Total Audience 2016-1, Teil I

Zeitungen der "Blick"- und "NZZ"-Gruppe verlieren erste Onlinenutzer

Titelgruppen verlieren nun auch Onlinenutzer, nicht nur Printleser.
Knöpfli
Titelgruppen verlieren nun auch Onlinenutzer, nicht nur Printleser.
Noch ist es meist nicht dramatisch, aber doch klar: Titelgruppen wie "Blick", "Blick am Abend" und "SonntagsBlick", oder auch "NZZ", "NZZ am Sonntag" und "NZZ Folio" verlieren Onlinenutzer. Nur die Doppelnutzer nehmen stark zu. Das zeigt die Studie Total Audience 2016-1. Einzige Ausnahme: "20 Minuten National" kann noch bei den Onlinenutzern zulegen.
Die Behauptung, wonach Zeitungen ihre Printverluste durch neue Onlinenutzer ganz oder teilweise kompensieren können, trifft zumindest bei Titelgruppen nicht (mehr) zu. Denn mittlerweile findet die Nutzererosion auch bei den reinen Onlinennutzern statt. Die zeigt die Studie Total Audience, die von der WEMF und der Internetforschung NET-Metrix herausgegegen wird. Sie weist für Printmarken – Einzeltitel und Titelgruppen – die auch ein Onlineangebot haben, Gesamtreichweiten aus. In der Studie TA 2016-1, die am 7. Juli publiziert wurde, liessen unter anderem folgende Titelgruppen ihre Zahlen ausweisen: 20 Minuten National (alle drei Sprachausgaben zusammen), NZZ-Gruppe ("NZZ", "NZZ am Sonntag", "NZZ Folio"), Blick-Gruppe ("Blick", "Blick am Abend", "SonntagsBlick"), dann "Berner Zeitung" und "Bund" zusammen, der Metropool und das NewsNet.

Am meisten von der Onlinenutzung profitiert "20 Minuten": Dank den Personen, die schweizweit auf das dreisprachige Online- und Mobile-Angebot (inklusive Apps) des Titels zugreifen, ohne gleichzeitig die Zeitung zu lesen, ist die Gesamtreichweite der Marke "20 Minuten" mittlerweile um 35 Prozent höher als die Printreichweite. Diese reinen Onlinenutzer haben seit Erscheinen der letzten TA-Stuide 2015-2 im letzten Herbst sogar noch um 5 Prozent zugenommen. Die Gesamtreichweite von "20 Minuten National" ist  allerdings bei 2,7 Millionen Nutzern "bloss" stabil geblieben
Die Datenquellen zur Total Audience 2016-1
Die Studie Total Audience 2016-1 hätte eigentlich schon im April dieses Jahres publiziert werden sollen, wegen eines Fehlers wurde sie aber erst am 7. Juni publiziert. Sie bezieht ihre Informationen aus den Datenquellen MACH Basic 2016-1 und NET-Metrix-Profile 2015-2. Die Reichweiten der Pressetitel entstammen der MACH Basic 2016-1, die Sollwerte zur Nutzung der Webangebote liefert die Studie NET-Metrix-Profile 2015-2 . Die MACH Basic 2016-1 wurde im April publiziert und umfasst den Erhebungszeitraum vom 29. September 2014 bis 27. September 2015. Die Studie NET- Metrix-Profile 2015-2 wurde im November 2015 herausgegeben und wurde vom 1. April 2015 bis zum 30. Juni 2015 erhoben.
Auch bei der "Blick"-Gruppe übersteigt die Gesamtreichweite die Printreichweite um knapp 30 Prozent. Die Gesamtreichtweite des Metropools ist um 26 Prozent grösser als dessen Printreichweite, und "NZZ", "NZZ am Sonntag" und "NZZ Folio" bringen es dank Onlinenutzung auf 13 Prozent zusätzliche Reichweite wie ihre Printtitel. "Berner Zeitung" und "Bund" zusammen erreichen über Print und Online total 391.000 Personen, 15 Prozent mehr als über die beiden Zeitungsausgaben. Und das Newsnet, also die Deutschweizer Titel der Tamedia inklusive "Basler Zeitung" erreichen mit ihrem Onlinenangebot insgesamt zusätzliche 26 Prozent Nutzer.

Immer mehr Nutzer mögen es hybrid

Was so erfolgreich klingt, hat mittlerweile auch Schattenseiten: Die Gesamtreichweiten nehmen in den meisten Fällen ab. Noch nicht signifikant zwar, doch die Abwärtsbewegung wird gegenüber den früheren Studien immer deutlicher sichtbar. Was aber am meisten schmerzt: Verluste sind nicht nur bei den Printlesern auszumachen, sondern immer häufiger auch bei den reinen Onlinenutzern. Mit andern Worten: Den Titelgruppen gelingt es immer weniger, ihre Printverluste durch neue Onlinenutzer zu kompensieren. Die meisten Nutzer mutieren von reinen Printlesern zu Doppelnutzern, einige werden später dann exklusive Onlinenutzer. Zugenommen haben deshalb vor allem die Doppelnutzer – mancherorts haben sie sich innert eines halben Jahres gar verdoppelt!

Besonders deutlich ist diese Entwicklung bei der "Blick"-Gruppe zu sehen: Die Zahl der Menschen, die die Marke ausschliesslich Online nutzen, sank innert eines halben Jahres (seit der TA 2015-2) um 16.000 Personen. Die reine Printreichweite ging in derselben Zeit um 138.000 Personen zurück, während die Gruppe der Doppelnutzer um 91.000 Personen anstieg. Am Ende resultierte ein Gesamtreichweiten-Verlust von 63.000 Nutzern.

Ähnliche Veränderungen – also sinkende Zahlen bei den reinen Onlinenutzern und Zuwachs bei den Doppelnutzern – sind auch beim Metropool, bei den NZZ-Titeln, beim NewsNet von Tamedia und bei "Berner Zeitung" / "Bund" festzustellen, allerdings nicht ganz so ausgeprägt.
Leicht weniger reine Onlinenutzer, deutlich mehr hybride Nutzer.
Leicht weniger reine Onlinenutzer, deutlich mehr hybride Nutzer. (© Knöpfli)
Die einzige Ausnahme unter den Titelgruppen ist – wie bereits erwähnt – "20 Minuten National". Obwohl diese Gruppe punkto Gesamtreichweite stabil bleibt, kann sie bei den reinen Onlinnutzern wachsen: um schweizweit 33.000 (+5 Prozent) auf 713.000 Personen. Auch die Doppelnutzer nehmen zu, um 134.000 Personen (+ 32 Prozent). Demgegenüber sinkt die reine Printleserschaft um 171.000 (-10 Prozent) auf 1.494 Millionen Personen. Also gilt selbst hier: Von einer Kompensation der Printverluste durch Onlinenutzer kann keine Rede sein. Nicht annäherend.

Wie sich die Gesamtreichweiten der Einzeltitel entwickeln, die bei Total Audience 2016-1 ausgewiesenen sind, wird am Dienstag an dieser Stelle zu lesen sein.




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