Verwaltungsrats-Honorare

Die genehmigte Erhöhung um 150 Prozent spaltet den Verein Wemf

Soll künftig das Eigenkapital der Wemf angeknabbert werden, um dem VSM einfach so mindestens 75.000 Franken mehr Einnahmen zu bescheren? Darüber werden morgen die Wemf-Verwaltungsräte und die Mitglieder des Vereins Wemf zu befinden haben.
Soll künftig das Eigenkapital der Wemf angeknabbert werden, um dem VSM einfach so mindestens 75.000 Franken mehr Einnahmen zu bescheren? Darüber werden morgen die Wemf-Verwaltungsräte und die Mitglieder des Vereins Wemf zu befinden haben.
Am 21. Juni hatte HORIZONT Swiss darüber berichtet, dass die Mitgliederversammlung des Vereins Wemf die Honorare der Wemf-Verwaltungsräte um 150 Prozent auf 25.000 Franken pro Jahr erhöht hat. Antragsteller und Hauptprofiteur ist der Verlegerverband. Nun wurde bekannt, dass der Entscheid nur sehr knapp mit einer Stimme Mehrheit und zwei Enthaltungen zustande kam.
Wie HORIZONT Swiss zugetragen wurde, nahmen an der Abstimmung über den Antrag des Verband Schweizer Medien (VSM) insgesamt 39 Personen teil, teils waren sie persönlich an der Mitgliederversammlung vom 20. Juni anwesend, teils stimmten sie schriftlich ab. Der Antrag, der von VSM-Präsident Pietro Supino und VSM-Geschäftsführer Andy Häuptli eingereicht worden war, ist gemäss Quelle von HORIZONT Swiss schliesslich mit 19 zu 18 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen worden. Im Sinne einer zweiten Quelle fragte HORIZONT Swiss aber auch Wemf-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber sowie Wemf-Sprecherin Corinne Gurtner an. Weber ist derzeit aber in den Ferien und antwortete nicht. Allerdings wollte er sich schon unmittelbar nach dem 20. Juni nicht zum Stimmenverhältnis äussern. Und Gurtner bestätigte lediglich, was HORIZONT Swiss zuvor schon berichtet hatte: "Es ist korrekt. Die Vereinsversammlung der WEMF hat am 20. Juni 2017 eine Erhöhung der jährlichen Entschädigung der Verwaltungsratsmitglieder der AG WEMF von CHF 10.000 auf CHF 25.000 beschlossen." Zur eigentlichen Frage fügte sie hinzu: "Zum Stimmenverhältnis von Entscheiden der WEMF-Vereinsversammlung äussern wir uns nicht." – Ein Dementi sähe allerdings anders aus.

Mit Fug und Recht kann man somit sagen: Der VSM-Antrag spaltet den Verein Wemf. Denn fünf der derzeit acht Wemf-Verwaltungsräte sind vom VSM delegiert und lassen ihr Honorar vollumfänglich der VSM-Kasse zufliessen. Der VSM profitiert somit von seinem Antrag am meisten, fliessen ihm doch künftig jährlich 125.000 statt 50.000 Franken zu. Der VSM hat sich diesen "Zustupf besorgt, weil er finanzielle Not leidet, seit Ringier vor zwei Jahren aus dem Verband ausgetreten ist. Doch dieses In-die-eigenen-Taschen-Wirtschaften schien die Hälfte der Mitglieder nicht goutieren zu wollen, zumal dafür künftig das Eigenkapital der Wemf AG angeknabbert werden muss.

Der Hintergrund dazu: D
ie Wemf ist zwar als Aktiengesellschaft organisiert, doch der Verein Wemf hält 100 Prozent der Aktien (Aktienkapital 1.000.000 Franken) der Wemf AG für Werbemedienforschung (Wemf). Der Verein wählt den Wemf-Verwaltungsrat, oberstes Organ ist die Vereinsversammlung. Und diese tagte letztmals am 20. Juni. Mitglieder des Vereins sind die Aktionäre der Wemf AG, konkret die Verbände VSM, Médias Suisses, Stampa Svizerra und der Verband Schweizerischer Werbegesellschaften (VSW / Publicitas). Es können aber auch Einzelpersonen und weitere Verbände Mitglied werden.

Gemäss Statuten verfolgen weder Wemf AG noch Verein Wemf
 einen ErwerbszweckZiel des Vereins Wemf ist die Förderung und Unterstützung der Medienforschung in der Schweiz, so steht es zumindest auf der Website. Und das ist nun der springende Punkt: Der VSM-Antrag entpricht diesem Ziel in keiner Art und Weise. Mit der massiven Erhöhung der VR-Honorare (notabene ohne Mehrleistung der Delegierten!) müsste man faktisch als neues Ziel auch noch die Subventionierung des VSM hinzunehmen. knö


stats