CNN Money Switzerland Gründer Rasch

"Der Ball liegt nun beim Konkursrichter"

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Noch setzt der Sender Tweets ab und dennoch ist das Ende von CNN Money Switzerland vollzogene Sache. Am Sonntag hat der Verwaltungsrat beschlossen, auf eine Fortführung der Aktivitäten des Senders zu verzichten. Die Entwicklungen im Schweizer Werbemarkt liessen keine nachhaltige Rentabilität erwarten. So die Verlautbarung. Bitter ist die Entwicklung für Chefredaktorin Patrizia Laeri. Im Tweet vom 10.12.19 schrieb sie noch: "Das nennt man dann wohl Glückssträhne. 3 Preise in 9 Tagen." Gestern nun: "Heute ist ein trauriger Tag für den Wirtschaftsjournalismus in der Schweiz. Das Land verliert den einzigen TV-Wirtschaftssender abseits der SRG-TV-Formate."
Bitter ist die Schliessung für die zwei Dutzend Mitarbeitende, die ihre Jobs verlieren und die seit Wochen auf ihre Julilöhne warten. Patrizia Laeri selbst habe noch kein Gehalt gekriegt, ist auf Insideparadeplatz.ch zu lesen.

Äussere Einflüsse geltend gemacht

In der Mitteilung von CNN Money Switzerland werden primär äussere Einflüsse fürs Scheitern ins Feld geführt: "Die wirtschaftlichne Unsicherheiten für die Schweiz sind zu gross sind und die Entwicklungen im Schweizer Werbemarkt lassen keine nachhaltige Rentabilität erwarten. Weshalb in der Folge eine Fortführung der Aktivitäten des Senders verzichtet wird."

"Nur das Teuerste gut genug"

Die Internet-Zeitung Insideparadeplatz.ch macht CEO Christophe Rasch für den spektakulären Flop verantwortlich. Für Rasch wäre von Beginn weg nur das Teuerste gut genug gewesen. Er habe in Zürich gleich zwei modernste Studios mit allem Schnickschnack gebaut und ein weiteres in der Westschweiz in die Landschaft gesetzt. Umgekehrt zum Studio-Glamour hätten die Einschaltquoten im nicht messbaren Bereich verharrt.

Investoren in Nöten

Wie verschiedene Medien berichten, befindet sich der Investor aus Bangladesh in Nöten, notabene jener Investor, der zuvor die laufenden Rechnungen anstandslos bezahlte. Er und sein Bruder hätten zwei Banker wegen eines Kredits eingeschüchtert und befänden sich seither auf der Flucht.

Chefredaktorin überzeugt: "Die Corona-Krise ist weiblich"

Und was sagt Aushängeschild und Chefredaktorin Patrizia Laeri? Im Interview mit dem Tages-Anzeiger wiederholt sie, was im Tweet zu lesen ist: "Es ist natürlich auch ein trauriger Tag für den Wirtschaftsjournalismus in der Schweiz. Das Land verliert den einzigen TV-Wirtschaftssender abseits der SRG-TV-Formate. Und wir verlieren auf einen Schlag die wenigen weiblichen Stimmen in diesem Feld." Und sie sagt: "Die Corona-Krise ist weiblich". Das habe sie in einer ihrer letzten Kolumnen geschrieben. In diesem Sinne habe sie vorweggenommen, was nun selber passiere.
Ihren Wechsel von SRF zu CNN bereue sie nicht. Die letzten Monate seien eine wertvolle Lebensschule gewesen und man habe trotz Krisenmodus neue, frische Formate auf die Beine gestellt, so die 2019 als "Wirtschaftsjournalistin des Jahres" ausgezeichnete Erfolgsmoderatorin.
Trotz "frischer Formate" ist es dem Sender leider nicht gelungen, eine für die Werbewirtschaft ausreichend grosse Zuseherschaft aufzubauen. Wahrscheinlich war die Zeit dazu auch nicht ausreichend und wenn es in der aktuellen Situation von etwas für alle viel zu wenig hat, vielleicht noch weniger als finanzielle Mittel, dann ist das ZEIT. Der Mix aus Digitalisierung und Corona rollt alles platt, was nicht rechtzeitig auszuweichen vermag. Vieles von dem, was CNN Money Switzerland zu Fall brachte, kann jedes Medienhaus zu Fall bringen, insbesondere die fehlenden Werbeeinnahmen, die schon lange vor Corona ungebremst in Umfelder mit einer "mobile only" DNA abzufliessen begannen.



Und so endet das einst kleine, hoffnungsvolle Medien Start-up mit grossem Namen mit folgenden Worten seines Gründers und CEO Christophe Rasch: «Der Ball liegt nun beim Konkursrichter.»






 



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