TV-Zuschauer 2014 - 2016

Regional-TVs auf einem Tiefpunkt – nur Tele M1 und Canal 9 konnten ihr Heimpublikum halten

Einige der Schweizer Regional-TVs: Viele haben in den letzten drei Jahren stark an Reichweite verloren.
Einige der Schweizer Regional-TVs: Viele haben in den letzten drei Jahren stark an Reichweite verloren.
In den Heimmärkten der 13 Regional-Fernsehsender sieht es so schlecht aus wie noch nie seit der Einführung der neuen TV-Messung: Die meisten Sender verlieren in ihrem Konzessionsgebiet Zuschauer, teils im zweistelligen Prozentbereich. Nur wenige konnten sich stabil halten – zwei stürzten regelrecht ab.
Den RegionalTVs laufen die Zuschauer in den eigenen Konzessionsgebieten davon. Rechnet man die Nettoreichweiten der 13 von Mediapulse ausgewiesenen Sender zusammen, ohne die Doppel- oder Mehrfachseher rauszufiltern, generierten die regionalen TV-Sender im 2. Halbjahr 2016 125.000 Zuschauer weniger (-19 Prozent) als im 1. Halbjahr 2014 (vorher liessen sich die meisten Sender nicht von Mediapulse ausweisen). Dabei gab es in dieser Zeit fast keine oder nur kleine Auf und Abs, die Entwicklung in den Konzessionsgebieten zeigt auch bei den einzelnen Sendern recht linear nach unten.

Anders gesagt: Kaum ein LokalTV hat heute in seinem Heimmarkt mehr Zuschauer als vor drei Jahren. Mit zwei Ausnahmen: Tele M1 wies im 2. Semester 2016 2500 Zuschauer mehr aus als im 1. Semester 2014 und konnte sich übers Ganze gesehen stabil halten. Ebenfalls stabil geblieben ist Canal 9, der bloss 400 Personen weniger zählt als vor drei Jahren.
Quelle: Mediapulse Fernsehpanel, 1.7. - 31.12.2014, Total Personen 3+ (mit Gästen), 24h, all Platforms, Overnight +7, jeweilige Konzessionsgebiete
Quelle: Mediapulse Fernsehpanel, 1.7. - 31.12.2014, Total Personen 3+ (mit Gästen), 24h, all Platforms, Overnight +7, jeweilige Konzessionsgebiete (© knö.)
Alle anderen Sender haben heute in ihrem Konzessiongebiet zwischen 2.600 und 34.800 Zuschauer weniger. Spitzenverlierer im langfristigen Vergleich ist TeleTop (-66 Prozent), gefolgt von TeleBasel (-48.2 Prozent) und TeleBielingue (-41 Prozent), dann kommen Léman bleu (-27.1 Prozent) und Tele Südostschweiz (-18 Prozent). Die kleinsten Verluste weisen dagegen Canal 9 (-1 Prozent), Tele 1, Canal 9 und Tele Ticino (je -7 Prozent) aus.

Tele Top und Tele Basel verlieren deutlich an Boden

Zwei Sender stechen jedoch besonders heraus: Das ist zum einen Tele Top, der über drei Jahre hinweg kontinuierlich fast zwei Drittel seines Heimpublikums verloren hat. Dramatisch. Ähnlich dramatisch ist die Situation von TeleBasel: Dieser Sender hat innert der letzten zwei Jahre fast 50 Prozent seiner Zuschauerschaft verloren. Dabei gehörte der Sender am Rheinknie lange zur Spitze unter den RegionalTVs. Noch im ersten Halbjahr 2015 fand er sich punkto Reichweite im Konzessionsgebiet (60.000 Zuschauer), Nutzungszeit (14.7 Minuten) und Marktanteil (1,3 Prozent) auf den Rängen 3, 2 und 1 der Regionalsender. Seither aber gab er rasant nach und kommt jetzt noch auf 30.900 Zuschauer und einen Marktanteil von 0,4 Prozent – und dies trotz (oder wegen) eines Neukonzepts, das anfangs 2016 umgesetzt worden war. Bei diesem Neukonzept setzte TeleBasel verstärkt auf Online.

Offen bleiben muss deshalb, ob TeleBasel nun häufiger auf mobilen Geräten (Tablets, Smartphones) genutzt wird. Das geht jedenfalls nicht aus den Mediapulse-Zahlen hervor. Da sich aber die Website telebasel.ch nicht von der Internetforschung NET-Metrix ausweisen lässt, kann dazu keine unabhängige Aussage gemacht werden.

Andrerseits hat auch Tele Ostschweiz fast gleichzeitg eine Onlinestrategie eingeschlagen – und ist bei den Mediapulse-Zahlen trotzdem nicht derart stark eingebrochen. Kurz: Die Gründe für die Probleme von TeleBasel müssen andernorts liegen. Kommt hinzu: Im Juli 2016 – TeleBasel hatte erst ein Viertel seines Publikums verloren – hatte Geschäftsführer Dominik Prétôt gegenüber HORIZONT Swiss davon gesprochen, dass die Zahlen seit März 2016 wieder zunehmen würden. Machte er damals auf Zweckoptimismus? Oder sass er bloss einem Zwischenhoch auf? Vermutlich Letzteres. Jedenfalls sagte er am Samstag gegenüber der "Basellandschaftlichen Zeitung", sein Sender habe im Sommer eine weitere "harte Durststrecke" hinnehmen müssen. Mittlerweile aber habe man beim Programm Anpassungen vorgenommen. Er habe nicht den Eindruck, das Publikum weiterhin gegen sich zu haben, sagte Prétôt. – Nur hat ihn dieser Eindruck schon einmal getäuscht.

Verluste auch ausserhalb des Heimmarkts

Die Zuschauerzahlen in de Konzessionsgebieten sind nicht die ganze Wahrheit bei den RegionalTVs. Alle haben auch ein Publikum ausserhalb ihres Heimmarkts, doch nehmen dort die Fans in der Regel auch ab. Teils sogar noch stärker als "zu Hause". Doch in Einzelfällen ist die Entwicklung auch umgekehrt. So kann das zweisprachige Canal 9 in beiden Sprachregionen, aber ausserhalb seines Zielgebietes, deutlich Zuschauer gewinnen, auch Canal Alpha wächst ausserhalb seines eigentlichen Verbreitungsgebiets. Ein leichtes Plus verzeichnet auch Tele Bielingue, aber nur in der weiteren Deutschschweiz. 
knö
Quelle: Mediapulse Fernsehpanel, 1.7. - 31.12.2014, Total Personen 3+ (mit Gästen), 24h, all Platforms, Overnight +7, nach jeweiliger Sprachregion
Quelle: Mediapulse Fernsehpanel, 1.7. - 31.12.2014, Total Personen 3+ (mit Gästen), 24h, all Platforms, Overnight +7, nach jeweiliger Sprachregion (© knö.)

 



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