Bundesrat/syndicom/Künstliche Intelligenz

Die Schweiz ist gut aufgestellt aber KI soll nur zu Gunsten des Menschen sein

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© Pixabay/Canva
Der Bundesrat hat den Bericht „Herausforderungen der künstlichen Intelligenz“ veröffentlicht. Erstellt hat den Bericht eine interdepartementale Arbeitsgruppe. Der Bericht zeigt, dass die Schweiz für die Anwendung und die Herausforderungen von KI grundsätzlich gut aufgestellt ist. In verschiedenen Bereichen besteht jedoch in unterschiedlichem Ausmasse Handlungsbedarf. Er beauftragt nun das zuständige Departement, strategische Leitlinien für den Bund zu erarbeiten. Syndicom schreibt in einer ersten Stellungnahme, KI solle nur zu Gunsten der Menschen eingesetzt werden.

Euphorie im Bundesrat

Die Euphorie um alles Digitale hat in Bundesbern einen Namen: Bundesrat Ueli Maurer. Mit viel Elan treibt der inzwischen dienstälteste Magistrat das Thema im Gesamtbundesrat voran. Bereits 2018 hat der Bundesrat in seiner Strategie "Digitale Schweiz" KI als einen Schwerpunkt definiert. Dazu hat der Bundesrat zeitgleich mit der Verabschiedung der Strategie das WBF (SBFI - Staatssekretariat für Bildung, Forschung Innovation) beauftragt, eine interdepartementale Arbeitsgruppe einzusetzen, um den Wissens- und Meinungsaustausch innerhalb der Bundesverwaltung sicherzustellen und die Abstimmung von Positionen der Schweiz in internationalen Gremien zu ermöglichen.

Bericht über die Herausforderungen von KI

Die Arbeitsgruppe erhielt zudem den Auftrag, dem Bundesrat einen Bericht über die Herausforderungen der KI zu unterbreiten. Der Bericht sollte dabei auch eine Übersicht über bestehende Massnahmen mit Bezug zu KI darlegen sowie – auf Basis bestehender wissenschaftlicher Erkenntnisse – eine Einschätzung zu allfälligen neuen Handlungsfeldern vornehmen.

Der Bundesrat hat vier Massnahmen beschlossen

  • Im Bereich Völkerrecht sowie zur Nutzung von KI im Bereich der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung werden jeweils ein Bericht zur vertieften Abklärung in Auftrag gegeben. 
  • Zudem soll geprüft werden, wie für den Einsatz von KI in der Bundesverwaltung die Koordination verbessert werden kann.
  • Schliesslich soll die KI-relevante Politik als wesentlicher Bestandteil der Strategie «Digitale Schweiz» berücksichtigt werden.
  • In diesem Kontext hat der Bundesrat das WBF beauftragt, die interdepartementalen Arbeiten fortzusetzen und bis Frühjahr 2020 strategische Leitlinien für den Bund auszuarbeiten.

Die Gewerkschaft Syndicom erinnert an den Aspekt Mensch 

Wer diesen Herbst Veranstaltungen besucht und dabei Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Legislative und Exekutive reden hört, kann durchaus den Eindruck erhalten, dass die Auswirkungen von KI auf den Menschen nicht energisch genug mit in die grossen Strategien einbezogen werden. Syndicom hat nun am vergangene Freitag eine Mitteilung verschickt, in der sie auf ihrer Meinung nach wichtie Aspekte hinweist.

Menschen sind in hohem Masse betroffen

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in hohem Masse vom Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) betroffen. Im Interesse der Arbeitnehmenden hat syndicom in einer Resolution neun Prinzipien definiert, die beim Erarbeiten von KI-Geboten berücksichtigt werden müssen. In ihrer Resolution anerkennt syndicom das Potential von KI für den gesellschaftlichen Fortschritt, sofern diese zu Gunsten der Menschen eingesetzt wird und deren Wohlergehen im Vordergrund steht.

Arbeitszeitreduktion ohne Einkommenseinbusse gefordert

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und KI-Systemen birgt die Chance, das Verhältnis aller Lebensbereiche zueinander neu zu denken und zu gestalten. Daniel Hügli, Zentralsekretär des Sektors ICT von syndicom, meint dazu: „Der Einsatz von KI betrifft die Arbeitswelt und damit sehr direkt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In dieser Hinsicht erwartet syndicom, dass durch KI-Systeme erzielte Effizienzsteigerungen in der Arbeitswelt auch der Arbeitnehmenden zugutekommen.“ syndicom fordert deshalb eine Reduktion der Arbeitszeit ohne Einkommenseinbusse.

Einbezug der Arbeitnehmenden

Damit die Chancen von KI genützt und gleichzeitig die Risiken minimiert werden können, will auch syndicom die Entwicklung und Anwendung von KI verbindlich regeln. Deshalb begrüsst syndicom, dass sich der Bundesrat mit dem Thema beschäftigt und Leitlinien erlassen will. syndicom erwartet vom Bundesrat allerdings, die Gewerkschaften beim Erarbeiten dieser strategischen Leitlinien einzubeziehen.

Soziale Verantwortung wahrnehmen

Technologie ist nie neutral; sie wird in einem bestimmten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontext produziert. In diesem Sinne fordert Daniel Hügli: „Im Grundsatz gilt „Ethics by Design“. Das heisst, beim Design, bei der Entwicklung und Einführung sowie beim Einsatz von KI-Systemen muss zwingend die ethische und soziale Verantwortung wahrgenommen werden. KI-Systeme sollen transparent, verständlich, erklärbar und als solche erkennbar sein.“ Entscheidend in diesem Zusammenhang ist: Wenn KI-Systeme Menschen betreffen, sollen die Betroffenen das Recht haben, diese Entscheide anzufechten und durch einen Menschen prüfen zu lassen.
 

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