Analyse

Konzessionierte Privat-TVs erreichen ihr Publikum immer weniger

© Mediapulse / knö
Die Privat-TVs mit Leistungsauftrag haben in den letzten Jahren immer mehr Gebührengelder erhalten und fordern in Zukunft noch mehr, ihr potentielles Publikum erreichen sie aber immer weniger, jedenfalls am Bildschirm in der Stube. Allerdings gibt es zwei bis drei Ausnahmen.
Fast 8.9 Millionen Personen könnten die konzessionierten Privat-TVs täglich mit ihren Programmen erreichen. Theoretisch. Denn so viele Einwohner hat die Schweiz (noch) gar nicht. Die 8.9 Millionen Menschen ergeben sich, wenn man die Einwohnenden aller 13 Konzessionsgebiete zusammenrechnet. Weil Letztere sich aber teilweise überlappen, kommt es zu Doppelzählungen. Effektiv leben derzeit gegen 7.4 Millionen Personen ab 3 Jahren in Schweizer Haushalten mit TV-Anschluss.


Trotzdem: Von ihrem grossen Potenzial holen die 13 Privat-TVs derzeit zusammen bloss 6 Prozent ab, vor vier Jahren waren es noch 7.6 Prozent. Das geht aus den Zahlen hervor, die die TV-Forschung Mediapulse am 10. Juli veröffentlicht hat. Und selbst wenn es man es ohne Doppelzählung rechnet, sieht die Situation nicht wesentlich besser aus: Demnach erreichen die Privat-TVs noch 7.2 Prozent der Bevölkerung, während sie 2014 immerhin 9.5 Prozent erreicht haben. 

Ein Fünftel der Zuschauer verloren

In absoluten Zahlen heisst das: Von den (fiktiven) 8,9 Millionen potenziellen Zuschauern schalten täglich 532.000 Personen ein oder mehrere Privat-TVs ein, 2014 waren es noch 120.000 Personen mehr. In der selben Zeit hat aber das potenzielle Publikum um 259.000 Personen zugenommen.

Man kann es auch anders drehen: Obwohl das Zuschauerpotenzial um 3 Prozent zugenommen hat, erreichen die Privat-TVs heute 18 Prozent weniger Personen als noch vor vier Jahren – ein Verlust von einem Fünftel! Nebenbei: Die obestehende Grafik ist hier als PDF downloadbar.

Verluste von 8 Sendern über dem Durchschnitt

Schaut man die Situation der einzelnen Sender in deren Konzessionsgebiet an, sieht es nicht besser aus: Mit Ausnahme der Sender Tele M1 und Canal 9 haben alle Privat-TVs in den letzten vier Jahren Zuschauer verloren – die Verluste bewegen sich zwischen -65 Prozent (Tele Top) und -5 Prozent (TeleTicino). In derselben Zeit verzeichneten aber fast alle Konzessionsgebiete einen Bevölkerungszuwachs von 2 bis 5 Prozent, einzig in der Nordwestschweiz (TeleBasel), im Berner Seeland (TeleBielingue) und in der Ostschweiz (TVO) reduzierte sich das Zuschauerpotenzial leicht um 1 bis 3 Prozent.


Deutlich wird auch: Von den 13 konzessionierten Sendern liegt der Zuschauerverlust bei 8 Stationen teils sehr deutlich über dem Durchscnitt von -18 Prozent, drei liegen darunter und zwei weisen keine Verluste aus.

Nur Canal 9 macht seine Sache wirklich gut

Damit kommen wir zur positiven Seite dieser Analyse: Ein Sender, nämlich Tele M1, konnte seine Zuschauerzahlen ziemlich genau halten, was allerdings wegen des um 5 Prozent gestiegenen Potenzials letztlich doch ein Rückgang darstellt. Wirklich positiv abgeschnitten hat einzig der Westschweizer Sender Canal 9, dessen Zuschauerwachstum (+13 Prozent) das Bevölkerungswachstums (+4 Prozent) bei weitem übertraf. Wichtig dabei: Bei Canal 9 ist das kein momentaner Hype, sondern das Publikum nimmt – inklusive Schwankungen – über die Jahre kontinuierlich zu.

Betrachtet man die Entwicklung nur über die letzten ein bis zwei Jahre, sieht die Entwicklung bei den Privat-TVs allerdings etwas weniger düster aus. Denn 2016 war der absolute Tiefpunkt, was die Zuschauerzahlen anbelangt, seither sind sie schweizweit wieder leicht gestiegen (je nach Semester um 4000 bis 16.000 Personen pro Tag). Einen echten Aufwärtstrend weist allerdings nur TeleBasel aus, andere wie TSO, TVO, Canal 9 und La Télé blieben in dieser Zeit immerhin stabil bis leicht steigend.

Tele Basel hat sich offensichtlich seit seinem Relaunch, bei dem vor allem der Onlinebereich ausgebaut wurde (was viele TV-Zuschauer kostete) wieder etwas auffangen können: Mit heute 44.000 täglichen Zuschauern verzeichnet der Sender zwar immer noch 16.000 Personen weniger als vor vier Jahren, doch den bisherigen Tiefpunkt mit 31.000 Zuschauern im 1. Semester 2016 konnte man deutlich hinter sich lassen. knö
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