Serge Reymond zum Zeitungstausch

"Blochers Zahlen zur BaZ waren mir in dieser Form nicht bekannt"

Serge Reymond, bei Tanmedia Leiter Bezahlmedien.
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Serge Reymond, bei Tanmedia Leiter Bezahlmedien.
Serge Reymond ist Leiter Bezahlmedien bei Tamedia und damit direkt in den Deal mit der "Basler Zeitung" involviert. Im Interview erklärt er, dass er glaubt, einen Teil der vielen verlorenen BaZ-Nutzer wieder zurückholen zu können, wie er die von Blocher publizierten BaZ-Zahlen beurteilt, warum er Chefredaktor Markus Somm noch ein halbes Jahr weiter arbeiten lässt und weshalb Tamedia Blocher hilft, eine Reichweiten-Konkurrenz zum Metropool aufzubauen.

Die Reichweite der BaZ ist seit Christoph Blochers Einstieg ganz grob gerechnet um gut 40 Prozent gesunken. Wie sanieren Sie nun die Reichweiten der BaZ? Es ist wichtig, den Leserinnen und Lesern einen echten Mehrwert zu bieten. Inhaltlich geht es darum, die Leute gut zu informieren, damit sie sich eine eigene Meinung bilden können. Gleichzeitig wollen wir den Nutzern neue Werkzeuge in Form von Apps in die Hand geben. Einige davon haben wir bereits im Einsatz, und auch die BaZ wird davon profitieren können. Weiter bieten wir neue Abo-Formen an – Tagesabos, Monatsabos etc.

Die BaZ hat jetzt 99.000 Printleser und mit den Internet-Usern insgesamt 150.000 Nutzer der Marke BaZ. Lässt sich diese Zahl wieder anheben? Ja. Das ist mein Ziel.

Von wie viel gehen Sie aus? Das kann ich noch nicht sagen, denn das Nutzungsverhalten der Leute ändert sich sehr, sehr schnell, weshalb wir unsere Angebote immer wieder anpassen müssen. Das ist die Herausforderung. Doch wenn wir bei Tamedia alle Kräfte bündeln, bald vielleicht schon zusammen mit der “Basler Zeitung”, dann schaffen wir einen echten Mehrwert und ich bin sicher, die Leserinnen und Leser werden unsere Angebote kaufen.

In Basel unterscheidet sich die Situation insofern von andern Märkten, als ein Teil der BaZ-Leser dem Blatt aus weltanschaulichen Gründen und nicht nur wegen dem Konsumverhalten den Rücken gekehrt haben. Werden Sie auch diese zurückholen können? Ich hoffe es. Aber wir müssen ein gutes Angebot liefern, sowohl im publizistischen Bereich als auch Sachen Technologie und Marketing, danach können die Baslerinnen und Basler entscheiden.

Etwa 40 Prozent der BaZ-Leserschaft ist in den letzten acht Jahren abgesprungen, so viel wie bei keiner anderen Deutschschweizer Zeitung. Warum lassen Sie Markus Somm und sein Team noch ein weiteres halbes Jahr Reichweiten killen? Die Leser- und Auflagezahlen sind leider bei den meisten Zeitungen rückläufig, nicht nur in Basel. Aber wir müssen nun so oder so zuerst den Entscheid der Weko abwarten, vorher können wir gar nichts unternehmen. Zudem werden wir sorgfältig prüfen, wie die "Basler Zeitung" in Zukunft mit unseren anderen Tageszeitungen zusammenarbeiten kann. Das braucht Zeit. Wir können nicht von einem Tag auf den andern entscheiden. Auch die Kontinuität ist wichtig in diesem Markt, deshalb bin ich froh, dass Markus Somm die "Basler Zeitung" in dieser Übergangsphase begleiten wird.

Suchen Sie jetzt schon einen neuen Chefredaktor? Das wird eine Aufgabe des Verlegers sein.

Was geschieht mit der übrigen Redaktion? Wird einigen Leuten aus politischen oder qualitativen Gründen gekündig? Wir pflegen bei Tamedia eine Vielfalt an Meinungen, wichtig ist vor allem guter Journalismus. Zuerst müssen wir eine neue Chefredaktorin oder einen neuen Chefredaktor haben. Es liegt an der Chefredaktion, das Team zusammen zu stellen. Bei der Baser Zeitung arbeiten gute Journalistinnen und Journalisten, die Marke “Basler Zeitung” ist gut, die Stadt Basel ist wirtschaftlich stark und es gibt viel Potenzial. Und die BaZ passt gut zu unseren andern Zeitungen.

Heute hat Herr Blocher erstmals Zahlen zur BaZ bekannt gegeben. Demnach erwirtschaftete die BaZ letztes Jahr einen Gewinn von 4,2 Millionen Franken, bei einem Umsatz von 39,5 Millionen Franken. Die BaZ stehe auf gesunden Beinen, sagt er. Können Sie das bestätigen? Ja, die BaZ ist eine tolle Marke und der Basler Markt ist interessant, aber der Trend ist insbesondere bei den Werbeeinnahmen leider wie überall negativ.

Die Basler Zeitung in Zahlen ab 2012 - gemäss Blocher

JahrUmsatz in CHFErgebnis in CHFMarge in %Vollzeitstellen
201272.131 Mio-7.775 Mio-10.8231
201362.692 Mio.-1.125 Mio-1.8155
201452.112 Mio+1.320 Mio+2.5147
201547.974 Mio+6.318 Mio+13.1124
201643.505 Mio+5.006 Mio+11.5107
201739.481 Mio+4.203 Mio+10.684
2018*36.5 Mio+5.011 Mio+13.782
* Budget
Quelle: Zeitungshaus AG
Ist die BaZ gesund? Wirtschaftlich? Es gibt Verbesserungspotenzial. Ich bin überzeugt, dass wir mit der BaZ unter dem Dach von Tamedia auch neue Angebote schaffen können.

Sie sagen nicht ja oder nein. Herr Blocher und Rolf Bollmann, VR-Präsident der Zeitungshaus AG, behaupten, die BaZ sei eine gesunde Firma. Ich kenne die Details nicht, die heute verteilten Zahlen waren mir in dieser Form nicht bekannt...

Aber Sie haben doch eine Due Dilligence gemacht… Ich spreche nicht über Zahlen.

Herr Bollmann behauptet auch, die BaZ habe noch immer ein zweistelliges Millionen-Budget? Trifft das zu? Ich habe die Details nicht im Kopf, aber das kann durchaus stimmen.

Die Zeitungshaus AG kommt künftig mit den Tamedia-Gratiszeitungen und den weiteren im Swissregio-Kombi assoziierten Titeln auf rund 1,4 Millionen Print-Leser. Der gesamte Metropool (inkl. Romandie und Tessin) erreicht gleich viele Personen, Tendenz allerdings sinkend. Warum hilft Tamedia mit dem Zeitungstausch aktiv mit, einen ähnlich starken Konkurrenten im Werbemarkt aufzubauen? Der Metropool fokussiert auf das Segment der regionalen Tageszeitungen, die Zeitungshaus AG spricht mit ihren Anzeigern eine ganz andere Leserschaft an.

Trotzdem – Sie bauen nun eine direkte Konkurrenz auf. Ja, aber jedes Angebot – sei es der Metropool oder die Zeitungshaus AG – hat ein eigenes Profil. Die Werbekunden kaufen nicht nur Anzahl Leser, sondern sie kaufen auch den Zugang zu einer bestimmten Leserschaft. Zudem sind wir im digitalen Bereich wesentlich stärker aufgestellt.

Und Sie gehen davon aus, dass Sie damit gegenüber der Zeitungshaus AG und ihrem Kombi punkten können? Wir kämpfen nicht gegen die Zeitungshaus AG, sondern das Angebot soll für unsere Leserinnen und Leser attraktiver werden, das ist das Ziel. Das ist die einzige Antwort, um wirklich erfolgreich zu sein. Die Konkurrenz ist da, sie ist Teil des Marktes.  Aber wir müssen uns fragen, welches Informationsbbedürfnis die Menschen künftig haben werden. Ich bin überzeugt: Sie wollen qualitativ gute Informationen. knö




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