Worte von Hanspeter Lebrument (Folge IV)

"Wirtschaftspublizistik erfüllt ihre Wächterrolle nur ungenügend"

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Markus Knöpfli, © knö.
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Da Hanspeter Lebrument Ende Jahr als Präsident des Verbands Schweizer Medien zurücktritt, wird er keine präsidiale Rede mehr zur alljährlichen Dreikönigstagung halten. Deshalb blickt HORIZONT Swiss zurück und zitiert aus Lebruments Reden – in mehreren thematischen Folgen.

In der vierten Folge kommt das Thema "Journalismus" zum Zug.

Dreikönigstagung 2009: "Mainstream (in Schweizer Medien; Anmerkung der Redaktion) findet zwar statt, aber nicht in den politischen Ressorts, sondern in unseren Wirtschaftsteilen. Dort hatte man sich längst fast ausnahmslos auf einer einheitlichen publizistischen Linie gefunden. Sie hiess 'Liberalisierung, Privatisierung, Deregulierung, Globalisierung'. Nur in der Heftigkeit und Radikalität, mit der die Rezepte präsentiert wurden, unterschied sich die Wirtschaftsberichtserstattung. Das Fehlen publizistischer Gegenposition zu einer teils masslosen Wirtschaft ist mit ein Grund, dass es zu bedeutenden weltweit gefährlichen Zusammenbrüchen kam. Die Wirtschaftspublizistik ist ihrer Wächterrolle nur ungenügend nachgekommen."

Dreikönigstagung 2009: "Mit ein bisschen mehr publizistischer Zurückhaltung in unseren Zeitungen und Medien und mit weniger aufregenden Meldungen aus den Verlagen, dass Leute deshalb entlassen werden müssen, würden wir unserer Branche und unserer Wirtschaft mehr dienen."

Dreikönigstagung 2009: "Verleger, Chefredaktoren und Redaktionen sind Teile unserer Gesellschaften, sie sind Staatsbürger, Arbeitgeber und Arbeitnehmer und nicht über alles schwebende Dienstleister für eine undefinierte Öffentlichkeit."

Dreikönigstagung 2010 – nach öffentlichen Medienschelten von Christoph Blocher, Ursula Koch und Bundesrat Ueli Maurer: "Wir schickten die Chefredaktoren an die Front, beziehungsweise zu den Rednerpulten. Alle gingen nett mit unseren Kritikern um. Spitze Mäuler, scharfe Attacken blieben aus. Chefredaktoren wussten auf die Medienschelten keine Antwort. Sie begegneten ihren Kritikern blass und artig. Der Applaus ihrer Berufskollegen im Saal blieb aus."

Dreikönigstagung 2010: "Sie (die Medien; Anmerkung der Redaktion) sind nicht da, um professionellen Politikern, Wirtschaftern und Beobachtern des Geschehens an die Hand zu gehen, sie sind für jene Menschen geschaffen, die täglich zwischen zehn und vierzig Minuten Zeit aufwenden, um sich ein Bild über die Probleme und Aufgaben des Landes zu machen."

Dreikönigstagung 2010: "Seit Gründung des Bundesstaates hat die Presse, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine gute und intensive Arbeit geleistet. Dies hervorzuheben und immer wieder zu unterstreichen, ist Aufgabe der Medienschaffenden, vor allem dann, wenn sie wieder einmal wegen einiger Lappalien angegriffen werden."

Dreikönigstagung 2011: "Fast scheint es so, dass es vielen in den Medien nicht wohl ist, wenn sie nicht in irgendeiner Krise leben können."

Dreikönigstagung 2011: "Dennoch gibt es immer noch Träumer, die solche Schulen (wie die Ringier Journalistenschule; Anmerkung der Redaktion) für überflüssig halten und glauben, der Schlüssel zu gutem Journalismus bestehe in einem bestandenen Doppelstudium an einer Universität. Elitärer kann man 'Zeitung' kaum mehr definieren.

 




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