Velvet

Luzerner Agentur lässt die Bären für die Berlinale los

3 von 6 Motiven des Berlinale-Auftritts von Velvet
© Velvet
3 von 6 Motiven des Berlinale-Auftritts von Velvet
Die Luzerner Agentur Velvet hat zum zweiten Mal in Folge die Kampagne gestaltet, mit der die Berlinale um Aufmerksamkeit für die Filme wirbt, die in diesem Jahr zum 67. Mal ins Rennen um die Trophäen in Form eines Bären gehen.

Knapp drei Wochen vor Eröffnung des Filmfestivals in der deutschen Hauptstadt treibt sich via Plakat ein imposanter, lebendiger Bär durch die Stadt - wie im Vorjahr fungiert er als Key-Visual des Berlinale-Auftritts. Die sechs Motive der Kampagne sollen "von flüchtigen Begegnungen einzelner Nachtschwärmer mit dem Bären in der Stadt erzählen", so haben es sich die Kreativen von Velvet ausgedacht.



Mit dem Konzept der Schweizer Kreativen hat Berlinale-Chef Dieter Kosslik im vergangenen Jahr die traditionell grafische Aufbereitung des Themas beendet, die die Gestaltung der seit 2002 jährlich wechselnden Berlinale-Plakatwerbung dominiert hatte.
Berlinale Plakate 2009 und 2011
Berlinale Plakate 2009 und 2011
Beim Publikum kommt der neue Auftritt an: Viermal mussten die Plakate im vergangenen Jahr nachgedruckt werden, die 2016er Serie ist vergriffen, die neuen Motive sind zahlreich vorbestellt. Die früheren abstrakten grafischen Formen wie der Strahlenkranz, den Christian Boros und seine Agentur für die Berlinale 2011 gestaltet haben, sowie die typografische Lösung von Paul Snowden im Jahr 2005 fielen beim Publikum meist durch.

Anders die Velvet-Kampagne mit dem Bären, die dem Berliner Publikum nicht nur gefällt, sondern auch zu Kritik anregt. Es sei schon interessant, "wie akrikbisch sich die Menschen mit unseren Motiven befassen", berichtet Wolfgang Möhrle, Projektleiter bei Velvet: "Da kamen etliche Anrufer, die uns sagten: 1951 - so eine U-Bahn-Nummer gibt es doch gar nicht. Andere wiesen darauf hin, dass die Bahn eine falsche Spurbreite habe - alles wurde bezweifelt."  Tatsächlich ist 1951 das Gründungsjahr der Berlinale. ems/fw

Velvet-Kreativchef Jürg Schaffhuser über die Zusammenarbeit mit der Berlinale

Jürg Schaffhuser, Velvet
© Velvet
Jürg Schaffhuser, Velvet
Im vergangenen Jahr haben Sie den Bären als Key-Visual für den Auftritt ausgewählt. Das liegt zwar nahe, bricht aber mit der urbanen Normalität – und auch mit der bisherigen Werbung für die Berlinale, die bis 2015 von abstrakten, grafischen Formen dominiert wurde. Was steckt dahinter? Und wie kam es dazu, dass die Kampagne auch in diesem Jahr mit dem Key-Visual kommuniziert? 
Die Leitung der Berlinale hatte 2016 Lust einen emotionaleren Weg in der Kommunikation zu gehen. Dass dieser Weg auch 2017 beschritten wird, hat sicher mit dem überaus positiven Echo auf die Werbekampagne zu tun. Die Plakate mussten im vergangenen Jahr dreimal nachgedruckt werden.


Im vergangenen Jahr liessen Velvet und die Berlinale den Bären auch U-Bahn fahren
© Velvet
Im vergangenen Jahr liessen Velvet und die Berlinale den Bären auch U-Bahn fahren
Was soll der Bär erzählen?
Die Berlinale ist in der Stadt und damit auch der Bär, welcher den urbanen Raum von Berlin erobert.

Wie sind Sie in Kontakt mit der Berlinale gekommen?
Die Berlinale ist auf uns zugekommen und hat uns zu einem Pitch eingeladen. Aufmerksam wurde die Berlinale vor allem über die Plakatkampagnen, welche wir für das Deutsche Theater Berlin gestaltet haben.

Die von Velvet kreierte Kampagne fürs Deutsche Theater in Berlin hat 2016 als einziger Schweizer Beitrag einen goldenen Nagel beim Art Directors Club Deutschland gewonnen
© Velvet
Die von Velvet kreierte Kampagne fürs Deutsche Theater in Berlin hat 2016 als einziger Schweizer Beitrag einen goldenen Nagel beim Art Directors Club Deutschland gewonnen
Sie sind eine Schweizer Agentur mit Schweizer Gründern, arbeiten aber auch viel für Kunden in Deutschland und nehmen gerne an Kreativwettbewerben in Deutschland teil. Liegt das an Ihrem deutschen Büro, an den Kunden oder an Ihnen?
In den meisten Fällen werden wir angefragt und zu einem Kennenlernen eingeladen. Wir finden es sehr spannend international zu arbeiten. Der Grund der Anfragen basiert wohl auf unseren Arbeiten, welche im öffentlichen Raum wahrgenommen werden.

Finden Sie es schwierig, grenzüberschreitend kreativ zu arbeiten? Vor allem wenn die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland liegt?
Nein. Gerade die Distanz ist manchmal befreiend und erfrischend. Das trifft wohl für den Kunden wie auf die Agentur zu. Und gerade im politischen Kontext, in welchem wir uns mit unseren Arbeiten oft  befinden, gibt es durch die Distanz wohl etwas mehr Narrenfreiheit.

Viele Ihrer Kunden kommen aus dem kulturellen Bereich. Was ist das Besondere an diesen Auftraggebern und warum arbeiten Sie besonders gerne für sie?
Die Freude am Diskurs und die unkonventionelle Art und Weise Lösungen gemeinsam zu entwickeln.Interview: ems

            

 

stats