Blick am Abend

"Es ist uns nicht gelungen, die Leistung am Lesermarkt im Werbemarkt zu monetarisieren"

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Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, und Alexander Theobald, COO Schweiz Ringier und Geschäftsführer der Blick-Gruppe, geben Auskunft
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Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, und Alexander Theobald, COO Schweiz Ringier und Geschäftsführer der Blick-Gruppe, geben Auskunft
Ringier stellt aufgrund schwindender Werbeaufträge und schlechter Prognosen seine Gratiszeitung "Blick am Abend" ein, die seit 2008 erscheint. Christian Dorer, Chefredaktor Blick-Gruppe, und Alexander Theobald, Chief Operating Officer Schweiz Ringier AG und Geschäftsführer der Blick-Gruppe, erklären die Hintergründe und wie sie sich die Zukunft der Marke vorstellen. 

Schade, dass ein weiteres Print-Objekt den Schritt gehen muss, und vom Markt verschwindet. Wirtschaftliche Entwicklung und negativen Prognosen sind Anlass, diesen Schritt zu gehen, schreiben Sie in IHrer Mitteilung – ihre Werbeumsätze liessen also nicht mehr zu, „Blick am Abend“ in gedruckter Form weiter zu produzieren?
Alexander Theobald: Das ist korrekt. Die Werbeumsätze in der Schweiz gehen allgemein stark zurück und wir erleben gerade in den letzten Monaten eine Akzentuierung. Und da eine Gratiszeitung einzig von den Werbeumsätzen lebt, ist das dann natürlich doppelt schwer.



Sie schreiben in Ihrer Medienmitteilung, der Fokus liege nun auf dem digitalen Angebot der Marke, die vor allem in Social Media eine grosse Community aufgebaut habe. S hört sich für den Bereich positiv an. Aber offensichtlich reichen die Umsätze, die Sie mit digitaler Werbung generieren können, nicht aus, um die Verluste aus Print zu kompensieren?

Christian Dorer: Zunächst ist es ja keine publizistische Überlegung, die Printausgabe von „Blick am Abend“ einzustellen, sondern eine wirtschaftliche. Die Rolle des „Blick am Abend“ ist ja die, dass er ein sehr junges, urbanes Publikum anspricht. Für viele junge Leute ist der „Blick am Abend“ der Einstieg in die Marke Blick. Und wenn wir jetzt auf Social schauen, ist das eigentlich die Marke der Blick-Gruppe, die dort am stärksten ist. Und das wollen wir weiterführen. Wir haben ein vierköpfiges Online-Team, welches Inhalte für Online  und vor allem Social herstellt, wie Listicles und unterhaltende Stoffe. Für News ist dann Blick.ch die richtige Seite.

Und kommerziell?
Theobald:
 Alle unsere Social Media-Aktivitäten, zu denen auch Blick am Abend gehört, sind kostendeckend.  Und ich rechne damit, dass wir im nächsten Jahr damit Gewinn machen werden.



Ihre Print-Auflage ist ja in den vergangenen 5 Jahren gesunken, ist aber aktuell mit 228.114 Exemplaren und 550.000 Print-Lesern weiter sehr hoch. Es ist sicher bitter, dies einstellen zu müssen. Online haben Sie sich deutlich gesteigert. Aber mit 106.000 reinen Online-Lesern hat „Blick am Abend“ sicher noch Luft nach oben.

Theobald: Es ist wirklich schade, „Blick am Abend“ hat ein grosses Publikum erreicht und war dort auch beliebt. Aber es ist nicht gelungen, diese Leistung im Lesermarkt ausreichend im Werbemarkt zu monetarisieren.

Und wie schätzen Sie die Leserentwicklung Online ein?

Theobald: Wenn Sie sich die Reichweite der Website anschauen, ist das ausbaufähig. Wir leben hier sehr stark vom Traffic, der von Blick.ch herüberkommt. Was aber sehr spannend ist, wir sind im Bereich Social Media – was nicht in den offiziellen Statistiken auftaucht – sehr stark mit der Marke “Blick am Abend”, viel stärker als mit Blick. Das monetarisieren wir dann dementsprechend.

Dorer: Ein Paradox an dieser Stelle ist, dass wir mit „Blick am Abend“ ja ein sehr junges Publikum mit einer sehr traditionellen Form erreichen, miti Print. Und das ist vielleicht auch ein Grund, warum es zurückgegangen ist, weil junge Leute Medien anders konsumieren.  Online gibt es bei uns eine ganz klare Trennung zwischen Blick.ch als harte Newsseite und „Blick am Abend“ als Plattform für Spass und Unterhaltung, die ein ganz anderes Publikum anspricht. Deshalb sehen wir hier auch weiteres Potenzial.

11 festangestellte Mitarbeitende sind von der Restrukturierung betroffen – geht es um Mitarbeitende aus der Redaktion oder um die Verlagsseite?

Dorer: Es sind neun Redaktionsmitglieder und zwei Mitarbeitende des Verlags. Das Online-Team bleibt unverändert. „Blick am Abend“ hatte einen Tageschef, Korrektor, Bildredaktor, Produzenten – diese Stellen fallen weg. Die Inhalte wollen wir weitestgehend erhalten, weil die auch online erscheinen. Wir nutzen aber auch die Reorganisation im Newsroom, um  den Ablauf zu verändern und ,  punktuelle Anpassungen vorzunehmen. Zum Beispiel bei der Bildredaktion, die auch für die Bildbeschaffung zuständig ist. Das werden wir über die ganze Blick-Gruppe reduzieren,  so dass bestimmte Arbeiten von den Journalisten und Produzenten übernommen werden und die Bildredaktion nur noch spezielle Aufgaben übernehmen muss. So kommen wir am Ende auf die 9 Stellen im Newsroom. Interview: ems

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