Walker

Volle Kraft voraus

Agenturgründer Pius Walker lässt sich keinen Druck von aussen machen
Walker
Agenturgründer Pius Walker lässt sich keinen Druck von aussen machen
Walker, selbsternannte kleinste Werbeagentur der Welt und vor mehr als einem Jahrzehnt vom Gunn Report spektakulär in den Top 50 Club der besten Agenturen der Welt aufgenommen, nimmt nach einigen ruhigen Jahren nun mit neuen Etats wieder so richtig Fahrt auf. 

Ein kleines Schiff spürt die Wellen des Ozeans viel deutlicher als ein riesiger Dampfer. So ähnlich muss es der Schweizer Agentur Walker in den letzten Jahren ergangen sein. Als Pius Walker sein Schnellboot vor fast 14 Jahren vom Stapel ließ, wurde es groß gefeiert. Walker galt als Shootingstar der Schweizer Werbeszene – mehr noch: Der Gunn Report nahm die selbst ernannte „kleinste Werbeagentur der Welt“ in den Top 50 Club der besten Agenturen rund um den Globus auf.


Aktuelle Arbeit von Walker für die Swiss Music Awards
Aktuelle Arbeit von Walker für die Swiss Music Awards (© Walker)
Das alles liegt schon einige Jahre zurück. Zwischenzeitlich wurde es ruhig um die Truppe. Das wendige Kleinboot ruderte scheinbar etwas verloren zwischen den großen Dampfern umher. Selbstkritisch stellt der Agenturchef heute fest: „Es ist uns in den letzten Jahren oft nicht gelungen, unsere eigene kreative Messlatte zu überspringen. Und das ist das einzige, was uns wirklich interessiert.“ Quantitatives Wachstum sei für ihn in all den Jahren niemals relevant gewesen. Tatsächlich ist das Kernteam niemals größer als zehn Mitarbeiter gewesen, das Freelancer-Network dafür umso weitreichender.

Hier blickt Walker nicht zuletzt auf Kontakte zurück, die er während seiner Zeit außerhalb der Schweiz aufgebaut hat. Allein sechs Jahre lang war er in Hamburg tätig, unter anderem bei Springer & Jacoby. Es folgten Stationen in Berlin und London. Landesgrenzen seien ihm egal, sagt Walker. Seine bisherigen Kampagnen waren nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich, Dänemark, Finnland oder Deutschland zu sehen. Bei der Umsetzung und Implementierung arbeitet er mit marktübergreifenden Partnern aus ganz Europa zusammen. „Das macht uns flexibel und höchst effizient“, erklärt der hoch dekorierte Kreative, der selbst Mitglied im Schweizer ADC, dem deutschen ADC und im britischen D&AD ist.

Ein Klassiker aus dem Hause Walker für Amnesty International
Ein Klassiker aus dem Hause Walker für Amnesty International (© Walker)
Diese Partnerschaften seien der Schlüssel zum Erfolg. „Man muss seine eigenen Stärken und seine Grenzen kennen und darf sich nicht zu schade sein, mit Spezialisten zu kooperieren, die in ihrem jeweiligen Bereich die Nase vorn haben." Und wenn es darum geht, solche Spezialisten zu finden, sind ihm Länder- und Branchengrenzen vollkommen egal. Seine Agentur habe auch viele Partner außerhalb der Werbung wie etwa Schriftsteller oder Wissenschaftler.

Aktuell saust Walkers wendiges Kleinboot wieder mit voller Kraft voraus. Die jüngsten Kampagnen für Fisherman’s Friend und den Online-Bilderdienst Ifolor sorgen kreativ für Aufsehen und bringen Kreativpreise. Das hat Signalwirkung und führt wiederum zu weiteren Pitches. Seit neuestem steht der Kölner Dumont-Verlag auf der Kundenliste. Gute Chancen hat das Team auch bei einer Ausschreibung für ein deutsches Pharmaunternehmen. Hier sei zwar noch nichts spruchreif, aber alle Zeichen deuten auf einen positiven Pitch-Ausgang hin.

Die erfreuliche Resonanz, die Walker derzeit aus Deutschland erfährt, legt die Frage nahe, ob eine Niederlassung im Nachbarland infrage käme. Andersherum kommen mit Agenturen wie Thjnk, Heimat, Serviceplan und Scholz & Friends schließlich auch wichtige deutsche Player in die Schweiz. Walker, der an der Hamburger Texterschmiede doziert, räumt ein, dass es durchaus marktrelevante Gründe gäbe, die Präsenz in Deutschland zu verstärken. „Wir arbeiten aber grundsätzlich erstmal so, dass wir schauen, wie die Anforderungen bei einem Auftrag sind und erst danach sehen, wie wir diese erfüllen können.“ Außerdem sei es für einen Kunden letztlich egal, ob seine Agentur ihren Sitz in Hamburg, München, Berlin oder eben in Zürich hat.

Wachstum ist für Walker zweitrangig. An seiner Maxime „niemals mehr als zehn Mitarbeiter im Kernteam“ will er auch in Zukunft festhalten. Das genüge vollkommen, um als strategischer und kreativer Sparringspartner von Marken unterschiedlichste Aufgaben bewältigen zu können. Das Portfolio von Walker reichte dabei von der klassischen TV-Kampagne wie bei Fisherman’s Friend und Ifolor bis hin zum Verpackungsdesign wie etwa für die Food-Produkte der Schweizer Ladenkette Valora. bu



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