Änderungen an der MACH Basic

Wemf-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber entschuldigt sich

Jürg Weber, Verwaltunsgratspräsident der Wemf, am gestrigen Medienforschungstag: "Wir entschuldigen uns."
Markus Knöpfli, © knö.
Jürg Weber, Verwaltunsgratspräsident der Wemf, am gestrigen Medienforschungstag: "Wir entschuldigen uns."
Im Oktober hat die Wemf die Befragungszeitraum bei der MACH Basic von bisher einem Jahr auf zwei Jahre ausgedehnt – ohne Agenturen und Auftraggeber zu informieren. Am gestrigen Medienforschungstag hat sich nun Wemf-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber für die mangelhafte Information kurz entschuldigt.
Es war ein völlig eigenmächtiges Vorgehen, das die Wemf, vor allem aber ihre Besitzer, die Verleger, im letzten Oktober an den Tag legten (HORIZONT Swiss berichtete und kommentierte): Bei der Leserschaftsforschung MACH Basic – und notabene auch bei der Kinoforschung MACH Cinema – dehnten sie kurzerhand den Befragungszeitraum von bisher einem auf zwei Jahre aus, was eine stabilisierende Wirkung auf die ausgewiesenen Zahlen hat. Und die so gestreckten Zahlen, die nicht mehr mit dem Vorjahr, sondern nur noch mit dem Vorvorjahr, also der Studie 2016-2, vergleichbar sind, haben die Verleger auch gleich als neue Währung publiziert.



Am gestrigen Medienforschungstag, durchgeführt von der Wemf, kam Wemf-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber deshalb in seinem Eingangsreferat auf diesen Entscheid zu reden. "Wir wissen, dass das nicht überall gut angekommen ist. Und ich glaube: Im Nachhinein müssen wir uns selber an den Ohren nehmen, weil wir schlecht und ungenügend informiert und die Kunden zu wenig abgeholt haben. Dafür möchten wir uns entschuldigen."

Aber am Vorhaben selbst will man festhalten

Mehr sagte er dazu nicht. Vielmehr schwenkte Weber gleich wieder um: Inhaltlich gesehen sei die Wemf überzeugt, den richtigen Schritt gemacht zu haben. Denn es gelte, in einer Branche, der immer weniger Geld zur Verfügung stehe, die Währung langfristig stabil zu halten. "Deshalb müssen wir effektiver werden, auch wenn das nicht immer so gut ankommt."

Ähnlich liess sich auch Wemf-Forschungsleiter Harald Amschler am Ende der Tagung verlauten. "Mit der Verlängerung der Basis für unsere Auswertungen von einem auf zwei Befragungsjahre schaffen wir die Möglichkeit, die jährliche Anzahl der MACH Basic-Interviews von heute 19.000 auf 15.000 Interviews zu senken", sagte er. Das Ziel sei, die MACH-Studien als wichtige Informationsquellen nachhaltig zu sichern. Um das zu erreichen, wolle die Wemf die Forschungskosten senken, gleichzeitig aber die Forschungsqualität erhalten und den Nutzen für die Anwender erhöhen. Zudem wolle sie den Anschluss an die Forschung des SMDH gewährleisten.

Einen Branchen-Konsens hält die Wemf für wichtig

Auf Nachfrage von Moderator Markus Spillmann gestand dann allerdings auch Amschler, dass die Wemf nach dem selbstherrlichen Entscheid im Oktober zumindest eines gelernt habe: "Jede Währungsstudie lebt davon, dass sie im Konsens erstellt wird." Das bedeute, dass die Wemf nun mit ihren Marktpartnern reden müsse. "Das ist kein Lippenbekenntnis", sagte Amschler mit Nachdruck. Allerdings habe die Wemf "ganz klare Vorstellungen, was wir machen müssen". Deshalb sei die Ausdehnung der Berechnungsbasis auf zwei Jahre bereits "zum Leidwesen unserer Marktpartner" eingeführt worden, die zweite Massnahme hingegen, die Reduktion der Stichprobe auf 15.000, sei erst auf den Beginn des kommenden Befragungsjahres im April 2019. "Aber über den Zeitplan lasse sich mit den Marktpartnern noch reden", fügte er noch an.

"Print bestätigt seinen Ruf"

Unmittelbar vor Amschlers Auftritt war die Wemf während einer Podiumsdikussion noch heftig kritisiert worden – von Monica Jäggi, Inhaberin und CEO der Mediaagentur Konnex. Auf die "wehmütige" Frage von Moderator Spillmann, ob denn das klassische Printgeschäft wirklich dem Tod geweiht sei, sagte sie: "Es ist in der Tat so, dass wir sehr viel Mühe haben, unsere Kunden davon zu überzeugen, dass Print immer noch eine Bedeutung hat. Deshalb helfe auch die neuste Entscheidung der Wemf, die Befragungsbasis von einem auf zwei Jahre auszudehnen, nicht wirklich, für Print zu argumentieren. Sie selbst könne zwar gewisse Argumente für die Massnahme durchaus nachvollziehen, meinte Jäggi weiter. "Aber wenn in den andern Mediengattungen die Forschung schneller und aktueller wird, dann bestätigt Print mit den Massnahmen halt einmal mehr seinen Ruf, irgendwie alt und veraltet zu sein." Auf jeden Fall würden die Agenturen künftig noch mehr Mühe haben, ihre Kunden von de Printmedien zu überzeugen, "auch wenn Print in gewissen Zielgruppen und in gewissen Bereichen nach wie vor sehr grosse Stärken hat". knö


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