Verband Schweizer Medien

Verleger raten der SRG, "ein Netflix für die Schweiz" zu machen

Die Zahlen sind schon überholt: Mittlerweile kommt die SRG beim Publikum 14 bis 70+ schon auf 52,9 Prozent. Wie sich die Privaten" entwickelt haben, ist dagegen unklar.
VSM
Die Zahlen sind schon überholt: Mittlerweile kommt die SRG beim Publikum 14 bis 70+ schon auf 52,9 Prozent. Wie sich die Privaten" entwickelt haben, ist dagegen unklar.
Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien (VSM) schlägt der SRG vor, eine Art Schweizer Netflix zu machen statt Private im Onlinebereich zu konkurrenzieren. Private würden rund 80 Prozent der Bevölkerung erreichen, die SRG nur knapp 50 Prozent. Dabei geht er allerdings von leicht veralteten Zahlen aus.
Die Verleger wehren sich bekanntlich gegen das Mediengesetz, das im Departement von Doris Leuthard in Vorbereitung ist. Ein Grund für die Ablehnung: Der Bundesrat erwägt auch im Onlinebereich bestimmte Regulierungen. Zudem befürchten die Verleger, dass das neue Gesetz der SRG "im digitalen Raum eine weitere Expansion erlauben" wird.

Doch "wo kein Marktversagen besteht, muss der Staat nicht eingreifen", schrieb heute VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli in seinem Newsletter. "Darum dürfe die SRG die Privaten online nicht mit presseähnlichen Gratisangeboten in Bedrängnis bringen. Das kein Marktversagen besteht, versuchte Häuptli mit der obenstehenden Grafik aufzeigen: Sie besagt, dass die "privaten Medien" von ganz jung bis alt online 78.3 Prozent der Gesamtbevölkerung erreichen. "Bei den 14- bis 34-Jährigen sogar 81.4 Prozent." Häuptlis Schluss: "Ein Ausbau der SRG würde zu Lasten der Privaten gehen." Denn ein über Gebühren finanziertes, presseähnliches Onlineangebot der SRG würde die Zahlbereitschaft in der Bevölkerung schwächen und damit die Privaten existenziell in Bedrängnis bringen.

Ob dies tatsächlich stimmt, ist eine andere Frage. Eine Überprüfung dieser Aussagen ist kurzfristig nicht möglich. Nicht nur, weil ein solcher Ausbau – egal wie er denn aussehen würde – noch gar nicht reguliert, geschweige denn bewilligt ist. Sondern auch, weil Häuptli in seiner Grafik leicht veraltete Zahlen von NET Metrix Profile 2017-1 verwendet und diese nicht aktualisiert hat, obwohl seit gestern die aktuelleren Zahlen von NET Metrix Profile 2017-2 publiziert sind. Diese wären vielleicht sogar Wasser auf Häuptlis Mühlen, denn gemäss der aktuelleren Studie erreicht die SRG online nicht mehr nur 49,3 Prozent der Bevölkerung, sondern bereits 52,9 Prozent. In absoluten Zahlen: Vor einem halben Jahr waren es noch 2,992 Millionen Unique User, aktuell werden der SRG 3,208 Millionen UU ausgewiesen, ein Zuwachs um 216.000 Personen oder 7.2 Prozent.

Reine Behauptungen oder Befürchtungen bringen nichts

Ob auch die privaten Medien ihr Gesamtpublikum vergrössern konnten oder nicht – und wie stark – lässt sich dagegen nicht eruieren, da Häuptli in seiner Grafik nicht offenlegt, welche Webseiten er zu den erwähnten "privaten Medien" zusammengefasst hat. Insofern lässt sich derzeit weder sagen, ob a) sein Vergleich überhaupt stimmig ist noch ob b) die SRG mit ihrem Onlineangebot bereits heute – also vor dem befürchteten Ausbau – bei den Privaten effektiv über den Zaun frisst und ihnen im Nutzermarkt gefährlich wird. Möglich wäre ja auch, dass die Gesamtnutzung zugenommen hat. Nur: Reine Behauptungen oder Befürchtungen bringen nichts.

Immer unter Prämisse, dass die SRG den Privaten etwas wegnimmt, denkt Häuptli in seinem Newsletter laut darüber nach, welche Rolle er der SRG am liebsten zuschreiben würde: "Für die SRG bietet der Trend zur zeitversetzten TV-Nutzung, die steigende Beliebtheit von Bewegtbildangeboten und die weiter zunehmende Mobilnutzung eine riesige Chance im Netz", schreibt er und schlägt vor, dass sie mit den Inhalten aus dem linearen Programm online "ein Netflix für die Schweiz aufbauen" könnte. Damit erreiche die SRG auch die Jungen optimal. Umso mehr, als der Zugriff zu diesem neuen Angebot dank den Gebühren "natürlich kostenlos" wäre, "inklusive dem gehaltvollen Archivmaterial". Die Idee findet er derart gut, dass er sich schliesslich fragt: "Warum sieht die SRG diese Chance nicht und zwängt weiter in Richtung Nachrichtenportale à la NZZ.ch?" knö

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