Cookieless Future

"Notwendigkeit, sich selbst neu zu erfinden"

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Denise Tripalo, Senior AdOps Manager bei der Mediaagentur Mediatonic
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Denise Tripalo, Senior AdOps Manager bei der Mediaagentur Mediatonic
Google hat das Aus für Third-Party Cookies auf 2023 verschoben. Doch was bedeutet das für die Branche? Antworten darauf gibt eine Umfrage unter Top-Entscheider der Branche, die wir seit einigen Tagen in loser Folge veröffentlichen. Heute erklärt Denise Tripalo, Senior AdOps Manager bei der Mediaagentur Mediatonic mit Sitz in Genf, die Lage.
Zeitgewinn oder zweite Chance? Was bedeutet für Sie die Entscheidung von Google, das Ende der Third Party Cookies auf 2023 zu verlegen?
Aus meiner Sicht ist diese Ankündigung wie ein Zeitgewinn für eine zweite Chance für Google. Zusätzliche Zeit für die technische Durchführung dieses Projekts, aber auch, um praktikable Alternativen zu Third Party Cookies vorzuschlagen. Erinnern Sie sich daran, dass der Internet-Gigant Google bereits Anfang 2020 die Entfernung von 3rd-Party-Cookies aus seinem Chrome-Browser innerhalb von zwei Jahren angekündigt hat und auch sein Vorschlag für ein FLoC-System (Federated Learning of Cohorts), als Alternative zur Verwendung von Third-Party-Cookies, schließlich in Klammern gesetzt wurde, weil es nicht den Anforderungen der DSGVO-Verordnung entsprach.

Wie bereiten Sie sich auf das Aus der Third Party Cookies vor?
Dies ist ein Problem, mit dem sich das Ökosystem bereits seit zwei Jahren auseinandersetzt, mit der Kompensation des Verdienstausfalls bei Safari- und Firefox-Browsern, die bereits Cookies von Drittanbietern entfernt haben, aber auch mit der Suche nach Lösungen für mobile und In-App-Umgebungen, die weitgehend frei von Drittanbieter-Cookies sind. Werbetreibende, Publisher und AdTech-Unternehmen sind sich der Notwendigkeit bewusst, Alternativen anzubieten, aber auch der Notwendigkeit, sich selbst neu zu erfinden, d.h. neue Wege in der digitalen Post-Cookie-Welt zu entwickeln und zu schaffen. Außerdem gibt es bereits Lösungen, insbesondere mit Technologien, die auf 1st-Party-Cookies basieren, die GDPR-konform sind, da sie auf der Seite des Publishers liegen und verwaltet werden. Als Mediaagentur verfolgen wir diese Entwicklungen und haben uns bereits für Lösungen entschieden, die auf 1st-Party-Cookies basieren. Vor allem aber verfolgen wir aufmerksam die tägliche Entwicklung unserer digitalen Kampagnen und gewinnen so Erfahrungen, die uns am besten auf die beiden neuen, grundlegenden Kapitel vorbereitet, die sich in der Post-Cookie-Ära auftun: 1st-Party-Auswertung und Zustimmungsmanagement.


Welche Tools werden künftig genutzt, um das Userverhalten zu analysieren?
Im Rahmen der digitalen Aktivitäten für die Kunden unserer Agentur setzen wir seit geraumer Zeit auf Technologien, die auf 1st-Party-IDs unseres Dienstleisters AdForm basieren, und das wird auch in Zukunft so sein, sofern sich in diesem Bereich keine größeren Änderungen ergeben. Was uns bei unseren jüngsten Kampagnenanalysen aufgefallen ist, ist die Bedeutung der Zustimmung der Nutzer auf Seiten der Werbetreibenden, auf die wir alle für die Rückmeldung der Kampagnentrackingdaten angewiesen sind. Was sich bereits ändert und sich in Zukunft wahrscheinlich noch stärker ändern wird, ist, dass wir uns auf unsere Agentur-Tools, die uns eine gewisse Autonomie erlauben (AdServer), und auf die Analyse-Tools unserer Kunden verlassen müssen, um vollständigere Kampagnenergebnisse melden zu können.
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