Worte von Hanspeter Lebrument (Folge V)

"Was wir tun, ist dumm"

Hanspeter Lebrument wagte es auch, die eigenen Verbandsmitglieder zu kritisieren.
zvg.
Hanspeter Lebrument wagte es auch, die eigenen Verbandsmitglieder zu kritisieren.
Themenseiten zu diesem Artikel:
Da Hanspeter Lebrument Ende Jahr als Präsident des Verbands Schweizer Medien zurücktritt, wird er keine präsidiale Rede mehr zur alljährlichen Dreikönigstagung halten. Deshalb blickt HORIZONT Swiss zurück und zitiert aus Lebruments Reden – in mehreren thematischen Folgen.
In der fünften Folge befassen wir uns mit "Fehlleistungen und Irrtümern der Schweizer Verleger".

Dreikönigstagung 2009: "Nur schade, dass zu viele Verleger ihren Wirtschaftsteilen und denen ihrer Nachbarn glauben."



Dreikönigstagung 2009: "Bis zu den Herbststürmen (von 2008; Anmerkung der Redaktion) hofften die grossen Verlage, Liberalisierung und Deregulierung würden schnell vorangetrieben....Geträumt wurde von Zeitungsverlagen, die in einer liberalisierten Welt auch Postdienstleistungen erbringen. Grosse Verlage glaubten, durch den Aufkauf von Radio- und Fernsehstationen, nationale Senderketten und Werbeplattformen zusammenzubauen. Es ist anders gekommen.


Dreikönigstagung 2009: "So richtig klar, was denn in den vergangenen Jahren wirklich abgelaufen ist, wurde manch einem Verleger oder einer Konzernleitung erst am 31. Oktober, als die Konzessionen vergeben wurden. In Zürich brach in Konzernspitzen Katzenjammer über die schnöde Verweigerung einer Radio- bzw. Fernsehkonzession aus. Verlagsspitzen nahmen Schnellkurse in 'RTVG-Wissen'".

Dreikönigstagung 2010: "
Selbstverständlich hat sich jede Branche mit dem, was sie tut und produziert, kritisch auseinander zu setzen. Ob es allerdings klug ist, dies in aller Öffentlichkeit zu tun und den Qualitätsmangel zu einem ständigen Merkmal unserer Zeitungen zu machen, wage ich zu bezweifeln. Härter gesagt: Was wir tun, ist dumm."

Dreikönigstagung 2010: "Wir glauben nicht mehr an unsere Zeitungen. Wir halten die Qualität für ungenügend. Wir bringen unseren Partnern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport bei, dass wir schlechte Arbeit liefern. Mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie in einem starken, strukturellen Wandel, haben die Medienschaffenden die Glaubwürdigkeitskrise erfunden. Wir sind zu einer Branche der Abonnementkaufverhinderer geworden. Unser 'Branchenmarketing' zielt darauf, Inserenten vom Inserieren abzuhalten, Leserinnen und Lesern den Kauf von Zeitungen auszutreiben."

Dreikönigstagung 2010: "Wir müssen aus der Glaubwürdigkeitskrise herausfinden. Das ist eine unserer Hauptaufgaben."

Dreikönigstagung 2010: "Früher schrieb jemand eine Zeitung und verlangte dafür einen Batzen. Heute schreiben wir auf unsere Internetseiten und sind glücklich, wenn wir viele User haben, die uns zum Nulltarif besuchen."

Dreikönigstagung 2010: "Der Beifall kam von Herzen und war orkanartig. Bundesrat Maurer wusch am Verlegerkongress 2009 in Interlaken der Branche die Kappe. Er musste auf den Applaus nicht warten, bis er uns allen sagte, dass er weder mit Zeitungen, Radios noch Fernsehen viel Zeit verbraucht. Bereits als er uns freundlich beschied, wir seien oberflächlich, machen viele Fehler und unsere Medien seien deshalb zunehmend nicht ernst zu nehmen, wurde er von brandendem Applaus unterbrochen. Mit seiner klassisch antiken Art „suaviter in modo, fortiter in re“, vereinnahmte er die aus Verlegern, Verlagschefs, Chefredaktoren, Publizisten und Anzeigenchefs bestehende Masochistenschar."

Dreikönigstagung 2012: "Wir haben richtigerweise gesehen, dass Fernsehwerbung, bzw. Teletext, nicht verboten werden können, aber wir haben nach einer kurzen Versuchsphase darauf verzichtet, in diesem Marktbereich mit der SRG mitzumachen und im Kommerziellen eine wesentliche Rolle zu spielen."

Dreikönigstagung 
2013: "Der starke Einbruch bei den Werbeeinnahmen hat zu einem Umdenken bei den privaten Medienunternehmen geführt. Praktisch jedes Medienhaus hat für einen Teil ihrer online-Inhalte die Kostenpflicht eingeführt."


stats