Admeira

Was der Markt zur Ringier-Übernahme sagt

   Artikel anhören
Bei Admeira brechen nach der Übernahme durch Ringier neue Zeiten an
© Admeira
Bei Admeira brechen nach der Übernahme durch Ringier neue Zeiten an
Das war gestern eine der grossen Branchennachrichten. Ringier übernimmt Admeira komplett, die Swisscom steigt bei der Werbevermarkterin aus. Es ist das Ende eine amibionierten Projektes. Doch für den Markt bedeutet die Veränderung indessen keine Revolution, so jedenfalls der Tenor einer HORIZONT Swiss-Umfrage in der Branche.
Das Projekt Admeira ist Geschichte. Vor viereinhalb Jahren bildeten SRG, Swisscom und Ringier die Werbeallianz. Im Juni 2018 verabschiedete sich die SRG, gestern nun die Swisscom. Zwischenzeitlich hielt sich auch das Gerücht, das Ringier sich trennen will. Nun kommt es völlig anders. Ringier übernimmt alles, richtet das Unternehmen neu aus. Admeria soll sich auf die TV-Vermarktung konzentrieren, die Print- und Digitalwerbung wandern samt ihren Teams zu Ringier. Doch was bedeutet die Übernahme für den Markt? Und wie sehen Schweizer Branchenentscheider die Entwicklung?


"Die jüngste Neuorientierung bei Admeira zeigt die Komplexität in der Medienvermarktung auf", sagt beispielsweise Roland Ehrler auf Anfrage von HORIZONT Swiss. Für den Geschäftsführer des wichtigen Kundenverbands SWA macht der neue Fokus von Admeira auf die TV-Vermarktung durchaus Sinn, auch wenn das ein Schritt zurück zur alten 'Publisuisse' ist." Allerdings habe diese Firma ja der SRG gehört.  Aus Ehrlers Sicht sollten die bisherigen crossmedialen Angebote für die Werbeauftraggeber beibehalten werden. "Das geht ja auch ohne Beteiligungen". Eines ändert sich für SWA-Geschäftsführer durch die Konzentration ohnehin nicht. "Der SWA erwartet von allen Vermarktern attraktive Angebote und den Beweis, dass sich Werbeinvestitionen lohnen. Daran ändert diese jüngste Veränderung im Schweizer Werbemarkt nichts." Bei den TV-Vermarktern sieht man durch die Entwicklung keine Auswirkungen, "da Admeira – wie bereits bisher – die Vermarktung der auch in der Vergangenheit bereits vermarkteten Sender beibehält", wie ein Marktbeobachter erklärt, der aber nicht zitiert werden will.

Dass er mit dieser Ansicht nicht falsch liegt, bestätigt Thomas Warring. Der Rivella-Marketingchef hält die Auswirkungen der Übernahme für überschaubar. "Bei gegebenem Strategie-Fit werden wir die von Admeira angebotenen TV-Bewegtbild Platformen über diesen Vermarkter buchen", kündigt er an. Und weiter. "Bei Bedarf werden wir für digital journalistischen Content auf den Ringier Plattformen mit diesem Team in Kontakt treten."


Derweil verweist Michi Frank auf die eigene Ausrichtung. "Als Teil der neuen TX Group-Struktur positioniert sich Goldbach als innovative Akteurin im Werbemarkt mit einem umfassenden 360-Grad-Angebot in allen Bereichen", sagt der  CEO Goldbach Group AG. Die Übernahme nehme das Unternehmen zur Kenntnis und wolle die Neupositionierung beobachten. Daraus könnten sich auch andere Konstellationen ergeben: "Um längerfristig gegenüber der amerikanischen Konkurrenz bestehen zu können, werden wettbewerbsfördernde Kooperationen mit anderen Partnern zunehmend wichtiger", sagt Frank.

Ein Branchenkenner, der anonym bleiben will, sagt: "Es war von Anfang an klar, dass die Admeira-Leute scheitern werden. Nicht, weil sie es schlecht gemacht haben. Sondern, weil keiner diesen Multichannel-Ansatz will. „One-Stop-Shop“ funktioniert nicht und es wird nicht funktionieren. Kunden und Agenturen mögen sich in Gesprächen wohlwollend äussern. Aber in der Praxis, wenn es konkret um die Kampagnenplanung geht, wollen sie das Spezialistenwissen. Es gibt diese Personen aber nicht, die in dieser Breite über Spezialistenwissen verfügen. Von 500 Kunden mag das für drei relevant sein. Von daher ist dieser Schritt jetzt keine Überraschung."
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats