Wahl des neuen SRG-Präsidenten

So reagierten die Schweizer Zeitungen

Jean-Michel Cina an der Pressekonferenz vom Freitag.
Screenshot srf.
Jean-Michel Cina an der Pressekonferenz vom Freitag.
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Auf die Wahl des Walliser Staatsrates Jean-Michel Cina zum neuen SRG-Verwaltungsratspräsidenten gab es von der Schweizer Presse am Wochenende keine Beifallsstürme. Im Gegenteil. Die Reaktionen verhalten bis kritisch.

Neue Zürcher Zeitung

Jean-Michel Cina gehört der CVP an. An der Pressekonferenz vom Freitag sagte der amtierende SRG-Präsident Viktor Baumeler, dass das Parteibüchlein keine Rolle gespielt habe. Die NZZ zweifelt dies an und errinnert daran, das Baumeler selbst der CVP angehört, ebenso Medienministerin Doris Leuthard. Und auch Baumelers Vorgänger Raymond Loretan war CVP-Mitglied.

Es sei naheliegend, dass wieder ein CVP-Mitglied oben ausschwang, schreibt die NZZ. "In der CVP verfügt der öffentliche Rundfunk überdies immer noch über einen starken Rückhalt. Zudem gibt ein solcher Anker der SRG am ehesten die Möglichkeit, als unabhängiger Akteur aufzutreten, der zwischen den Polen steht und vermittelt."



Cina selbst charakterisiert die NZZ so: "Das Lavieren und Taktieren hat Cina verinnerlicht. Er machte die ganze Ochsentour vom Gemeindepräsidenten über den Kantonsparlamentarier bis hin zum Nationalrat durch." Umgekehrt sttestert sie ihm Kommunikationsfähigkeit. "Cinas Beziehung zu den Medien ist unverkrampft. Vor dem Kantonsparlament wie auch vor Medienvertretern kann er Klartext reden."

Tages-Anzeiger

Auch der Tages-Anzeiger sieht keinen Zufall bei Cinas CVP-Mitgiedschaft. Er benutzt gar das Wort "Parteifilz". Und begründet dies so: "Im Topkader der Service-public-Unternehmen im Bereich von CVP-Infrastrukturministerin Doris Leuthard ist sie (die CVP) so gut vertreten wie keine andere Partei." Erst kürzlich sei CVP-Ständerat Urs Schwaller Post-Präsident geworden.


Ansonsten weiss der "Tagi" nur Positives über Cina zu berichten. Er könne die groben Linien vorgeben, sei ausgeglichen, kollegial, sachlich, zielstrebig. So wäre er wohl gerne Bundesrat geworden, habe sich dafür aber wenig Chancen ausgerechnet. Deshalb habe er die Wahl zum SRG-Präsidenten angenommen.

Auch der "Tagi" beschreibt Cina als "medienaffin" und künftiges "Aushängeschild" der SRG. Er komme bei einem breiten Publikum gut an.

Schweiz am Sonntag

Die "Schweiz am Sonntag" (SaS) beschreibt Jean-Michel Cina als "Mann mit falschen Tugenden" und bezeichnet seine Wahl als "fragwürdig", da sie "alle Ansprüche an eine Corporate Governance vermissen" lasse. De Begründung dafür ist dann aber ziemlich umständlich. Der ehemalige CVP-Fraktionschef sei zwar ehrgeizg und komunikativ, aber ein "Vollblutpolitiker ohne besonderen Leistungsausweis im Medienbereich".

Weiter behauptet die SaS, dass bei der SRG die Präsidenten jeweils "im Schatten der Generadirektoren stehen" würden. So habe der jetzige SRG-Generaldirekor Roger De Weck mit Cina nun einen Präsidenten "unter sich, der zwar genug Profilierungsambitionen hat, um sich für die Belange der SRG einzusetzen, aber auf absehbare Zeit nicht genügend Wissen, um inhaltich eine eigenständige Position zu entwickeln."

Die meisten anderen Zeitungen, etwa die Basler Zeitung oder der Walliser Bote, reagierten nicht auf die Wahl Cinas. Sie beschränkten sich auf SDA-Meldungen.
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