Buchrezension

Kommunikation im Zeitalter des Smartphones

Kommunikation im Zeitalter des Smartphones
© Novum Premium
Kommunikation im Zeitalter des Smartphones
Wer täglich mit dem Zug oder dem Bus unterwegs ist, kann es seit Jahren beobachten, aber auf dem Spielplatz, im Restaurant oder auf der Rolltreppe im Kaufhaus. Das Smartphone und der schnelle Wisch ersetzen Buch, Magazin und Zeitung und häufig auch die verbale Kommunikation. Es ist also ein Zeitgeist-Buch, das Christof Kaufmann in diesen Tagen vorlegt. Es heisst "Kommunikation im Zeitalter des Smartphones" und besteht aus zwei Teilen.

Einer philosophischen Annäherung an das Thema und einer Studie zu den Sozialen Medien speziell bei den 18- bis 25-Jährigen. Als CEO von WerbeWeischer in der Schweiz beschäftigt sich Kaufmann hauptberuflich mit Fragen der Kommunikation und wie Botschaften heute überhaupt noch Menschen erreichen. Als Vater ist er täglich mit dem veränderten Mediennutzungsverhalten von Teenagern und jungen Erwachsenen konfrontiert. Schon allein das Spannungsfeld macht das Buch lesenswert.

Das Buch
Buchcover
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Autor: Christof Kaufmann
Verlag: Novum
Seiten: 214
Preis: 23,20
Trotzdem ist das Werk keine leichte und vor allem auch keine schnelle Kost auf 214 Seiten, die Kaufmann serviert. Man sollte sich die Zeit für das Werk nehmen. Das Einlassen darauf lohnt sich. Weil das Buch keine Wanderung über altbekannte Positionen ist, sondern weil es Gedankenwelten eröffnet, die an der einen oder anderen Stelle unerwartet sind und deshalb inspirieren.


Statt einfach über das Aufkommen der Smartphones zu lamentieren, ergründet er die Funktion der mobilen Geräte mit philosophischen Ansätzen. Christof Kaufmann erwähnt beispielsweise Aristoteles, Epikus, Thomas von Aquin und den britischen Arzt und Vater des Liberalismus John Locke und stellt hier spannende Verbindungen her. Das Smartphone, mit dem sich die Welt mit wenigen Klicks erschließen oder mit wenigen Buchstaben via Twitter in ein geopolitisches Chaos stürzen lässt, ist eben kein nettes Nebenbei-Spielzeug, das man auch eben mal beim Autofahren zum Tippen  - was für ein Wahnsinn  - nutzen kann. „Es fordert das Individuum auf mehreren Ebenen“, wie Kaufmann schreibt. Wie sehr wird beispielsweise am Diskurs „Recht versus Recht“ deutlich, wenn also Artikel 19 der Menschenrechte, die Meinungsfreiheit, auf Artikel 12 trifft, in dem es unter anderem um den Schutz vor willkürlichen Eingriffen in das Privatleben geht.
Christof Kaufmann, CEO bei WerbeWeischer in der Schweiz und Buchautor
© Kaufmann
Christof Kaufmann, CEO bei WerbeWeischer in der Schweiz und Buchautor
Doch ist dieser Schutz überhaupt möglich in sozialen Netzwerken, die voll sind mit Hass-Tiraden, Gewaltfantasien und Mordandrohungen? Erst langsam denken die Plattformbetreiber um, noch langsamer, so scheint es, die Gesetzgebung. „Gesetze, die der speziellen Dynamik der Sozialen Medien gerecht werden, sind noch in den Kinderschuhen“, schreibt Kaufmann.  Denn statt zu Reflektieren, Innezuhalten und Einzuordnen fliegen Posts und Reposts durch das Netz. Oft fehlt die Zeit, Informationen nach Relevanz und Stimmigkeit zu überprüfen. Das begünstigt, wie Kaufmann sagt, locker mit der Wahrheit umzugehen und sich nicht mit den Auswirkungen auf andere zu beschäftigen.

Und das kann zu  einer gefährlichen Mischung aus Schnelligkeit und Explosivität werden. „Geschwindigkeit und Reichweite entwickeln sich durch das Internet und seine Tools eben nicht linear, sondern exponentiell“, sagt der Autor an einer Stelle.


Trotzdem ist das Buch kein Werk zum Schwarzsehen. Kaufmann wägt ab, beschreibt Veränderungen, nennt Risiken und Chancen, auch im Umgang mit den Tech-Konzernen. Sie zu mehr Verantwortung zu bringen - in und für eine globale Gesellschaft - wäre ein wichtiger Schritt. Wer das Buch gelesen hat, wird aber auch wissen, dass jeder Smartphone-Nutzer am Ende auch selbst gefordert ist. Ständige Selbstpräsentation in den Netzwerken oder Ruhe? Ruhe, um ein gutes Buch zu lesen beispielsweise. Einen Vorschlag hätte ich schon.

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