Trotz Neukonzept

TeleBasel verliert ein Viertel seiner heimischen Zuschauer

Mit Plakaten kündigte TeleBasel-CEO Dominik Prétôt im Januar den Relaunch seines Senders an.
Screenshot TeleBasel
Mit Plakaten kündigte TeleBasel-CEO Dominik Prétôt im Januar den Relaunch seines Senders an.
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Nach dem Relaunch von TeleBasel anfangs Jahr musste der Sender viel Kritik von der lokalen Konkurrenz einstecken. Vermutlich umsonst. Denn TeleBasel konnte sich keineswegs steigern, nur seinen Zuschauerschwund stoppen. Das zeigen die neuen Semesterzahlen von Mediapulse.
Bei den nun veröffentlichten Semsterzahlen von Mediapulse war mit grosser Spannung das Abschneiden von TeleBasel erwartet worden. Der Sender hatte Ende Januar einen Relaunch samt Konzeptänderung vorgenommen. Neu setzt der Sender auf eine ausgebaute Onlinestrategie mit Mobile-App.

Vergleicht man nun die Zahlen des 1. Semesters 2016, von dem TeleBasel allerdings nur fünf Monate unter neuem Konzept arbeite, mit jenen derselben Vorjahresperiode, so weist TeleBasel im eigenen Konzessionsgebiet einen deutlichen Rückgang aus: Schalteten früher 60.000 Personen mindestens einmal täglich den Sender ein, sind es jetzt nur noch 45.300 (-24,5 Prozent). Die Nettoreichweite ging von ehemals 11,8 Prozent auf 9 Prozent zurück, der Marktanteil fiel von 1,3 Prozent auf 1 Prozent. Einzig die Verweildauer der Zuschauenden verbesserte sich um wenige Sekunden, von 14,7 auf 14,9 Minuten.

Heimwehbasler blieben eher treu

Auch in der gesamten Deutschschweiz erfuhr TeleBasel nicht mehr Zuspruch. Statt fast 108.000 hat der Sender nur noch 93.400 Zuschauer (-13,4 Prozent), der Marktanteil blieb dagegen bei 0,2 Prozent stabil. Heimwehbasler scheinen also etwas öfters zuzuschalten als das heimische Publikum. Offen bleiben muss die Frage, ob TeleBasel nun dank des erweiterten Onlineangebots häufiger auf mobilen Geräten (Tablets, Smartphones) genutzt wird. Diese Nutzung widerspiegelt sich nämlich nicht in den Mediapulse-Zahlen. Da sich aber telebasel.ch nicht von der Internetforschung NET-Metrix ausweisen lässt, kann dazu keine unabhängige Aussage gemacht werden.

Ein Punkt sei fairerweise noch hinzugefügt: Der deutliche Reichweitenverlust von TeleBasel ist nicht in erster Linie auf das Neukonzept zurück zu führen, schnitt doch der Sender schon im 2. Semester 2015, also im Halbjahr unmittelbar vor dem Relaunch, ähnlich schlecht ab (im Konzessionsgebiet 47.7000 Zuschauer und 9,4 Prozent Reichweite). Der eigentliche Absturz erfolgte also bereits vor dem Neustart. Das korrekte Fazit muss also lauten: TeleBasel hat sich trotz Neukonzept nicht verbessern können. Oder positiv ausgedrückt: Dank dem Relaunch konnte der Sender sich stabilisieren.

Mit Verlust und Kannibalisierungseffekt gerechnet

Dominik Prétôt, CEO von TeleBasel, bestätigte auf Anfrage im Wesentlichen die Diagnose von HORIZONT Swiss. Mit einem Rückgang habe man aber gerechnet. "Wenn man das gesamte Konzept umstellt, muss man davon ausgehen, dass auch ein Teil des Publikum ausgewechselt wird", sagte Prétôt. Deshalb sei der Zuschauerverlust nicht überraschend gekommen, zumal dieser wie bei andern Regional-TVs auch schon vorher eingesetzt habe. Aufgrund der aktuelleren Monatszahlen, die TeleBasel von Mediapulse erhalte, sei aber seit März 2016 wieder ein Aufwärtstrend festzustellen – "dies im Gegensatz zu andern Regioalsendern", wie Prétôt hervorhob. Das habe mit einem gewissen Gewöhnungseffekt zu tun, aber auch mit verschiedenen Anpassungen, die seit dem Relaunch am Programm vorgenommen worden seien.
Dank neuem Onlineauftritt ist TeleBasel nicht mehr nur ein Regional-TV, sondern auch ein regionales Nachrichtenportal.
Dank neuem Onlineauftritt ist TeleBasel nicht mehr nur ein Regional-TV, sondern auch ein regionales Nachrichtenportal. (© Screenshot TeleBasel)
Betreffend der Onlinenutzung wollte der CEO keine Zahlen preisgeben. Nur so viel: "Ein gewisser Kannibalisierungseffekt hat durchaus stattgefunden, doch das war auch das Ziel." Zudem seien auch hier  die Zugriffszahlen gestiegen – nicht zuletzt wegen den EM-News und den Berichten zu Überschwemmungen im Baselbiet. Letztlich hoffe man bei TeleBasel, jene Zuschauer, die man auf dem Sender verliere, über Online zurückzugewinnen, sagte Prétôt. Dass der Sender derzeit auf die Beglaubigung seiner Onlinenutzung durch NET-Metrix verzichtet, begründete er mit den hohen Kosten und der Tatsache, dass derzeit für das Medium TV noch keine Gesamtreichweiten (Total Audience) ausgewiesen werden können. Im übrigen kündigte er nach der Sommerpause weitere Anpassunge und Neuerungen im Programm von TeleBasel an – aufgrund der neuen Zahlen und eigenen Publikumsbefragungen. "Es wird aber nicht zu einem Relaunch des Relaunches kommen", betonte er.

Kritik und Anzeige wegen Onlinestrategie

Die neue Onlinestrategie von TeleBasel hatte dem Sender insbesondere vom Basler Online-Portal barfi.ch nicht nur Kritik, sondern auch eine Anzeige beim Bundesamt für Kommunkation (Bakom) eingebracht. Der Vorwurf: Das neue Sendekonzept verstosse gegen die Konzession des Bakom, von dem TeleBasel jährlich 2,4 Millionen Franken Gebührengelder erhalte. Diese würden nun für den neuen Web-Auftritt zweckentfremdet. Der Anzeige hatte sich auch die "Basler Zeitung" angeschlossen.

TeleBasel wies die Vorwürfe zurück. Der Sender sei zu 70 Prozent werbefinanziert, die Gebührengelder würden nur für die eigentliche TV-Produktion eingesetzt. Zudem sei das neue Konzept mit dem Bakom abgesprochen.

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