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Vom Ende der Nation, der dunklen Seite des Silicon Valley, Leadership und Talent

Für viele das Highlight: Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson beim World Web Forum
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Für viele das Highlight: Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson beim World Web Forum
Bringt Big Data das Ende der Nationen? Die These hinter dem Motto „End of Nation“ des diesjährigen World Web Forum in Zürich hat weit mehr als 1000 Teilnehmer nach Oerlikon ins Stage 1 gelockt – und die Referenten zu teils steilen Thesen verführt.

Moderator Ole Tillmann (l.) neben WWF-Chef Fabian Hedinger, der bekennender Heavy Metal-Fan ist
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Moderator Ole Tillmann (l.) neben WWF-Chef Fabian Hedinger, der bekennender Heavy Metal-Fan ist
„Das Ende der Nation wird nicht kommen und ist ausserdem eine schlechte Idee“, nahm Iron Maiden-Sänger und Unternehmer Bruce Dickinson das Motto auf. Gemessen am Applaus war sein Vortrag in rosa Hemd und Sacko für viele das Highlight des Tages. Dickinson enttäuschte sie nie nicht – und überraschte mit Geschichten über sein Unternehmertum, das vom Bier brauen bis zur Gaming Industrie reicht. Auch von seiner Tätigkeit als Pilot grosser Verkehrsmaschinen wussten viele im Publikum wohl nicht.
Beeindruckende Kulisse beim World Web Forum
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Beeindruckende Kulisse beim World Web Forum
Bei aller Datenmacht sollten Unternehmen und ihre Lenker eins nicht vergessen: „Es geht um den Menschen, immer“, sagt Dickinson. Das allerdings beruhige und beunruhige ihn zugleich, denn „wir sind Steinzeitmenschen mit Nuklearwaffen und Algorithmen“. Das Thema Verantwortung müssen gerade in Zeiten der Digitalisierung wieder in das Schaffen der Unternehmer zurückkehren.
„Wir sind Steinzeitmenschen mit Nuklearwaffen und Algorithmen“
Bruce Dickinson, Iron Maiden
Der Wandel wird kommen, ob man will oder nicht“, stellte Johann Schneider-Ammann lakonisch fest. Er ist da und stellt die Bedingungen für Wirtschaft neu, waren sich die drei Professoren Charles A. O’Reilly, Stanford University, Jérome S. Engel und David J. Teege, beide , Haas School of Business an der University of California, einig. Wie Unternehmen ihn souverrän gestalten können, sei dagegen noch nicht klar. „Unsicherheit“ bleibt für Engel beim Blick auf Leadership und Innovationsfähigkeit der Wirtschaft.

Akademikerrunde beim World Web Forum
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Akademikerrunde beim World Web Forum
Auch untereinander sind sich die drei Denker nicht immer einig: „Grosse Firmen können nicht innovativ sein“, glaubt Engel. Deshalb würden  viele das Thema outsourcen, beispielsweise indem sie mit Startups zusammenarbeiten. „Grosse Unternehmen sind innovativer als kleine“, hält O’Reilly dagegen – Amazon sei das beste Beispiel.
„Grosse Unternehmen können nicht innovativ sein“
Jérome S. Engel , Haas School of Business, University of California
Die Rolle der Mitarbeiter hat sich zu Funktionsträgern gewandelt, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen, um das Unternehmen nach deren Abschluss zu verlassen. Ob die Firmen diesen Wandel stemmen können, hänge vor allem vom Leadership ab, sind sich die Professoren dann wieder einig. “Aktuell kommt die dunkle Seite der Silicon Valley-Kultur ans Licht“, sagt O’Reilly.Das sei die Konsequenz des Wirkens narzistischer Führungskräfte wie auch Steve Jobs, die unglaublich innovativ seien, aber mit ihren Teams schlecht umgehen würden.



„Aktuell kommt die dunkle Seite der Silicon Valley-Kultur ans Licht“
Charles A. O'Reilly, Stanford University
Mobbing, Diskriminierung von Frauen - Themen, die derzeit in den Medien sher präsent sind, haben ihm zufolge die Ursache in der Führungskultur solch narzistischer Leader. Sie seien zwar oft Genies, wenn es darum ginge, Ideen zu entwickeln, zugleich aber auch fast grössenwahnsinnig und der Meinung alles am Besten zu wissen.


Sean Regan, Atlassian, auf der Bühne des World Web Forum
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Sean Regan, Atlassian, auf der Bühne des World Web Forum
Gegen eine solche Unternehmenskultur hat sich beispielsweise Atlassian entschieden. „Wir pflegen eine Unternehmenskultur, die unseren Mitarbeitern ermöglicht, ausbalanciert zu arbeiten“, sagt Sean Regan, Head of Software Teams bei dem Softwarehersteller. Zu dieser Balance gehört, dass die Beschäftigten (in Absprache mit ihrem Team) selbst die Länge ihres Urlaubs bestimmen können, genau wie ihre Arbeitszeit und –Ort, ein Sportprogramm und Incentives wie ein von der Firma gesponsertes Urlaubswochenende.

Iin Kombination mit einer komplett agilen Arbeitsorganisation ermögliche dies, auch das starke Wachstum von Atlassian zu stemmen. „Wir schaffen es so, ausreichend Talente zu gewinnen und zu halten“, sagt Regan. Ein Punkt, der auch für Firme wie Disney entscheidend ist, wenn es beispielsweise darum geht, einen Standort für das Netzwerk seiner Research-Teams zu finden, wie Sasha Shriber, Leiterin von Disney Research in Zürich, berichtet. Unter anderem dank einer engen Kooperation mit der ETH Zürich hat ihr Team ausreichend Talente, um das Kundenverhalten für den Unterhaltungskonzern zu erforschen und Prototypen neuer Anwendungen zu entwickeln.

Auch für Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson geht es immer um den Menschen: „Menschen, nicht Systeme und Firmen sollten der Mittelpunkt unseres Schaffens sein“, schreit er den 1500 Gästen des World Web Forum entgegen, als singe er bei einem Konzert von Iron Maiden. Mit dieser Haltung könne auch ein Unternehmer erfolgreich sein. ems

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