Total Audience 2016-1; Teil II

Gesamtreichweiten der Deutschschweizer Zeitungen legen leicht zu, jene der Westschweizer Zeitungen sinken

Die Gratiszeitungen können ihre Gesamtreichweiten leicht ausbauen – ausser 20 Minuten (Deutschschweiz).
Knöpfli
Die Gratiszeitungen können ihre Gesamtreichweiten leicht ausbauen – ausser 20 Minuten (Deutschschweiz).
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Es ist kein einheitliches Bild, doch die Tendenz ist klar: In der Deutschschweizer vermögen die einzelnen Tageszeitungen ihre Gesamtreichweiten meist noch auszubauen, in der Romandie hingegen gehen sie bereits langsam zurück.
Die Studie Total Audience 2016-1 weist für Printmarken, die auch ein Onlineangebot haben, Gesamtreichweiten aus. Für die einzelnen Printtitel hat dies den Vorteil, dass sie ihre Printreichweite, die in der Mach Basic ausgewiesen wird, dank der Onlinereichweite erweitern und überschneidungsfrei ausweisen können. Bei einigen Titeln fällt diese Erweiterung allerdings minimal aus, so bei der "Neuen Luzerner Zeitung", deren Gesamreichweite bloss 7 Prozent grösser ist als die Printreichweite. Das extremste Gegenbeispiel ist "20 minuti", dessen Gesamtreichweite dank Onlinenutzern um 65 Prozent grösser ist als die Printreichweite. Die Tessiner Gratiszeitung konnte diesen Anteil auch am deutlichsten von allen ausbauen, betrug doch die Differenz zwischen Print- und Gesamtreichweite noch vor einem halben Jahr "erst" 45 Prozent!
Die Gesamtreichweiten der Deutschschweizer Tageszeitungen wachsen noch leicht – ausser bei der Basler Zeitung.
Die Gesamtreichweiten der Deutschschweizer Tageszeitungen wachsen noch leicht – ausser bei der Basler Zeitung. (© Knöpfli)
Neben "20 minuti" kommen mittlerweile auch andere Zeitungen auf Gesamtreichweiten, die sich von der jeweiligen Printreichweite signifikant abheben – so "Basler Zeitung", "Tribune de Genève" und "Le Temps", wo die Unterschiede je 48% betragen. Beim "Tages-Anzeiger" ist die Gesamtreichweite 39 Prozent grösser als jene des Printtitels, bei "20 Minuten" (Deutschschweiz) beträgt die Differenz 37 Prozent, beim "Blick am Abend" dagegen nur 14 Prozent.
Die Gesamtreichweiten der Westschweizer Tageszeitungen sinken – ausser bei Le Temps.
Die Gesamtreichweiten der Westschweizer Tageszeitungen sinken – ausser bei Le Temps. (© Knöpfli)
Vergleicht man die aktuelle Studie mit der Vorgängerstude Total Audience 2015-2, so zeigt sich folgendes Bild: Mit Ausnahme von "20 Minuten" (Deutschschweiz) können alle Gratiszeitungen ihre Gesamtreichweiten leicht ausbauen, auch, weil sie zusätzliche Nutzer gewinnen konnten, die den jeweiligen Titel ausschliesslich online oder via mobile Geräte nutzen. Der Hauptzuwachs findet aber – wie bei den Titelgruppen, siehe Teil I – bei den Doppelnutzern statt.

Das gilt – wenn auch auf deutlich tieferem Niveau – ebenfalls für die abonnierten Tageszeitungen in der Deutschschweiz: Diese können die Doppelnutzer nicht selten mehr als verdoppeln. Deren Anteil bleibt aber unter 10 Prozent. Die Westschweizer Abo-Zeitungen sind diesbezüglich weniger erfolgreich: Ihre Doppelnutzer nehmen zwar ebenfalls zu, aber um maximal 30 Prozent. Und bei den reinen Onlinenutzern ist der Zuwachs noch kleiner.
Total Audience: Meilenstein zur intermedialen Daten-Plattform
Die Total Audience liefert kombinierte Medienmarken-Reichweiten von Pressetiteln und deren Webangeboten. Die Studie entstand in Zusammenarbeit zwischen der WEMF und der NET-Metrix AG. So gesehen ist sie ein erster Schritt hinsichtlich eines gattungsübergreifenden Forschungsansatzes, wie es kürzlich von der Eidgenössischen Medienkommission gefordert und von WEMF und Mediapulse im Projekt "Swiss Media Data Hub" skizziert worden war. Die WEMF schreibt denn auch: "Von der Vision einer sämtliche intramedialen Branchenstudien integrierenden Daten-Plattform, gibt die Total Audience auf formaler, fachlicher und praktischer Ebene eine Vorstellung davon, wie dieses Ziel eines Tages erreicht werden könnte."
Die Folge: Die Deutschschweizer Abo-Zeitungen vermögen ihre Gesamtreichweite leicht auszubauen – mit Ausnahme der "Basler Zeitung", deren Gesamtreichweite um 6 Prozent gesunken ist. Die Abo-Zeitungen in der Westschweiz hingegegen weisen rückläufige Gesamtreichweiten auf – mit Ausnahme von "Le Temps", das sie um 6 Prozent zu steigern vermag. Die Veränderungen sind aber nirgends signifikant.

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