Alles auf einen Streich

Stadt Bern schreibt erstmals fast 950 Plakate in drei Losen aus

Plakatstellen wie hier am stark frequentierten Berner Bahnhofplatz warten noch bis Ende Januar 2019 auf Neuofferten durch Plakatfirmen.
© BernMobil
Plakatstellen wie hier am stark frequentierten Berner Bahnhofplatz warten noch bis Ende Januar 2019 auf Neuofferten durch Plakatfirmen.
Drei achtjährige Plakatkonzessionen mit insgesamt 941 Flächen – das hat derzeit die Stadt Bern zu vergeben. Erstmals schreibt sie für 2020 bis 2027 alle Stellen auf öffentlichem Grund, alle Citypläne samt zwei digitalen Pilotflächen und alle Flächen an Haltestellen von BernMobil auf einmal aus.
Bisher wurden die Plakatflächen auf öffentlichem Grund, an den Cityplänen und jene an den Haltestellen von BernMobil jeweils von der Fachstelle Beschaffungswesen in der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bern separat ausgeschrieben. Neuerdings vergibt die Verwaltungsstelle nun aber alles auf einmal. Sie macht dies zudem erstmals in drei Losen mit den etwas gestelzten Namen "Sondernutzungskonzession für die Plakatierung auf öffentlichem Grund", "Sondernutzungskonzession für die Plakatierung im Bereich von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Bern" und "Sondernutzungskonzession betreffend Erstellung und Betrieb der City-Pläne". Diese drei Ausschreibungen hat die Fachstelle bereits am 31. Oktober publiziert.

Eingabefrist läuft bis Ende Januar 2019

Bisher hatten die drei Konzessionen teils unterschiedliche Laufzeiten. Auch das wird nun anders: Sie wurden harmonisiert, so dass sie jetzt alle per 31. Dezember 2019 enden, erklärt Marietta Weibel, Leiterin der Fachstelle Beschaffungswesen, auf Anfrage. Möglich wurde das, indem der bisherige Vertrag mit der APG für die Plakatstellen auf öffentlichem Grund nicht wie ursprünglich vorgesehen Ende 2018 abläuft, sondern um ein Jahr verlängert wurde. "Damit werden ab 1. Januar 2020 alle Arbeiten betreffend Plakatierung auf öffentlichem Grund zeitlich und inhaltlich vereinheitlicht ablaufen", schreibt Weibel.


Gemäss Ausschreibungsunterlagen haben interessierte Firmen Zeit, bis zum 21. November 2018 Fragen an die Fachstelle zu richten. Ihre Offerten müssen sie dann bis zum 30. Januar 2019 einreichen.

Bern ziegt sich zurückhaltend in Sachen DOOH-Stellen

Um wie viele Werbeflächen es sich handelt, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Auf Anfrage von HORIZONT Swiss macht Weibel aber folgende Angaben: Auf öffentlichem Grund kommen 689 Stellen in den Formaten F4, F200, F12 und F24, darunter auch einige hinterleuchtete und sechs Rollingstars. Digitale Stellen sind jedoch nicht darunter und in Zukunft auch nicht vorgesehen.

Auch die Citypläne bleiben DOOH-frei: Ausgeschrieben wurden 55 Standorte, deren Rückseite als hinterleuchtete F200-Werbeflächen dienen, darunter 27 Rollingstars (50%). Anders ist die Situation hingegen an den Haltestellen von BernMobil. Zwar gelangen "bloss" 197 hinterleuchtete F200-Flächen zur Ausschreibung, doch jene Firma, die dann den Zuschlag erhält, verpflichtet sich, zu einem späteren Zeitpunkt während sechs Monaten zwei digitale Pilotanlagen zu unterhalten und zu bewirtschaften. Dies hält Weibel auf Anfrage fest. Zudem behalte sich die Stadt Bern vor, nach diesem Versuch und noch während der achtjährigen Konzessionsdauer "maximal 30 Haltestellen-Plakate in eine neue Sondernutzungskonzession 'digitale Werbeträger'" zu überführen. Damit ist klar: Beim aktuellen DOOH-Hype unter den Aussenwerbern dürfte die Ausschreibung der Haltestellen-Flächen bei den diversen Aussenwerbern auf das weitaus grösste Interesse stossen.

Deutliche Mehreinnahmen zu erwarten

Eine Stadt, die eine Plakatkonzession ausschreibt, erwartet in der Regel höhere Einnahmen. Diese waren in Bern bisher eher tief: In den Jahren 2011 und 2012 betrugen sie insgesamt rund 1,4 Millionen Franken pro Jahr, stiegen dann gemäss Weibel in der Periode 2013 bis 2015 auf je 1,7 Millionen Franken, um dann 2016 und 2017 auf rund 1,6 Millionen Franken jährlich zu sinken. Konzessionäre sind aktuell die APG (auf öffentlichem Grund, Citypläne) und Clear Channel (BernMobil-Haltestellen). Zum Vergleich: BernMobil nahm 2017 allein durch Werbung in und an seinen Fahrzeugen 2,7 Millionen Franken ein, 2016 waren es 2,9 Millionen Franken. Doch zu den Erwartungen der Stadt will sich Weibel nicht äussern: "Erst die konkreten Angebote werden darüber Aufschluss geben, ob Mehr- oder Mindereinnahmen für die Stadt Bern zu erwarten sind", schreibt die Fachstellen-Leiterin.


In der Vergangenheit kam es bei Plakatausschreibungen immer wieder zu Rechtshändel, vor sieben Jahren auch in Bern. Deshalb stellt sich die Frage: Was kehrt die Stadt Bern vor, um solches diesmal möglichst zu vermeiden? Dazu Weibel: "Die klare und transparente Ausschreibung soll dazu beitragen, das Risiko von Beschwerdefällen massgeblich zu vermindern." Tatsächlich legt die Fachstelle schon in der publizierten Ausschreibung die Zuschlagskriterien deatilliert offen: So wird etwa die offerierte Abgabe mit 80 Prozent gewichtet, "Innovation" und "Nachhaltigkeit" mit je 10 Prozent. Sogar eine Bewertungsmatrix für die Benotung dieser Kriterien wurde publiziert. knö 

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