Zeitungsabos 2017

Verleger verlangen den Abonnenten wieder einiges ab!

Die Zeitungsleser müssen auch dieses Jahr wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen, um sich ein Zeitungsabo leisten zu können.
Markus Knöpfli, © knö.
Die Zeitungsleser müssen auch dieses Jahr wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen, um sich ein Zeitungsabo leisten zu können.
Per 2017 haben fast 70 Prozent der Tages- und Wochenzeitungen ihre Abo-Tarife erhöht – um bis zu 40 Franken. Auch E-Paper und Digitalabos sowie viele Zeitungen am Kiosk schlagen auf. Mittlerweile bezahlt man für 13 Zeitungsabos mehr als für die SRG-Gebühren.
Viele, die ihr Leibblatt am Kiosk kaufen, haben es seit dem 1. Januar 2017 gemerkt: 34 Titel, also gut ein Drittel der von HORIZONT Swiss erhobenen 92 Tages- und Wochenzeitungen, wurden im Einzelverkauf (EV) teurer. Eine Übersichtsliste finden Sie hier.

Die happigsten Preiserhöhungen nahmen die "NZZ am Sonntag" (NZZaS) und "La Regione Ticino" vor: Sie verlangen neu je 1 Franken mehr. An zweiter Stelle folgt die NZZ, die – allerdings nur einmal pro Monat – 60 Rappen mehr verlangt, nämlich an jenem Montag, an dem ihr das "NZZ Folio" beigelegt ist. Sonst belässt die NZZ den EV-Tarif von Montag bis Donnerstag bei 4.40 Franken, freitags und samstags hingegen kostet sie neuerdings sogar 60 Rappen weniger als letztes Jahr: Der Kioskpreis wurde von 5.50 auf 4.90 Franken gesenkt (-11 Prozent).

Der "Quotidien Jurassien", der "Anzeiger von Uster", die "Rheintalische Volkszeitung", der "Zürcher Oberländer" und das "Journal de Morges" schlagen am Kiosk um immerhin 50 Rappen auf. 23 weitere Titel werden um 10 bis 30 Rappen teurer. Die Bandbreite der Preisaufschläge liegt zwischen +2.1 Prozent ("Handelszeitung") und +50 Prozent ("La Regione").

Im Durchschnitt kostet eine Tageszeitung am Kiosk 3.18 Franken, 11 Rappen mehr als 2016, die Bandbreite liegt jedoch zwischen 1.80 ("Bote der Urschweiz") und 5 Franken ("Le Temps"). Ein Sonntagsblatt kostet im Durchschnitt 3.78 Franken und wurde 13 Rappen teurer, hier reichen die Preise von 2 Franken für "Il Caffè" bis 6 Franken für die NZZaS.

Print-Abos: im Durchschnitt 13.40 Franken teurer als 2016

Meist erst später im Jahr spüren die Zeitungsleser die Preisaufschläge bei ihren Abos – und diese sind noch zahlreicher. Von den 92 erfragten Aboangeboten (inkl. Doppelabos von Werktags- und Sonntagsausgaben) schlagen 70 auf – im Durchschnitt um 13.40 Franken oder 3.6 Prozent. Den grössten Aufschlag von 40 Franken nimmt das "Bündner Tagblatt" vor, das neu an sechs Tagen 419 Franken so viel kostet wie bisher an sieben Tagen (inklusive "Schweiz am Sonntag" SaS). Dasselbe machen das "Limmattaler Tagblatt" und die meisten anderen "Nordwestschweiz"-Partnerblätter, nur fällt dort das Anheben des Sechstage-Abos auf das Niveau des Siebentage-Abos mit 20 bis 25 Franken geringer aus. Der Hintergrund: Die SaS wird Ende Februar eingestellt, statt dessen erscheint ab 4. März die "Schweiz am Wochenende", was einer umfangreicheren Samstagsausgabe entspricht (HORIZONT Swiss berichtete). Dass neu für sechs Tage gleich viel verlangt wird wie für sieben Tage wurde von AZ Medien und Somedia schon am 17. Dezember 2016 gerechtfertigt, als sie die Neuerung ankündigten: Die neue "Schweiz am Wochenende" werde "Lesestoff für zwei Tage" bieten, insbesondere dank erweitertem Lokalteil.

Das günstigste Jahresabo kostet neu 198 Franken

Eine deutliche Preiserhöhung um 28 Franken nahm auch das Doppelabo von "Tages-Anzeiger" und "Sonntagszeitung" vor. "Berner Zeitung", "Bund" sowie das Doppelabo von NZZund NZZaS kosten je plus 23 Franken mehr, "24 Heures", "Le Courrier", "Liechtensteiner Volksblatt", "La Regione", "Tages-Anzeiger", "Tribune de Genève", "Zürcher Unterländer" und die "Finanz und Wirtschaft" verlangen 20 Franken mehr.

Prozentual der höchste Aufschlag ist wiederum beim "Bünder Tagblatt" zu finden (+10,6 Prozent), die anderen Abo-Preis-Erhöhungen liegen zwischen 0.7 Prozent ("Le Nouvelliste") und 7.6 Prozent ("Journal de Morges").

Das durchschnittliche Tageszeitungsabo (fünf bis sieben Tage) kostet jetzt 431.62 Franken, wobei das Doppelabo von NZZ und NZZaS mit neu 816 Franken (+2.3 Prozent) das mit Abstand teuerste Angebot darstellt. An zweiter Stelle folgt das Doppelabo von "Tages-Anzeiger" und "Sonntagszeitung", das mit 715.20 erstmals mehr als 700 Franken kostet (+4.1 Prozent). Auf Rang 3 findet sich das Sechstage-Abo von "Agefi" für unverändert 700 Franken (das teuerste Einzelabo der Schweiz), und dicht dahinter das werktägliche Abo der NZZ mit neu 684 Franken (+9 Prozent). Demgegenüber bietet "La Quotidiana" mit 198 Franken (+10 Prozent) das günstigste Abo (für 5 Tage) an.

13 Abos sind teurer als die SRG-Gebühren

Betrachtet man die Entwicklung der Abopreise längerfristig – HORIZONT Swiss verfügt über Detail-Daten ab 2010 – sind diese in den letzten sieben Jahren im Durchschnitt um 25 Prozent oder 84 Franken angestiegen. Den grössten Ausreisser leistete sich der "Tages-Anzeiger" (letztes Jahr noch auf Platz 2), der 174 Franken mehr kostet als noch 2010. Die NZZ (letztes Jahr noch auf Platz 1) folgt mit einer Preisdifferenz von 172 Franken. Massiv aufgeschlagen haben auch der "Bund" (+137 Franken), die "Basellandschaftliche Zeitung" (+126 Franken), die "Berner Zeitung" (+121 Franken), die "Finanz und Wirtschaft" und der Zürcher Unterländer (je +120 Franken). Prozentual betrachtet sieht die Reihenfolge leicht anders aus: Mit 46.5 Prozent steht ebenfalls der "Tages-Anzeiger" an der Spitze, dann folgen "Zürcher Unterländer" (40.3 Prozent), "Finanz und Wirtschaft" (+39.3 Prozent), "Basellandschaftliche Zeitung" (35.2 Prozent) und "Bund" (34.4 Prozent). NZZ und NZZaS sind heute um 33 Prozent teurer als 2010. Wohl die einzige Zeitung, deren Abotarif in dieser Zeit unverändert blieb, ist "Agefi" – sie kostete schon damals 700 Franken.

Diese Entwicklung ist auch noch aus einer andern Perspektive spannend – und muss zu denken geben: Mittlerweile kosten 13 Sechs- oder Siebentage-Abos der Zeitungen mehr als 451.50 Franken, der Betrag, den man jährlich für die Radio- und TV bezahlen muss. 2011 gab es erst drei Abos, die teurer waren als die Billag-Gebühren (NZZ, "Le Temps", "Agéfi").

E-Paper-Abos: Bis zu 234 Franken günstiger als Print

Ziemlich anders verlief die Entwicklung der Abo-Tarife für E-Paper. Zu sehen ist das unter anderem darin, dass sieben E-Paper-Abos heute immer noch 2 bis 94 Franken weniger kosten als vor sieben Jahren! Und auch dieses Jahr haben zwei Zeitungen bei diesem Abo-Angebot Preisreduktionen vorgenommen: So senkte die "Handelszeitung" den E-Paper-Tarif um 60 Franken oder 31,3 Prozent auf neu 130 Franken, das "Liechtensteiner Volksblatt" wurde um 50 Franken oder 15,7 Prozent günstiger (neu 269 Franken). Beides zeigt vor allem eines: Die Verleger sind immer noch daran, im digitalen Bereich die "richtige" Preisphilosophie zu finden. Allgemein hat sich aber die Auffassung durchgesetzt, dass E-Paper-Abos günstiger sein sollen als Printabos, wohl auch, um das Umsteigen auf den digitalen Abokanal zu fördern. Denn so können Papier-, Druck- und Vertriebskosten gespart werden. Die grössten Preisunterschiede in Franken machen hier der "Tages-Anzeiger" mit 234 Franken Differenz, gefolgt vom "Matin semaine" mit 230 und "Le Temps" mit 204 Franken. Prozentual den grössten Nachlass aufs E-Paper gewähren "TagesWoche" und "Handelszeitung" (je 50 Prozent), "Blick" (47.5 Prozent) und "Matin semaine" (45 Prozent).

Diese Preisdifferenz wurde aber im Laufe der Jahre kleiner: Heute geben die meisten Titel das E-Paper-Abo um durchschnittlich 25 Prozent günstiger ab als das Printabo. 2014 betrug der Unterschied noch fast 28 Prozent. Sieben Titel haben die Differenz sogar ganz aufgehoben (teilweise auch gar nie eingeführt): Sie verlangen für ihr E-Paper-Abo oder für Kombinationen zwischen E-Paper- und Print-Abo gleich viel oder sogar leicht mehr als für das (reine) Printabo.

Den grössten Preisaufschlag beim E-Paper-Abo nahm übrigens der "SonntagsBlick" vor, sein Angebot ist neu 51.50 Franken oder 58,9 Prozent teurer als letztes Jahr. Der "Werdenbeger & Obertoggenburger" folgt auf Platz 2 mit +18,8 Prozent, danach kommen "La Regione" und "Corriere del Ticino" mit +15.8 Prozent. Das durchschnittliche E-Paper-Abo kostet aktuell 311 Franken, fast 12 Franken mehr als 2016. Der durchschnittliche Preisaufschlag betrug 3,6 Prozent, gleich viel wie bei den Printabos.

Digitalabo: 9 Franken teurer

Bei den – wie auch immer gearteten – Digitalabos sind die Unterschiede zu den Printabos mittlerweile ähnlich wie bei den E-Paper-Abos: Im Durchschnitt sind sie 25.5 Prozent günstiger als das Print-Abo, die Preiserhöhung gegenüber 2016 betrug 2,6 Prozent. Das durchschnittliche Digital-Abo kommt auf 296.70 Franken, 9 Franken mehr als letztes Jahr. knö





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