Belästigungsvorwürfe SRG-Gesellschaften

Darius Rochebin entlastet - SRG setzt Massnahmen um

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Blick in die Runde von heute Morgen: Hier legt die SRG den Bericht der externen Untersuchungen zu erhobenen Belästigungsvorwürfen vor.
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Blick in die Runde von heute Morgen: Hier legt die SRG den Bericht der externen Untersuchungen zu erhobenen Belästigungsvorwürfen vor.
Darius Rochebin ist nach externen Untersuchungen von den gegen ihn kolportierten Belästigungsvorwürfen freigesprochen worden. Zwei andere Mitarbeiter sollen jedoch verwerfliche Handlungen begangen haben. In der heutigen Pressekonferenz gaben die SRG überdies bekannt, man werde nun über alle Unternehmenseinheiten hinweg ein Überwachungssystem nach dem Nulltoleranzprinzip installieren.

Anschuldigung in "Le Temps" als Ausgangspunkt

Die Ergebnisse der Untersuchungen, die nach einem Artikel in Le Temps über Fälle von Mobbing bei RTS durchgeführt wurden, bestätigen die von zwei Mitarbeitern begangenen Verfehlungen. Der ehemalige Moderator Darius Rochebin, dem unangemessenes Verhalten vorgeworfen wurde, ist jedoch freigesprochen worden. Die Anschuldigungen von "Le Temps" warfen landesweit hohe Wellen.

Abgang und Sanktion

Einer der beiden Mitarbeitenden, die Verfehlungen begannen haben, habe das Unternehmen verlassen und die andere Person habe eine formale Sanktion erhalten, sagte RTS in einer Erklärung am Freitag. Mit Bezug auf Rochebin hiess es, dass keine Beweise für sexuelle oder psychische Belästigung, Körperverletzung oder andere Straftaten festgestellt wurden.

Nachrichten-Chef kehrt nicht zurück

Bernard Rappaz, Chefredakteur der TV-Nachrichten, der sich während der Ermittlungen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, werde nicht ins Unternehmen zurückkehren. Eine Rückkehr habe Rappaz selbst als nicht realistisch erachtet, so RTS in seiner Pressemitteilung. Der Personalleiter verlässt seinen Posten.

Keine Konsequenzen für das RTS-Management

Was die weiteren Verantwortlichkeiten des RTS-Managements betrifft, so habe der derzeitige Leiter des Unternehmens, Pascal Crittin, in dieser Angelegenheit kein Fehlverhalten begangen. Es würden keine Massnahmen gegen ihn ergriffen und er sei seitens SRG-Verwaltungsrat auch nicht in Frage gestellt.
Pascal Crittin, Directeur Radio Télévision Suisse RTS
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Pascal Crittin, Directeur Radio Télévision Suisse RTS
Was den Direktor von RTS zum Zeitpunkt des Vorfalls, den jetzigen Generaldirektor der SRG Gilles Marchand, betrifft, habe er einen Fehler in seinem Verantwortungsbereich begangen. Laut Jean-Michel Cina war das jedoch "nicht gravierend" und der SRG-Verwaltungsrat sehe darin keinen Grund, arbeitsrechtliche Massnahmen zu ergreifen, hiess es an der Medienkonferenz. Crittin und Marchand entschuldigten sich bei den von den Belästigungen Betroffenen Personen.
Gilles Marchand, Generaldirektor SRG
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Gilles Marchand, Generaldirektor SRG
Der Verwaltungsrat zweifle nicht an der Integrität von Gilles Marchand. Man sei zuversichtlich, dass der CEO alles in seiner Macht stehende tun werde, um zukünftige Fälle zu vermeiden. "Gilles Marchand ist die richtige Person für die Leitung der SRG", sagte Jean-Michel Cina. Der Verwaltungsrat werde nun aber den laufenden Prozess zur Verbesserung des Schutzes der SRG-Mitarbeiter aufmerksam verfolgen, so Cina weiter.
Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident SRG
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Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident SRG

Mängel im System

Teil des Untersuchungsberichts sind die Ergebnisse aus der Analyse der bisherigen Instrumente der SRG. Diese erfolgt durch die Interne Revision SRG. Sie überprüfe, wie die heute zur Verfügung stehenden Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität der Mitarbeitenden funktionierten, ob sie genügend bekannt sind und genutzt werden und ob es weitere Instrumente für einen Unternehmenskultur-Wechsel braucht. Unterstützt werde die Interne Revision dabei von der externen Expertin Dr. Claudia Kaufmann. Die Untersuchungen seien zwar noch nicht abgeschlossen. Im Sinne eines Zwischenberichtes könne jedoch festgehalten werden, dass die heute im Unternehmen vorhandenen Instrumente zum Schutz der Mitarbeitenden haben Mängel aufzeigen würden.
Ursula Gut-Winterberger, Verwaltungsrätin SRG
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Ursula Gut-Winterberger, Verwaltungsrätin SRG

Null Toleranz-Politik

Der VR habe deshalb wichtige Stossrichtungen formuliert: Es werde eine klare Haltung zu einer Null Toleranz-Politik vertreten. Die Führungsverantwortlichen aller Stufen tragen die Verantwortung für das Thema. Es brauche ein offensives Angehen der Thematik mit entsprechender Präventionsarbeit, Sensibilisierung, Schulung und Information.

Duales Konzept

Es soll ein duales Beschwerde- und Beratungsangebot (interne Vertrauenspersonen und externe Ombudsperson) eingeführt werden. Mitarbeitende in Führungspositionen sollen durch ein obligatorisches Schulungsprogramm gezielt auf das Thema Belästigungen und den Umgang damit sensibilisiert werden. Für den Fall der Nichteinhaltung der neuen Bestimmungen sollen spezifische Sanktionen erlassen werden.  PDF mit Q+A zu den Untersuchungen Belästigungsvorwürfe RTS & RSI






 

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