Total Audience 2016-2

"Bilan" und "Le Temps" steigern ihre Gesamtreichweite deutlich

Erstaunlich: Die "Handelszeitung" gehört zu den Titel mit dem grössten Onlineanteil unter ihren Nutzern, die "SonntagsZeitung" dagegen zu jenen mit dem kleinsten Onlineanteil.
Markus Knöpfli, © knö.
Erstaunlich: Die "Handelszeitung" gehört zu den Titel mit dem grössten Onlineanteil unter ihren Nutzern, die "SonntagsZeitung" dagegen zu jenen mit dem kleinsten Onlineanteil.
Die Studie Total Audience 2016-2, die gemeinsam von der Wemf und der Internetforschung NET-Metrix herausgegeben wurde, weist nur wenigen Pressetiteln einen grösseren Zuwachs bei der Gesamtreichweite ihrer Print- und Onlinereichweiten aus – an der Spitze stehen "Bilan" und "Le Temps", deren Gesamtnutzerschaft um 40 Prozent beziehungsweise 20 Prozent zulegt.

Erstmals seit Einführung der neuen Messmethodik bei der Internetforschung NET-Metrix Profile liegt mit der Total Audience 2016-2 eine Studie vor, die die Entwicklung bei den Gesamtreichweiten (Print und Online) über ein Jahr vergleichbar macht. Und dabei stechen drei Titel ins Auge:

Das Westschweizer Wirtschaftsmagazin "Bilan" trumpft mit einem Gesamtreichweitengewinn von 37 Prozent auf, "Le Temps" steigert sich um 20 Prozent pro Ausgabe und die Frauenzeitschrift "Annabelle" verzeichnet ein Plus von 11 Prozent.

Bei Pint und Online zugelegt

Konkret: "Bilan" steigerte seine Gesamtreichweite innert eines Jahres von 128.000 auf 175.000 Nutzer, bei den reinen Printlesern gab es ein Plus von 8000, bei den reinen Onlinenutzern eines von 36.000 und bei den Doppelnutzern 3.000 Personen.

Die Gesamtreichweite von "Le Temps" legte von 114.000 auf 137.000 zu, bei den Printlesern um 2.000, bei den Onlinenutzern um 20.000 und bei den Doppelnutzern um 1.000 Personen.
Die Datenquellen der Total Audience 2016-2
Die Studie Total Audience 2016-2 bezieht ihre Informationen aus zwei Studien: Die Reichweiten der Pressetitel entstammen der MACH Basic 2016-2, die Sollwerte zur Nutzung der Webangebote liefert die Studie NET Metrix-Profile 2016-1. Die MACH Basic 2016-2 wurde zeitgleich mit der Total Audience 2016-2 am 11. Oktober 2016 publiziert und umfasst den Erhebungszeitraum vom 8. April 2015 bis 24. März 2016. Die Studie NET Metrix-Profile 2016-1 wurde im Juli 2016 herausgegeben und vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2015 erhoben.
"Annabelle" steigert sich von insgesamt 357.000 auf 395.000 Nutzern, wobei der Titel bei den reinen Printlesern um 16.000 Personen zunimmt, bei den reinen Onlinenutzern um 15.000 und bei den Doppelnutzern um 7.000. Kurz: Allen drei Titeln ist gemeinsam, dass sie sowohl bei Print als auch bei Online gewachsen sind, nicht nur in einem Bereich.

Der Traum von der Kompensation erfüllt sich selten

Was natürlich ebenfalls interessiert: Wie schneiden jene Titel ab, die in der MACH Basic 2016-2, also bei den Printlesern, gegenüber Vorjahr abgestürzt sind: Legen sie dafür bei den Onlinenutzern zu? Und können sie ihre Printverluste durch Onlinenutzer kompensieren? Häufig wird genau dies behauptet. Erst gestern hat die "Nordwestschweiz" in einem Nebensatz geschrieben, dass die meisten Medien, die Nutzer verlieren, im Onlinebereich dafür massiv zulegen.

Da sich nur wenige Titel sowohl in der MACH Basic als auch bei der Total Audience ausweisen, lassen sich diese Fragen nur für zehn Titel oder Titelgruppen beantworten. Für diese aber umso klarer.
Nur zwei Gratistitel – "20 minutes" und "20 Minuten Friday" – können ihre Printleserverluste durch reine Onlinenutzer kompensieren.
Markus Knöpfli, © knö.
Nur zwei Gratistitel – "20 minutes" und "20 Minuten Friday" – können ihre Printleserverluste durch reine Onlinenutzer kompensieren.
Ein Beispiel: Die Blick-Gruppe, bestehend aus "Blick", "SonntagsBlick", "Blick am Abend", blick.ch und blickamabend.ch, hat in den letzten zwölf Monaten insgesamt 156.000 Printleser (inklusive Doppelnutzer) verloren und in derselben Zeit 98.000 reine Onlinenutzer  gewonnen. Fazit: Die Gesamtreichweite ist heute fast 5 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr, der Zuwachs bei Online vermag den Printverlust bei weitem nicht zu kompensieren.

Das gilt für die meisten andern Titel auch. Mit zwei Ausnahmen: "20 Minutes" und "20 Minuten Friday" gewinnen mehr Onlinenutzer, als sie bei Print verlieren – ihre Gesamtreichweite steigt. Besonderes Pech haben dagegen "Tele", "Femina" und das "Migros Magazin": Sie verlieren nicht nur bei Print, sondern auch bei den reinen Onlinenutzern.

Immer mehr Gesamtreichweiten erodieren

Was sich schon in den früheren Total-Audience-Studien ziegte, bestätigt sich im Jahresvergelich erneut und umso deutlicher: 
Es gibt immer mehr Titel, die auch bei der Gesamtreichweite verlieren: So das "Newsnet National", dessen Gesamtreichweite um 2 Prozent sinkt, die Tageszeitungen "Basler Zeitung" (-12 Prozent), "24 Heures" (-4 Prozent), "Tribune de Genève" (-6 Prozent), das "NewsNet Westschweiz" (-7 Prozent), und schliesslich noch das "St. Galler Tagblatt" (-3 Prozent) und die "Coop-Presse" (-1 Prozent), wobei die letzten Beiden erst zum zweiten Mal mitmachen und deshalb nur über ein halbes Jahr vergleichbar ist. Exakt stabil geblieben ist das Wirtschaftsmagazin "Bilanz": Es hat innert eines Jahres gleichviele reine Printleser verloren wie reine Onlineleser gewonnen. Alle anderen Titel und Titelgruppen haben bei der Gesamtreichweite zulegen können, doch in der Regel nur leicht – zwischen +0.7 Prozent ("Corriere del Ticino") und immerhin +5 Prozent ("Tages-Anzeiger").

Im Durchschnitt 24 Prozent Onlinenutzer

Bemerkenswert ist ferner, wie gross die Unterschiede beim Anteil reiner Onlinenutzer sind. Die Bandbreite reicht von 0,9 Prozent bei der "Coop-Presse" bis zu knapp 40 Prozent bei "20 minuti" (siehe Grafik). Egal ob es sich um Gratis- oder Abo-, um Tages-, Wochen- oder Monatstitel handelt – unter allen Kategorien gibt es welche mit einem hohen und andere mit einem geringen Online-Anteil. Der Durchschnitt bewegt sich bei 24 Prozent Onlineanteil, wobei dieser Durchschnitt im letzten Jahr um 3 Prozentpunkte gestiegen ist.

Die grösste Zunahme beim Onlineanteil  – und damit die rascheste Verkleinerung des Printanteils – ist bei "20 Minuten Friday" (+ 9 Prozent), "20 Minuti" (+ 8 Prozent) und "20 Minuten" (+7 Prozent) feststellbar.

Vorsicht bei 14täglich erscheinenden Titeln

Einige weitere Titel haben einen speziell hohen Anteil reiner Onlinenutzer – allerdings nur auf den ersten Blick: Die Westschweizer Wirtschaftszeitschrift "Bilan" weist einen reinen Onlineanteil von  66 Prozent aus, ihr Deutschschweizer Pendant "Bilanz" einen von 47 Prozent, "Annabelle" kommt auf 39 Prozent und der "Beobachter" auf 35 Prozent. Doch in diesen Fällen sind die Angaben ungenau, denn die Zahlen zu den Onlinenutzern sind Monatswerte, die Titel erscheinen aber 14täglich, und ihre Printzahlen basieren auf der Leserschaft pro Ausgabe. Anders gesagt: Man müsste die Onlinewerte in diesen Fällen in etwa halbieren, um zur korrekten Onlinenutzerschaft pro Ausgabe zu kommen. Damit fallen diese Anteile wieder auf das übliche Mass – wobei der Onlineanteil von "Bilan" mit rund 33 Prozent dennoch zu den hohen gehört.




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