Corona-Pandemie

Pleitegeier kreist über Medienlandschaft

   Artikel anhören
Kurzfristige wirtschaftliche Szenarien (n=27)
© Publicom
Kurzfristige wirtschaftliche Szenarien (n=27)
Die Verkaufserlöse von Bezahlmedien steigen. Aber weil sie die fallenden Anzeigenerlöse nicht kompensieren können, droht vielen Medienunternehmen die Insolvenz. Dies geht aus einer Expertenbefragung der Publicom hervor.
Die Medienforscher der Publicom haben die Mitglieder eines Panels aus Fachleuten führender Medienunternehmen sowie Vertretern aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications befragt. An der Umfrage im Zeitraum vom 3. bis 19. April nahmen 27 Experten teil. Aus deren Sicht sieht die Zukunft der Medienbranche düster aus.


Zwar profitieren nach Ansicht der Fachleute vor allem Bezahlmedien von der Corona-Krise durch ein erhöhtes Informationsbedürfnis der Menschen und eine entsprechend intensivierte Nutzung von Medien. Und offenbar seien die Leser auch bereit, für Zeitungsinhalte mehr zu bezahlen: Insgesamt zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sagen eine Steigerung von Abonnementseinnahmen und Verkäufen voraus. Mehr als die Hälfte prognostiziert eine leichte Zunahme bis zehn Prozent, ein weiteres Sechstel erwartet eine noch stärkere Steigerung.

Aber dadurch werden die teilweise dramatischen Mindereinnahmen im Werbemarkt bei weitem nicht ausgeglichen. Die Konsequenzen: Alle Experten sind der Meinung, dass die Medienunternehmen auf die Krise mit Entlassungen reagieren werden (100% Zustimmung zum Szenario in den Kategorien "trifft sicher zu" und "trifft wahrscheinlich zu"), und 96% geben an, dass sich der Trend zu Kurzarbeit verstärkt.


86 Prozent der Befragten erwarten, dass existenziell betroffene Unternehmen aus der Medien- und Werbebranche wegen der Corona-Krise in die Insolvenz gehen könnten. Eine klare Mehrheit (78%) ist der Meinung, dass die aktuellen Vorgänge den anhaltenden Strukturwandel in der Medienbranche weiter beschleunigen, und nur 22% sehen in der Corona-Krise einen vorübergehenden schweren Einbruch, von dem sich die Branche wieder auf das Vorkrisenniveau erholen wird.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats