihre Bilanzen deponieren muss. Die Migros Basel habe deshalb alle offenen Aufträge, die über Cover Ad Line vor allem bei Kleinanzeigern in der Region gebucht worden waren, sofort storniert und wickle sie nun über die entsprechenden Verlagen direkt ab. "Cover Ad Line hat für uns immer eine gute Leistung erbracht", bedauert Lehr jedoch.

Einbussen beim Friedrich Reinhardt Verlag

Ebenfalls vom Konkurs bei Cover Ad Line betroffen ist der Friedrich Reinhardt Verlag in Basel, hat doch Cover Ad Line alle seine Gemeinde-Anzeiger – "Muttenzer/Pratteler Anzeiger", "Birsfelder Anzeiger", "Allschwiler Wochenblatt", "Riehener Zeitung" und "Birsigtalbote" vermarktet und den Kunden jeweils auch selbst in Rechnung gestellt. "Hier müssen wir mit Einbussen rechnen, doch wissen wir noch nicht, in welcher Höhe", sagt Freddy Rüdisühli, Verwaltungsratspräsident der Friedrich Reinhardt AG. Kein Problem hat der Verlag hingegen mit dem neuen Frauen-Magazin "Baslerin", das in einer Woche erstmals erscheinen wird und derzeit im Druck ist. Cover Ad Line hatte hier zwar ebenfalls  einen Teil der Anzeigen akquiriert, doch der Verlag hat in diesem Fall die Fakturierung selbst vorgenommen. "Wir werden die Provision, die Cover Ad Line zusteht, in deren Konkursmasse einbringen", sagt Rüdisühli.
Bezeichnend: Die Seite für Todesanzeigen ist noch die einzige aktive Seite auf www.coveradline.ch. Was mit einem allfälligen Auftrag allerdings passiert, ist unklar.
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Bezeichnend: Die Seite für Todesanzeigen ist noch die einzige aktive Seite auf www.coveradline.ch. Was mit einem allfälligen Auftrag allerdings passiert, ist unklar.

Parallelen zur Publicitas

"Offene Posten" bei Cover Ad Line hat auch die "Basler Zeitung" (BaZ), wie Damian Fischer als Leiter Werbemarkt auf Anfrage bestätigt. Über die Höhe möchte er sich nicht äussern, sagt aber klar: "Ein Schaden ist vorhanden." Froh ist er, dass die BaZ schon im letzten Herbst "wohl als erstes Medium bei Cover Ad Line die Reissleine gezogen hat", wie er sagt. Weil sich schon seit rund einem Jahr die Zahlungsausstände angehäuft hätten, habe die BaZ damals die Kunden informiert, dass sie zwar weiterhin die Aufträge über Cover Ad Line annehme, diese aber nur noch direkt abwickle und fakturiere. Für viele Kunden habe dies ein Mehraufwand bedeutet, weshalb einige dies zunächst nicht verstanden hätten. "Denn Cover Ad Line hat nicht schlecht gearbeitet, im Gegenteil. Aber sie haben falsch gewirtschaftet", konstatiert Fischer. Und das hätten die Medien eben vor den Kunden zu spüren bekommen. "Wir erklärten ihnen die Situation und zeigten auf, dass es ihnen als Kunden auf längere Sicht auch nicht egal sein dürfe, wenn das Geld, das sie für ihre Inserate bezahlen, nicht bei den entsprechenden Medien ankommt."

Fischer zieht denn auch Parallelen zur Publicitas, die vor noch weniger als einem Jahr ebenfalls Konkurs anmelden musste. "Wir hätten gerne mit Cover Ad Line weiter gearbeitet, sie brachten uns ja Aufträge", sagt er bedauernd. "Aber hätten wir nicht schon im Herbst gehandelt, wären die Ausstände bestimmt nicht kleiner geworden."
Völlig losgelöst von Cover Media
Trotz ähnlichem Namen: Vom Konkurs bei Cover Ad Line nicht tangiert ist der Basler Radiovermarkter Cover Media, wie Mitinhaber Hans-Ueli Zürcher auf Anfrage sagt. Doch der ähnliche Name kommt nicht von ungefähr: Cover Ad Line war zwei Jahre lang eine Tochter von Cover Media. 2015 übernahmen Zürcher und seine Geschäftspartnerin Nicole Willinger Wipf das Anzeigenteam des Basler Wochenmagazins „TagesWoche“ – mit dem ehemaligen Publicitas-Mann Kurt Ackermann an der Spitze. Cover Media expandierte damit in den Bereich Online- und Printvermarktung. Zeitweise war der Vermittler allerdings auch für TeleBasel und bis zuletzte auch in der Aussenwerbung aktiv. Es kamen immer neue Kunden dazu. Mit der „TagesWoche“, der „Auto Illustrierten“ und einem SBB-Heft im Portfolio macht Cover Ad Line 2017 rund 8 Millionen Umsatz.


Doch es zeigte sich, dass Ackermann zwar "ein ausgezeichneter Verkäufer war, aber kein guter Wirtschafter", wie Zürcher sagt. Deshalb habe man Ackermann bald darauf die Mehrheit an Cover Ad Line überlassen. Ende 2017 sind dann Zürcher und Willinger ganz ausgestiegen, was auch im Handelsregister so bestätgt ist. "Wir verlangten zudem, dass Ackermann den Namen der Firma wechselt. Doch dem ist er nie nachgekommen", sagt Zürcher. immerhin: Cover Ad Line, zunächst im selben Hinterhof  an der Basler Güterstrasse domiziliert wie Cover Media, dislozierte letztes Jahr in die Basler Innenstadt. Die Trennung war damit auch geografisch vollzogen.

"Ich bedaure das Aus von Cover Ad Line", sagt Zürcher. Einmal mehr zeige es sich aber: "Es lag nicht an der Idee - diese funktionierte. Cover Ad Line hatte einen guten Kundenstamm. Doch wie so oft steht und fällt das Geschäft mit den Akteuren." knö
Ein Werbekunde, der vom Aus von Cover Ad Line besonders stark tangiert sein dürfte, ist Hieber's Frischezentrum mit Hauptsitz in Lörrach. Der Lebensmittelhändler hat bisher alle Inserate, die er schweizweit in Medien schaltete, um Kunden über die Grenze in seine Läden zu locken, über die Basler Vermittlungsagentur platziert und abgewickelt. Doch Norbert Schöffele, bei Hieber zuständig für die Werbung in der Schweiz, wollte keine Stellung nehmen. "Unsere Lieferanten und Dienstleister sind Partner. Auch in schwierigeren Momenten oder nach einer Trennung", beschied er. knö
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