Verband Schweizer Medien

Online-Textmenge von SRF mit gedruckter Zeitung veranschaulicht

Zeitungskopf des "Leutschenbach-Anzeigers" vom 16. Mai 2018, 1. Jahrgang.
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Zeitungskopf des "Leutschenbach-Anzeigers" vom 16. Mai 2018, 1. Jahrgang.
Der Verband Schweizer Medien (VSM) hat aus einer Auswahl von SRF-Textbeiträgen, die während 24 Stunden auf srf.ch veröffentlicht wurden, eine Zeitung erstellt. Der daraus entstandene "Leutschenbach Anzeiger" zeige, dass die SRG täglich eine digitale Gratis-Zeitung produziere, schreibt der VSM.
Konkret hat der VSM Textbeiträge, die während einem zufällig ausgewählten Zeitraum von 24 Stunden (16. Mai 2018, 8 Uhr bis 17. Mai 2018, 8 Uhr) auf srf.ch in der Deutschschweiz veröffentlicht wurden, als Zeitung aufbereitet. Der "Leutschenbach Anzeiger" zeige, dass die SRG täglich eine digitale Gratis-Zeitung produziert, schreibt der VSM – ähnlich wie Tamedia ("20 Minuten") und Ringier ("Blick am Abend"). Der Verlegerverband stellt weiter fest: "Damit konkurrenziert die SRG direkt – über Gebührengelder finanziert – die Schweizer Zeitungen und Zeitschriften. Dies ist existenzgefährdend für die Schweizer Presse."
Cover.
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Cover.
Mit der gedruckten Zeitung aus Online-SRF-Meldungen protestiert der VSM dagegen, dass die SRG zu ihrem Auftrag, die Schweizer Bevölkerung mit sprachnationalen Radio- und TV-Programmen zu versorgen, auch immer mehr Textinhalte publiziere.

Seit 2013 darf die SRG im Internet Textbeiträge anbieten, die keinen Bezug zu ihrem Radio- und TV-Programm haben. Dabei müssen drei Viertel aller Online-Texte mit Audio- und Videoinhalten aus dem SRG-Programm verknüpft sein. Texte ohne Sendungsbezug dürfen maximal 1.000 Zeichen umfassen. Anders gesagt: Die SRG tut an sich nichts Unrechtes, mit seiner Aktion schiesst der VSM gegen die geltenden Bestimmungen.
Spannend: Den "Leutschenbach-Anzeiger" unterstützt der VSM sogar mit einer (hoffentlich bezahlten) Anzeige.
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Spannend: Den "Leutschenbach-Anzeiger" unterstützt der VSM sogar mit einer (hoffentlich bezahlten) Anzeige.
Der Grund gemäss Mitteilung: "In den letzten Jahren hat sich angedeutet, was heute Tatsache ist: Onlinewerbeeinnahmen alleine reichen nicht aus, um qualitativ hochstehenden digitalen Journalismus zu finanzieren. Die Leserinnen und Leser müssen überzeugt werden, für gute Inhalte zu bezahlen. Dies wird umso schwerer, wenn die SRG ein gebührenfinanziertes presseähnliches Newsportal anbietet, welches die Verleger nicht als Kernauftrag der SRG betrachten."

Was der VSM in seiner Mitteilung allerdings verschweigt (oder stillschweigend voraussetzt): Das "Newsportal" der SRG ist nicht werbefinanziert. Im Werbemarkt stellt es also keine Konkurrenz zur den Zeitungen und deren Websites dar. Aber natürlich im Nutzermarkt: Ohne SRG-Portal hätten die Verlegerangebote (möglicherweise) mehr Nutzer und deshalb (vielleicht) auch eine grössere Werbenachfrage.
Ein weiteres VSM-Inserat.
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Ein weiteres VSM-Inserat.
Der VSM hält weiter fest, dass er der SRG das Internet nicht versperren wolle. "Selbstverständlich sollen alle Beiträge, welche die SRG über Radio oder TV sendet, auch digital verbreitet werden können. Eine direkte Konkurrenz mit Textinhalten im Internet ist jedoch existenzgefährdend für die Schweizer Presse."


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