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Wie Kreative einen Cannes Lion gewinnen können

Gab wertvolle Tipps: Fiorenza Plinio, Head of Development, Creative Excellence des Cannes Festivals
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Gab wertvolle Tipps: Fiorenza Plinio, Head of Development, Creative Excellence des Cannes Festivals
Wie geht das eigentlich, einen Cannes Lion zu gewinnen? Einige Schweizer Kreative wissen das bereits, sie zählen zu den glücklichen Gewinnern der goldenen, silbernen oder bronzenen Trophäen - viele aber auch nicht. Für diese Zielgruppe hat Weischer Media Fiorenza Plinio, Head of Development, Creative Excellence des Cannes Festivals, in Zürich auf die Bühne geholt. Ihr Tagesgeschäft sind unter anderem die Tipps, die sie im Houdini Kino präsentiert hat. Sie sollen den Weg zu einem Löwen einfacher machen.

Zunächst die Ernüchterung: Nur 0,07 Prozent aller Wettbewerbsbeiträge beim International Festival of Creativity, Cannes Lions, gewinnen überhaupt einen Grand Prix. und auch wer nicht gleich nach dem hellsten Stern am Kretativhimmel greifen will, muss realistisch bleiben: gerade einmal 0,78 Prozent holen einen goldenen Löwen, 1,3 Prozent einen silbernen und 1,7 Prozent einen bronzenen.

Also gilt auch für Cannes, dabei sein ist alles?  Für die Agenturen wohl nicht, denn das "Dabei-Sein" ist teuer. Je nach Kategorie sind zwischen 525 Euro und 1445 Euro (beispielsweise für Titanium und Creative Effectiveness) für einen Wettbewerbsbeitrag zu entrichten - wer nach dem ersten Einsendetermin einreicht, muss gestaffelt auf zwei weitere Termine jeweils ein paar hundert Euro mehr zahlen.




Jetzt zu den Tipps, die Plinio im Gepäck hatte und die sie mit einem fix 50-köpfigen Team, das im Vorfeld des Wettbewerbs um weitere 40 Berater erweitert wird, kostenlos an alle Kreativen, die sich unter awards@canneslions.com melden, weitergibt. "In den drei Monaten vor dem Einsendeschluss sind wir quasi non-stop am Telefon und beraten Kreative, wie sie am besten einreichen, ihre Case-Filme erstellen sollten und welche Kategorie am geschicktesten für bestimmte Arbeiten ist", erzählt sie.


Aufmerksamkeit erregen, das müsste jede Arbeit so schnell wie möglich, wenn sie den Juroren vor die Augen kommt. "Die Jury-Mitglieder sehen mehrere hundert Cases am Tag, sie haben keine Zeit, eine Minute zu warten, bis sie verstehen, worum es geht", lautet der erste Tipp von Plinio.

Kultur und Kontext würden Kreative häufig ausser Acht lassen in der Aufbereitung ihrer Arbeiten. "Uns allen hier im Raum ist klar, was der Super Bowl ist und warum die dort gezeigten Spots relevant sind, Juroren, die beispielsweise aus China stammen, kennen den Sport Event vielleicht gar nicht", mahnt sie. Nicht jede Arbeit erkläre sich ohne den entsprechenden kulturellen Kontext selbst. "Respektieren Sie die Diversität der Jury", so Plinio.

Ein frische Perspektive sei hilfreich, um aus der Nähe, die die Arbeit an einer Kampagne mit sich bringt, zu durchbrechen. "Lassen Sie jemanden auf den Case-Film schauen, der nichts mit der Kampagne oder dem Kunden zu tun hat - das haben die Juroren meist auch nicht", rät die Cannes-Spezialistin.

Auch das Storytelling dürfe bei der Aufbereitung der Arbeiten für den Wettbewerb nicht vernachlässigt werden. "Auch Juroren wollen unterhalten werden. Das funktioniert nicht mit Case-Filmen, die keine Geschichte erzählen", gibt Plinio ihre Erfahrung wieder.

Die Kategorie muss richtig gewählt sein, um die eigenen Chancen zu optimieren. Strategisch müsse die Auswahl der Kategorie geplant. „Wenn Sie eine Arbeit einsenden wollen, die in eine kleinere Kategorie mit weniger Wettbewerbsbeiträgen passt, reichen Sie sie nicht in der grössten Kategorie ein“, meint sie.

An die einzelnen Kategorien anpassen müssten Agenturen ihre Case Filme, wenn sie sie in mehreren Kategorien einreichen. Schliesslich sei nicht überall das gleiche wichtig. Deshalb mache es auch keinen Sinn, denselben Film in verschiedenen Kategorien einzusenden.

Nicht übertreiben oder etwas behaupten, was nicht belegt ist, empfiehlt sie zudem. Juroren seien sehr enttäuscht, wenn ein Ergebnis in den Raum gestellt werde, dass nicht mit Zahlen unterfüttert ist.

Denn Ergebnisse sind extrem wichtig: Immerhin 30 Prozent der Bewertung entfallen auf sie.ems

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