Verband Schweizer Medien

Einmal zu viel – und erst noch falsch – gegen die SRG geschossen

Zweimal Post vom VSM – einmal polternd, einmal kleinlaut.
Zweimal Post vom VSM – einmal polternd, einmal kleinlaut.
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Am letzten Donnerstag verschickte der Verband Schweizer Medien (VSM) einen Newsletter, der einen Lobbyismus-Vorwurf an die Adresse der SRG enthielt. Am Freitag nahm VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli den Vorwurf zurück  – allerdings erst, als niemand mehr in den Büros war.
Im Newsletter vom Donnerstag-Mittag (20.4.) unter dem Titel "SRG, lernzielbefreit?" behauptete VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli, die SRG habe zusammen mit der Billag auf dem Portal Kiknet.ch ein Schul-Lehrmittel zum Thema Radio- und TV-Gebühren platziert. Dieses "geradezu grotesk anmutende Lobbying für die Billaggebühren in den Schulzimmern" bezeichnete er als "besonders stossend". Und weiter: "Man kann es kaum glauben. Es ist höchste Zeit, dass die Verwaltung dem Treiben Schranken setzt", polterte Häuptli. Kiknet.ch ist eine Plattform, auf der Firmen den Schulen aller Altersklassen gratis Lehrmittel zur Verfügung stellt, die Themen behandeln, die der Wirtschaft wichtig sind.


Am Tag darauf trat Häuptli wesentlich leiser, ja geradezu kleinlaut auf. Diesmal war seine Mail mit "Lernkurve" betitelt. "Die SRG hat gemäss Rückmeldung zum VSM-Newsletter von gestern nichts mit dem Lehrmittel zu den Empfangsgebühren auf Kiknet zu tun. Dies sei eine alleinige Initiative der Billag, an der die SRG nicht mitgewirkt hätte", schrieb er. So weit, so fair. Unerwähnt blieb allerdings, wessen Lernkurve nun angestiegen war und worin der allfällige Lernzuwachs bestand. Und unfair war der Zeitpunkt, zu dem Häuptli seine Korrektur versandte: Am Freitag, 21.4., 18 Uhr, als schon alle im Wochenende waren.


Ein Kommentar sei hier erlaubt: Man kann mit Fug und Recht darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass die Wirtschaft "ihre Themen" ungefiltert und quasi als PR (oder "Lobbying") auf Kiknet.ch platziert. Aber erstens hat dort auch der VSM ein Lehrmittel platziert (was Häuptli auch offen legt). Ein Lehrmittel übrigens, das das Zeitungslesen propagiert (auf Papier, nicht etwa digital!). Und zweitens sollte der VSM bedenken, dass Billag-Gebühren nichts Verwerfliches sind, sondern einigen seiner Mitgliedern zusätzliches Geld in die Taschen schwemmt. Deshalb Vorsicht, wenn man am eigenen Ast sägt. knö



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