Corona-Krise

Nielsen zum Einfluss von Covid-19 auf den Schweizer Detailhandel

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Das Coronavirus und die Schweizer Konsumverhalten: Das grösste Wachstum in Kalenderwoche 9 verzeichnen Desinfektion (615%), Trocken Teigwaren (32%), Reis (31%) und Kartoffelstock (31%)
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Das Coronavirus und die Schweizer Konsumverhalten: Das grösste Wachstum in Kalenderwoche 9 verzeichnen Desinfektion (615%), Trocken Teigwaren (32%), Reis (31%) und Kartoffelstock (31%)
Das Thema COVID-19 bestimmt derzeit Wirtschaft, Medienberichte sowie den Alltag der Bevölkerung. Nielsen hat sich damit beschäftigt, welche Auswirkungen die weltweite Pandemie auf den Detailhandel Schweiz hat und dabei 6 Phasen des Konsumentenverhaltens entlang der Ereigniskette rund um den Ausbruch des Corona-Virus identifiziert. Das grösste Wachstum in Kalenderwoche 9 verzeichnen Desinfektion (615%), Trocken Teigwaren (32%), Reis (31%) und Kartoffelstock (31%).

Weltweit ähnliche Kaufmuster erkennbar


Nielsen Global Connect identifiziert sechs Phasen des Verbraucherverhaltens, die in direktem Zusammenhang mit Schlüsselereignissen rund um den Ausbruch des neuartigen Coronavirus (COVID-19) stehen. Die Phasen zeigen frühe Signale für das Kaufverhalten, insbesondere bei Produkten zur Bevorratung und Gesundheitsversorgung. Es zeichnet sich hier ein Muster ab, dass sich in mehreren Ländern weltweit widerspiegelt.

Korrelation Medienberichten und Kaufverhalten erkennbar

Konkret lässt sich eine Korrelation von einerseits COVID-19-Medienberichten und Massnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Pandemie mit verändertem Einkaufsverhalten für zahlreiche Produktgruppen wie Hygiene- & Gesundheitsprodukte, Pflegeprodukte und haltbare Lebensmittel andererseits beobachten.

6 Phasen und ihre Bedeutung für den Detailhandel

Die Phasen sind an Schlüsselereignisse im Verlauf der Pandemie im jeweiligen Land geknüpft. Die folgende Grafik zeigt eine Übersicht der sechs Phasen und was sie für den Lebensmittel- & Drogeriefachhandel bedeuten.


1. Proactive Health-Minded Buying: Das Interesse an Produkten, die die allgemeine Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden unterstützen, nimmt zu.

2. Reactive Health Management: Konsumenten kaufen verstärkt Produkte, die für die Eindämmung von Viren, die Gesundheit und die öffentliche Sicherheit wichtig sind. z.B. Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel.


3. Pantry Preparation: Vorratskäufe haltbarer Lebensmittel und Fokus auf gesundheitlich unbedenkliche Produkte; Einkaufsfrequenz steigt sprunghaft an; wachsende Warenkörbe. 

4. Quarantined Living Preparation: Verstärktes Online-Shopping; Rückgang Einkaufsfrequenz; steigende Out-of-Stocks; Belastungen für die Lieferkette.

5. Restricted Living: Starker Rückgang der Einkaufsfrequenz; Zustellungen aus Onlineshops sind unter Druck; die Sorge vor Preiserhöhungen aufgrund begrenzter Verfügbarkeit steigt.

6. Living a New Normal: Die Menschen kehren in den Alltag zurück. Es zeigt sich erhöhte Vorsicht in Bezug auf die Gesundheit: gestiegene Nutzung von E-Commerce und Hygienepraktiken.

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Entwicklung in der Schweiz

Auch für die Schweiz hat Nielsen die Zusammenhänge dieser Phasen mit den Entwicklungen im Lebensmittel- und Drogeriefachhandel überprüft. Anhand untenstehender Grafik lässt sich ableiten, dass die Konsumenten hierzulande ähnlich wie in den anderen Ländern reagieren. Noch bevor die ersten Fälle in der Schweiz am 25. Februar auftraten, begannen die Schweizer VerbraucherInnen sich mit den für sie wichtigen Konsumgütern zu versorgen. Die zunächst erhöhten Wachstumsraten zu Anfang des Jahres erklären sich durch verschobene Feiertagseinkäufe. Die ersten Berichte über ein neuartiges Virus in der ersten Kalenderwoche dürften in der Schweiz keine oder nur wenig Auswirkungen gezeigt haben.
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Nach einer Analyse der Auswirkungen der Pandemie auf den weltweiten Konsum (Pandemic Pantries), insbesondere in China, Italien und den USA, konnte eine Reaktion der Verbraucher auf die weitere Ausbreitung von COVID-10 festgestellt werden. Ein erhöhter Verkauf von Händedesinfektionsmittel war der erste Hinweis auf eine Verhaltensänderung. Darauf folgt eine Spirale vorsorglicher Einkäufe.
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Bei der Betrachtung von Vorratsartikeln, die die Verbraucher in „Notfällen“ (insbesondere Toilettenpapier, Mehl, Reis, Konserven etc.) häufig auffüllen, konnten in den ersten acht Wochen des Jahres keine grossen Auswirkungen festgestellt werden. Angesichts der steigenden Verbreitung ab Kalenderwoche 9 ist jedoch ein starker Anstieg eines lokal erhöhten Kaufverhaltens erkennbar. 
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Bei den Food Warengruppen zeichnet sich in den Kalenderwochen 6-9 vor allem bei lagerungsfähigen Lebensmitteln ein starkes Plus ab. Darunter fallen Mehl, Teigwaren, Reis sowie Kartoffelstock und Konserven. Aber auch Produkte wie Salz, Öl, Mineralwasser und Saucen, verzeichnen eine positive Entwicklung, allerdings weniger als die Grundnahrungsmittel. Warengruppen wie Tiefkühlprodukte, Brotaufstrich gesüsst und Käse verzeichnen im Vergleich zu den genannten Kategorien eine geringere Wachstumsrate – diese werden von den Konsumenten offenbar eher als ergänzend denn als lebensnotwendig angesehen.
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Ähnliche Entwicklungen sehen wir im Bereich Near Food. In den Kalenderwochen 6-9 folgten entsprechend der Entwicklung die Bevorratungskäufe von wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs. Desinfektionsmittel zeigt bereits seit Januar ein überproportionales Wachstum. Andere Artikel wie Toilettenpapier, Windeln, Batterien und Tiernahrung ziehen insbesondere in den letzten Wochen stark an.
„Indem wir vorhersehbaren Mustern folgen, die auf anderen Märkten zu beobachten sind, können wir uns besser auf die kommenden Wochen vorbereiten. Wir werden regelmässig über die Entwicklungen im Handel in dieser Ausnahmesituation berichten“
Sigrid Göttlich, Commercial Leader, Nielsen Connect Österreich und der Schweiz
COVID-19 entwickelte sich sehr schnell von einem Geschehen “weit weg in anderen Ländern", zu einer realen Bedrohung für die Schweiz, so Sigrid Göttlich, Commercial Leader, Nielsen Connect Österreich und der Schweiz.

Über Nielsen
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