Cover Ad Line

Zahlungsausstände bei weiteren Medien

© zvg
Mit dem Aus von Cover Ad Line ist ein Jahres-Werbeumsatz von rund 8 Millionen Franken zumindest teilweise futsch – jedenfalls für jene Medien, bei denen Cover Ad Line im Auftrag von Kunden Werbung platziert hatte. HORIZONT Swiss hat sich vornehmlich in der Nordwestschweiz umgehört.
Dass der Konkurs der Basler Vermittlungsagentur Cover Ad Line die "Basler Zeitung" und die Friedrich Reinhardt AG trifft – darüber hat HORIZONT Swiss schon gestern berichtet. Doch Cover Ad Line vermittlte auch Werbeaufträge an diverse Blätter der CH Media, an die Neue Fricktaler Zeitung, an die Volksstimme und an die "Auto-Illustrierte", um nur einige zu nennen. Ferner hatte sie auch Kontakte zu Aussenwerbern wie APG oder Clear Channel.
© zvg.
Bei CH Media tangiert der Konkurs der Cover Ad Line die beiden Titel "Wochenblatt für das Schwarzbubenland und das Laufental" und "Wochenblatt für das Birseck und Dorneck", die "Oberbaselbieter Zeitung" sowie die Tageszeitungen "bz Basel" und "bz Basellandschaftliche Zeitung". "Über Ausstände werden keine Angaben gemacht. CH Media ist mit allen betroffenen Kunden in Kontakt und ist zuversichtlich, eine gute Lösung zu finden", schreibt Sprecherin Monica Stephani auf Anfrage.
© zvg.

Zwei Vermittler-Konkurse in einem Jahr zu verkraften

Weniger verschlossen ist Susi Quinter, Verlegerin der Sissacher "Volksstimme". Sie hat schon letzte Woche per Mail davon erfahren, dass Cover Ad Line die Bilanz deponieren muss - dies weil sie wegen diverser Zahlungsausstände seit Oktober 2018 bei der Basler Vermittlungsfirma mal angeklopft hatte. Danach handelte sie sofort: Quinter sprach unter anderem bei der Migros Basel und beim Bildungszentrum kvBL vor, da von beiden Werbekunden noch mehrere Ausstände vorhanden sind und vom Bildungszentrum kvBL für die kommende Woche bereits wieder ein Inserat disponiert war. "Dieses konnten wir stoppen und über uns laufen lassen", berichtet Quinter erleichtert.
© zvg.
Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich die Verlegerin die anderen Ausstände mit grosser Wahrscheinlichkeit "ans Bein streichen muss", wie sie sagt. Das Ausmass des Verlustes beziffert sie auf etwa 2 Prozent des Jahresumsatzes. Dabei hatte es der Sissacher Verlag Schaub Medien im Jahr 2018 ohnehin nicht leicht, ging doch durch den Publicitas-Konkurs bereits Umsatz aus Inseraten verloren. Insgesamt 5 Prozent Umsatzverlust in einem ohnehin schwierigen Jahr - "das ist happig", konstatiert Quinter.


Einen kleinen Lichtblick sieht sie aber darin, dass das Aus von Cover Ad Line Anlass dafür bot, die Werbekunden zu bitten, künftig doch direkt bei der "Volksstimme" zu buchen. "Ich bin gespannt, was sie machen", sagt Quinter. Im besten Fall werden einige Kunden künftig ihre regionalen Werbebudgets über die "Volksstimme" an Dritte vermitteln lassen. "Wir könnten das – und das wäre für uns auch eine Chance", sagt die Verlegerin. Aber allzu grosse Hoffnungen macht sie sich nicht. "Das wird kaum der Fall sein. Denn tendenziell ziehen die Kunden dafür grössere Medienhäuser vor."

"Der Konkurs vermittelt ein falsches Signal"

Walter Herzog, Verleger der Neuen Fricktaler Zeitung (NFZ) bedauert das Aus von Cover Ad Line: "Die NFZ hat gerne mit Cover Ad Line zusammen gearbeitet, Kurt Ackermann und seine Crew waren sehr engagiert", sagt er. Aber es ist klar: Auch die NFZ hat offene Posten bei Cover Ad Line. Doch Herzog beschwichtigt: "Da wir unsere Kunden grösstenteils selber betreuen, sind die Ausstände keineswegs überbordend."
© zvg.
Aber nicht nur für die NFZ, auch für die gesamte Printbranche sei das Aus von Cover Ad Line negativ, meint Herzog weiter. Dies, weil es ein Signal vermittle, "das so nicht stimmt". Das Signal nämlich, dass Print aussterbe. "Doch dies ist nicht der Fall", sagt Herzog. " Wir sehen gerade in unserer Region, welchen positiven Effekt Print haben kann, wenn man es mit anderen Kanälen kombiniert." Aber der Fall Cover Ad Line zeige, wie schwierig das Vermittlungsgeschäft ohne eigener Verlagstitel sei. Herzog: "Es ist schwierig wegen der Margensituation."

Doch wie Susi Quinter von der "Voksstimme" sieht Herzog mit dem Aus von Cover Ad Line auch eine Chance. Zum einen, weil zu den Werbekunden, zu denen bisher (via Cover Ad Line) nur ein indirekter Kontakt bestanden hatte, nun ein direkter entstehen könnte. "Die Kundenbeziehung ist in der heutigen Zeit das Wichtigste", betont der NFZ-Verleger. Zudem bringt er seine Vermarktungstochter Fricktaler Medien AG ins Spiel: Diese habe eine ähnliche Funktion wie Cover Ad Line – sie vermittle Werbung für Dritte. Insofern könnte er sich gut vorstellen, dass die Fricktaler Medien AG in die Lücke springt, die die Basler Vermittlungsfirma hinterlässt, und dass sie sich grösseren Kunden wie Migros Basel oder Hieber als Dienstleister anbietet. "Wir haben sicherlich alle Voraussetzungen, um das zu machen", sagt Herzog selbstbewusst.
© zvg.

Trotz 1,5 Jahre Zusammenarbeit keine direkte Information

Cover Ad Line hat in den letzten eineinhalbe Jahren und bis Ende 2018 den Titel "Auto-Illustrierte" (ai) im Portfolio. Dieser erfuhr im Januar einen Besitzerwechsel und wurde von Creative Media in Affoltern am Albis übernommen. Muss sich nun der neue Verleger Markus Mehr mit Zahlungsausständen von Cover Ad Line herumschlagen? "Nein, wir sind nicht tangiert", sagt Mehr auf Anfrage. "Mit Cover Ad Line hatten wir bisher nichts zu tun, da wir die 'Auto-Illustrierte' selbst vermarkten." Zwar sei die Ausgabe 1/19 der "Auto-Illustrierten" bereits erscheinen, aber schon am 15. Dezember 2018 und noch vollständig unter Führung des bisherigen Albert Verlags in Hünenberg.


Beim 
Albert Verlag hingegen ist die ehemalige ai-Verkauflsleiterin Claudia Schlatterer ziemlich geknickt. Sie habe erst gestern vom Konkurs der Cover Ad Line erfahren – aus HORIZONT Swiss – und sei entsprechend enttäuscht, dass die Agentur sie nicht direkt informiert hatte. Sie ist nun daran, sich über die möglichen offenen Posten ins Bild zu setzen. "Dass es Zahlungsausstände gibt, ist ziemlich wahrscheinlich", sagt Schlatterer. Gleichzeitig betont sie aber, dass die Zusammenarbeit mit Cover Ad Line über die letzten rund 1,5 Jahre immer gut war. "In dieser Zeit gabe es nie Zahlungsausstände, wir haben schlicht nichts gemerkt von ihren Schwierigkeiten." Der ai-Verkauf per Ende 2018 habe deshalb überhaupt nichts mit dem Konkurs zu tun. Dass sich dies nun überschneidet, sei Zufall, sagt Schlatterer. Das Aus von Cover Ad Line bedauert sie. "Ich finde es schade für die ganze Branche, für deren Image und die Aussenwirkung – und für uns finanziell."

Aussenwerber kommen wohl mit blauem Auge davon

Cover Ad Line war auch im Bereich Aussenwerbung tätig. "Es ist richtig, dass wir in sehr kleinen Rahmen Geschäftsbeziehungen mit der Firma Cover Ad Line geführt haben, welche als Agentur (und nicht als Vermittlerin) fungierte", schreibt APG-Sprecherin Nadja Mühlemann auf Anfrage. Sie fügt aber sogleich hinzu: "Von weiteren Stellungnahmen bezüglich unserer Aktivitäten und zu möglichen Schadenssummen sehen wir ab."
Die Plakatanbieter APG und Clear Channel Schweiz arbeiten ab sofort mit (meist) höheren Reichwertenwerten für ihre Plakatstellen .
Die Plakatanbieter APG und Clear Channel Schweiz arbeiten ab sofort mit (meist) höheren Reichwertenwerten für ihre Plakatstellen .
"Wir hatten eine Zusammenarbeit mit Cover ad Line", sagte auch Ursulina Stecher, Sprecherin von Clear Channel Schweiz (CCS). Schaden sei daraus aber keiner entstanden. Wohl auch deshalb, weil CCS die Marktbearbeitung Nordwestschweiz im Herbst 2018 intern ausgebaut habe. knö



stats